Duisburg: Schulleiter warnt vor Überforderung bei Flüchtlingskindern

Duisburg : Schulleiter warnt vor Überforderung bei Flüchtlingskindern

Der Direktor des Abtei-Gymnasiums und der Vorsitzende der Schulpflegschaft weisen auf die Probleme hin.

Patentrezepte gibt es noch nicht! Aber immerhin wurden nach üblen Erfahrungen einige Regelungen entwickelt, die ein sinnvolles schulisches Mitwirken bei der Integration von Kindern aus Flüchtlingsfamilien zumindest ansatzweise möglich machen. Das ist die vorsichtige Einschätzung, die Thomas Regenbrecht, Oberstudiendirektor des Abtei-Gymnasiums, gestern gab.

Schulpflegschaftsvorsitzender Frank Heidenreich. Foto: Christoph Reichwein

Im vergangenen Jahr wurden in dem Hamborner Gymnasium, dessen kirchlicher Träger das Bistum Essen ist, zwei "internationale Klassen" gegründet. Dort wurden jeweils 16 Kinder im Alter von 12 bis 14 Jahren unterrichtet, die zum großen Teil aus Familien stammen, die aus Kriegsgebieten nach Deutschland geflüchtet sind. Am Anfang sei es bei der Einrichtung dieser Integrationsklassen ziemlich chaotisch zugegangen. Da seien von der Kommune Schüler den Klassen zugewiesen worden, die nicht nur kein Wort Deutsch gesprochen hätten, sondern die darüber hinaus auch keinen Bezug zur lateinischen Schrift gehabt hätten. Die Schüler hätten deshalb ohne irgendeinen Bezug zum schulischen Lernen, ohne ein Mindestmaß fürs Verständnis des Unterrichtsgeschehens in den Klassenräumen die Zeit totgeschlagen. Frank Heidenreich, Schulpflegschaftsvorsitzender und Duisburger Kommunalpolitiker (CDU), warnt vor dieser Art der "Integration": "Man tut den Kindern nichts Gutes, wenn man sie in solchen Klassen unterbringt." Misserfolgserlebnisse, ständige Frustrationen und Langeweile führten bei den Kindern zu verständlichem Fehlverhalten. "Auf solche Weise kann Integration überhaupt nicht gelingen", sagt Heidenreich.

Schulleiter Regenbrecht sieht das ähnlich. Auch er warnt vor einer Überforderung der Schulen. Immerhin zeigte er sich gestern etwas erleichtert darüber, dass die Missstände, die noch vor einem knappen Jahr geherrscht hätten, inzwischen nicht mehr ganz so brisant seien. Nach den ersten Erfahrungen mit einer nahezu willkürlichen Zuweisung von Kindern in die Integrationsklassen seien nun Regelungen eingeführt worden, die in die richtige Richtung zielten. "Wir können uns nun einen kurzen Eindruck von den Schülern aus Flüchtlingsfamilien machen, die zu uns kommen", sagte Regenbrecht gestern gegenüber der RP. "Wir müssen jetzt keine Schüler mehr aufnehmen, für die ein Besuch unserer internationalen Klassen falsch wäre", so der Schulleiter. Solche Kinder müssten vor dem Besuch einer Integrationsklasse zunächst eine Alphabetisierungseinrichtung absolvieren. Eine Clearingsstelle bei der Stadt müsse die nötigen Schritte vorbereiten. Eine große Herausforderung sei die schulische Integration von Kindern aus Flüchtlingsfamilien aber auch jetzt noch. Ein Problem sei das viele Kommen und Gehen in den Integrationsklassen. Und nach wie vor säßen vier Schüler in den Klassen, die dort besser nicht säßen.

Zu den positiven Erfahrungen gehöre aber auch, dass viele Schüler aus Flüchtlingsfamilien ungemein lernfreudig seien und sich anstrengten, damit sie nach dem Auslaufen der Integrationsklassen im Jahr 2018 in den normalen Schulunterricht wechseln können. Regenbrecht hofft, dass acht der 32 Schüler aus den jetzigen Integrationsklassen in einigen Jahren ein ganz normales Abitur am Abtei-Gymnasium bestehen werden. Andere Schüler aus den Integrationsklassen könnten an Schulen mit anderem Zuschnitt erfolgreich Abschlüsse erlangen. Zugestanden wird den betroffenen Schülern in der Regel, dass sie im Fach Deutsch keine Noten bekommen. Sie müssen aber die deutsche Sprache so gut beherrschen, dass sie dem kompletten Unterricht problemlos folgen können.

Die Situation am Abtei-Gymnasium ist nach Ansicht von Regenbrecht typisch für viele Schulen in Duisburg. Wichtig sei, dass die Berufskollegs, die neben einem Schulabschluss auch eine Berufsausbildung bieten, stärker als bislang in die Integrationsaufgabe eingebunden werden. Bei einigen Flüchtlingsfamilien würden Handwerksberufe zu wenig geschätzt, weil in deren Heimatländern Handwerker mit Hilfsarbeitern gleichgesetzt würden. Da sei noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

(pk)
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