Duisburg: Bach fließt gleichmäßig dahin

Duisburg : Bach fließt gleichmäßig dahin

Im jüngsten, siebten Kammerkonzert in der gut gefüllten Philharmonie Mercatorhalle waren vier Pianisten um Evgeni Koroliov die Solisten in sechs Konzerten für ein bis vier Klaviere und Streicher von Johann Sebastian Bach.

Als Johann Sebastian Bach von 1729 bis 1740 das einst von Georg Philipp Telemann gegründete Collegium Musicum der Leipziger Universität leitete, das im Zimmermannschen Caffeehaus auftrat, schrieb er acht Konzerte für ein Tasteninstrument und Streicher sowie sechs Konzerte für mehrere, bis zu vier Tasteninstrumente und Streicher. Es wird vermutet, dass Bachs Söhne Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel bei den Aufführungen mitwirkten. Zumindest einigen dieser Werke liegen Konzerte für andere Instrumente zugrunde, zumindest einen Teil davon hatte der Thomaskantor selbst komponiert.

Natürlich kann man diese Musik auch auf "modernen" Instrumenten aufführen, so wie jetzt im jüngsten, siebten Kammerkonzert der gut gefüllten Philharmonie Mercatorhalle mit zweimal Steinway und zweimal Bechstein plus einem kleinen Streichorchester der Duisburger Philharmoniker - nun aber mit einem Wissen um die historische Aufführungspraxis. Die künstlerisch Verantwortlichen brachten eine beachtliche Bach-Kompetenz mit. Die Solisten waren der 1949 geborene Evgeni Koroliov, in der Saison 2008/09 Duisburgs "Artist in Residence" (Gastkünstler, die RP berichtete), seine Duopartnerin und Ehefrau Ljupka Hadzigeorgieva sowie seine ehemaligen Schüler Anna Vinnitskaya und Stepan Simonian, die beide inzwischen selbst Professoren an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg sind. Auch der Dirigent Wolfram-Maria Märtig studierte Klavier bei Koroliov in Hamburg und ist jetzt Kapellmeister an der Wiener Volksoper. Das Programm reichte von dem berühmten Konzert für Klavier und Streicher d-Moll BWV 1052 (souveräner Solist: Evgeni Koroliov) über das wohl nach einem Konzert für Violine und Oboe bearbeitete Konzert für zwei Klaviere und Streicher c-Moll BWV 1060 (plus Ljupka Hadzigeorgieva) zu dem Konzert für drei Klaviere und Streicher d-Moll BWV 1063 (plus Anna Vinnitskaya), setzte nach der Pause noch einmal an mit dem von Bach nach seinem Doppelkonzert für zwei Violinen d-Moll BWV 1043 arrangierten Konzert für zwei Klaviere und Streicher c-Moll BWV 1062 (Anna Vinnitskaya und Ljupka Hadzigeorgieva) über das Konzert für drei Klaviere und Streicher C-Dur BWV 1064 (plus Evgeni Koroliov) bis zu jenem Konzert für vier Klaviere und Streicher a-Moll BWV 1065, in dem Bach das Konzert für vier Violinen und Streicher h-Moll op. 3 Nr. 10 RV 580 von Antonio Vivaldi bearbeitete, ja erweiterte, vertikal (vollgriffig) und horizontal (bei gleicher Taktzahl).

Die Aufführungen jetzt wirkten stilistisch vorbildlich diszipliniert, mit Vibrato nur als Verzierung und ohne der Musik etwas hinzuzufügen, was sie nicht enthält. Allerdings wurde die Gelegenheit zu durchsichtiger Gestaltung immer wieder verpasst, und Bach floss an diesem Abend insgesamt dann doch etwas zu gleichmäßig dahin.

Im nächsten, achten Kammerkonzert am Sonntag, 7. Mai, um 19 Uhr, in der Philharmonie Mercatorhalle, spielt der jetzige "Artist in Residence" Nicolas Altstaedt zusammen mit dem Pianisten Alexander Lonquich alle fünf Sonaten für Violoncello und Klavier von Ludwig van Beethoven.

Karten gibt es am einfachsten unter der Telefon-Nummer 0203 283 62 100.

INGO HODDOCK

(hod)
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