Düsseldorf : Buchenwald im Neubauviertel

Auf dem Gelände des neuen Quartiers Grafental war im Krieg ein KZ-Außenlager eingerichtet. Noch erinnert nichts daran.

"Wo Düsseldorfs grünes Herz schlägt, dort liegt Grafental. Zwischen Aaper Wald und Grafenberger Wald, direkt bei Golfplatz und Ostpark, entsteht der lebenswerte neue Stadtteil", heißt es auf der Homepage des Neubau-Quartiers in Flingern-Nord. Immer mehr Wohnbauten entstehen auf dem Gelände, eine Piazza soll mediterranes Flair verbreiten, und man besinnt sich auch der Historie des Areals. So steht etwa immer noch ein ehemaliger Lokomotivschuppen als backsteinerne Erinnerung an die Hohenzollernwerke, wo einst Lokomotiven gebaut wurden.

Nichts in dem neuen Quartier erinnert aber an die Zeit zwischen 1943 und 45. Damals betrieb die SS ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald hier. Um die 600 ständigen Häftlinge wurden wie Sklaven von Himmlers Schergen um 6 Uhr zur Arbeit getrieben, schufteten sich teilweise zu Tode, während sie kaum Nahrung bekamen.

Sie schliefen in Stockbetten in einer Industriehalle, Strohdecken gab es für wenige, statt Schuhen trugen sie Zementsäcke an den Füßen. Ein SS-Oberscharführer hatte die Devise herausgegeben, "dass kein Häftling das Lager lebend verlassen würde." Und daran musste sich auch die reguläre Belegschaft des Werkes halten. So war es etwa bei Strafe verboten, den halb verhungerten Gefangenen Essen zu geben.

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Es gibt keine Pläne des Außenlagers Berta, wie das Lager genannt wurde. Auch die Mahn- und Gedenkstätte hat keine Unterlagen, und so ist der genaue Standort des Lagers auf dem Areal unbekannt. Natürlich gibt es aber Akten: Bestandslisten, Korrespondenz zwischen Buchenwald und dem Außenlager in Flingern. Und es gibt Gerichtsakten vom Prozess gegen den Kommandanten Walther Knauf, der wegen Totschlags vom Landgericht Düsseldorf zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde. Dabei ging es um die Erschießung eines Franzosen. Die Misshandlungen, Folterungen und Exekutionen in dem Lager wurden nie gesühnt. Manche Häftlinge mussten auch in der Stadt arbeiten. Sie wurden etwa zur Beseitigung von Trümmern eingesetzt. Auch mussten sie die Quartiere von Blindgängern räumen - eine gefährliche Arbeit, die sie auf sich nahmen, weil ihnen sonst drakonische Strafen drohten.

Die Polizei sperrte dann zwar den Einsatzort ab, doch natürlich bekamen auch die Bürger der Stadt mit, in welch' erbärmlichem Zustand die Menschen waren. "Ich sah in die Gesichter von Toten", beschrieb das ein Zeitzeuge im Prozess. Damals entstanden auch die einzigen Fotos der KZ-Häftlinge. Sie wurden heimlich aufgenommen. Die Trümmerhelfer wurden damals von der Stadt bei der SS angefordert, die wiederum stellte die Sklaven in Rechnung. Nachschub kam regelmäßig aus Buchenwald, das im Laufe der Zeit etwa 250 000 Menschen durchliefen.

Die Mehrzahl der Häftlinge in Düsseldorf kam aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten, Polen, Russen, Ukrainer, Franzosen, es waren aber auch Deutsche darunter; Menschen, die bei den Nazis unter die Kategorie "Berufsverbrecher" und "Asoziale" fielen, Kommunisten, Sozialdemokraten, Gegner des Regimes.

Im März 45 wurde das Lager geräumt. Auf einem irrsinnigen, dreitägigen Marsch nach Wermelskirchen, von wo ein Zug nach Buchenwald fuhr, kam durch Tiefflieger und Exekutionen noch einmal eine unbekannte Zahl von Menschen ums Leben. Noch in den achtziger Jahren wurden auf dem Weg Überreste der Toten bei Erdarbeiten gefunden. Als nach Kriegsende die Alliierten anfragten, ob es in Düsseldorf ein KZ gegeben habe, verneinte die Stadt ausdrücklich.

(RP)