Duisburg: Kunstraum in der Zahnarzt-Praxis

Duisburg: Kunstraum in der Zahnarzt-Praxis

Auf 160 Quadratmetern zeigt Dr. Manhardt Barthelmie Kunst und Design aus seiner eigenen Sammlung.

"Kunstraum und Praxis für Zahnheilkunde" steht auf dem Türschild. Wer als Skeptiker erwartet, dass hier ein Zahnarzt in seinem Wartezimmer nur einige Bilder aufgehängt hat, der wird eines Besseren belehrt, wenn er die Räume in der zweiten Etage betritt: Das "Wartezimmer" ist ein Saal von 160 Quadratmetern. An den hohen, weiß gestrichenen Wänden hängen als Blickfänge großformatige Fotokunstwerke von Thomas Florschuetz. Und die Möbel sind etwas ganz Besonderes; es sind Paradestücke vom weltberühmten Architekten, Stadtplaner und Designer Charles-Édourd Jeanneret-Gris, besser bekannt als Le Corbusier (1887 - 1965). Dr. Manhardt Barthelmie hat die großzügigen Räumlichkeiten im so genannten Mercatorhaus am Ende der Königstraße gemietet. Und sein Kunstraum ist neben seiner Zahnartzpraxis wirklich etwas Eigenständiges, wobei die Kunst und die Praxis mit einer Schiebetür voneinander getrennt sind.

Erst vor wenigen Wochen hat Dr. Manhardt Barthelmie Kunstraum und Zahnarztpraxis in Duisburg eröffnet. Zuvor hatte er 38 Jahre lang seine Praxis in Xanten, die er an einen Nachfolger übergab. Doch fühlt sich Dr. Barthelmie, der kürzlich seinen 70. Geburtstag feierte, noch zu fit für den Ruhestand. Mit der Verbindung von Kunstraum und Zahnarzt-Praxis erfüllt er sich nun gewissermaßen einen Traum, bei dem Beruf, Berufung und Leidenschaft zusammenkommen. Schon immer sei er, so erzählt Dr. Barthelmie, ein kulturell interessierter Mensch gewesen. Eine Zeitlang habe sogar vorgehabt, Musik zu studieren; bis heute spiele er gerne Geige, auch mit anderen Musikern in Kammerbesetzung. Und bereits als Student habe er Kunst gesammelt. Anfangs nur grafische Blätter, die nicht so teuer waren; später auch Anderes. In 40 Jahren habe er so viel Kunst gesammelt, dass er sie in seinem Privathaus in Duisburg nicht mehr hängen oder stellen kann. Der "Kunstraum" im Mercatorhaus ist für ihn ein kleines Privatmuseum. Verkaufsabsichten hat Dr. Barthelmie nicht, aber er freut sich, wenn er interessierten Menschen Werke aus seiner umfangreichen Sammlung zeigen kann.

Künftig möchte er mehrere Ausstellungen im Jahr aus seiner eigenen Sammlung öffentlich zeigen. Nach den künstlerischen Fotografien von Thomas Florschuetz (Jahrgang 1957), der zu den bedeutendsten Fotokünstlern Europas gehört, sollen im Frühjahr Gemälde präsentiert werden. Welche das sind, verriet er noch nicht. Zu seiner Sammlung gehörten, so berichtet er, ausschließlich Werke von Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts. Einige Maler hat Dr. Bartholmie übrigens selber zahnärztlich behandelt. Während die Werke an den Wänden wechseln, werden die Sessel und die Chaise longue von Le Corbusier als Designerstücke mit normaler Sitz- und Liegefunktion ständig in der Praxis anzutreffen sein.

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In Xanten ist Dr. Bartholmie öffentlich nie als Kunstsammler in Erscheinung getreten, wohl aber als Mitglied der humanitären zahnärztlichen Hilfsorganisation German Dentist Carehood International. Mehrmals fuhr er auf eigene Kosten mit anderen Kollegen nach Indien, um dort in Schulen und Heimen bedürftige Kindern unentgeltlich zu behandeln.

Der Kunstraum kann unabhängig von der Zahnarzt-Praxis kostenlos besichtigt werden: Montags, dienstags und donnerstags von 14 bis 17 Uhr. Anschrift: Königstraße 61. Info unter www.dr-barthelmie.de und unter der Telefonnummer: 0203 93420025.

(pk)
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