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Düsseldorf: Die Kastanie hat nach Ela ausgedient

Düsseldorf : Die Kastanie hat nach Ela ausgedient

Bei der Neupflanzung in Hofgarten, Rheinpark oder an der Cecilienallee werden sich die Düsseldorfer auf neue Baumarten einstellen müssen. Der Orkan und seine Folgen bestimmten auch die Sitzung der Bezirksvertretung 1.

Es war nicht die erste Sitzung der Bezirksvertretung, in der Thomas Hechtle-Wacker vom Gartenamt gestern Bilanz nach dem Pfingststurm zog und einen Blick in die Zukunft warf. Ihm zur Seite stand bei der Aufarbeitung in den zum Zentrum zählenden Stadtteilen Denkmalexperte Tobias Lauterbach, der die Gartendenkmäler unter die Lupe nahm. Die Zahlen entwurzelter und nicht mehr zu rettender Bäume waren in der Stadtmitte mit Hofgarten oder Rheinpark, aber auch Nordfriedhof oder Golzheimer Friedhof natürlich besonders verheerend. Dazu kamen Straßenzüge, die vor dem 9. Juni als baumreich galten und jetzt viele kahle Stellen aufweisen. 100 zerstörte Bäume waren es etwa am Kennedydamm, 59 Platanen fielen Ela an der Kaiserswerther Straße zum Opfer, und auch das "grüne Rückgrat", die Cecilienallee, sei mit 71 betroffenen Bäumen "komplett perforiert" worden, so Lauterbach.

An dem Beispiel Cecilienallee und Rotterdamer Straße lässt sich gut festmachen, dass sich die Düsseldorfer bei der Neupflanzung auf neue Baumsorten einstellen müssen. Denn die dort häufig vorkommende Kastanie hat wegen ihrer Anfälligkeit für Bakterienerkrankungen im Stadtgebiet weitgehend ausgedient. Zumindest würden keine mehr nachgepflanzt, betonte Lauterbach. Das hat sich aber offenbar noch nicht überall bei der Stadt herumgesprochen. Einer Baumspenderin wurde vom Leiter des Golzheimer Friedhofes versprochen, dass anstelle einer umgekippten Rosskastanie von ihrem Geld eine neue gepflanzt werde. Das gehe nicht, stelle Lauterbach unmissverständlich klar. Was für die Kastanie gilt, trifft mit Abstrichen auch auf die Platane zu, bei der der Massaria-Pilz zum Absterben der Krone führt. Stattdessen wird das Gartenamt verstärkt auf sogenannte Zukunftsbäume setzen, die bisher hier kaum bekannt waren - wie zum Beispiel der Tulpen- oder der Lederhülsenbaum sowie die Baummagnolie.

Bei den Straßenbäumen müssten die Anwohner Geduld aufbringen, sagte Thomas Hechtle-Wacker. Bei rund 11 000 abgängigen Bäumen im Stadtgebiet werde eine flächendeckende Nachpflanzung bis zu vier Jahre dauern. "Das ist natürlich auch immer von der Finanzsituation abhängig", erläuterte er, dass ein Straßenbaum je nach Größe inklusive Pflege zwischen 2000 und 4000 Euro koste.

Ein stets wiederkehrendes Ärgernis unter den Düsseldorfern in den vergangenen Wochen ist die nachträgliche Fällung vermeintlich gesunder Bäume. "Oberste Priorität hat für uns immer die Verkehrssicherungspflicht", erklärte Hechtle-Wacker dazu. "Wir hätten viel mehr fällen können nach Ela, haben uns aber entschieden, so viele Bäume wie möglich zu retten." Das wiederum sei nur mit intensiver Pflege möglich gewesen - was nicht immer von Erfolg gekrönt gewesen sei. "Wir mussten auch Monate später noch so manch unangenehme Entscheidung treffen." Im Zoopark und an der Heinrichstraße sei momentan ein Gutachter unterwegs, "es kann sein, dass wir auch an dieser Stelle noch tätig werden müssen".

Dass die Informationspolitik der Verwaltung in diesen Fällen womöglich nicht immer so ganz glücklich verlaufen sei, räumte Hechtle-Wacker zwar ein, grundsätzlich aber jeden Anwohner über eine Baumfällung zu informieren, sei ein wohl zu großer Aufwand.

(RP)