Düsseldorf : Wilder Westen am Flinger Broich

Zu einem Land- und Trödelmarkt hat der Verein Yellowstone Indianer am Sonntag nach Flingern eingeladen. Besucher konnten Lederartikel kaufen und Greifvögel ansehen - und es gab jede Menge Western-Flair.

Eine Flügeltür gibt es nicht, doch bringt der Saloon im Yellowstone Clubhaus jede Menge Western-Flair nach Flingern. Amerika-Flaggen hängen im Raum, einige Gäste tragen Cowboyhüte, Lederkleidung und dicke Gürtelschnallen. Bei dem Trödelmarkt für Indianer und Westernartikel scheint die Zeit zurückgedreht. Mit seinem erlebnispädagogischen Konzept will der ausrichtende Verein Yellowstone Indianer vor allem Kindern Natur zum Anfassen bieten.

"Wir wollen die Kinder vom Handy und Computer wegbekommen", sagt Heinrich Oehm, Vereinsvorsitzender von Yellowstone Indianer. Das kann gelingen, wenn sie Natur hautnah erleben. Auf dem Trödelmarkt können die Kleinen zum Beispiel Sauerkraut selbst machen, Hühner und Greifvögel anschauen, Tierfelle streicheln und sich bewusst machen, dass ein Tier stirbt, wenn sie Fleisch essen.

Friedhelm Heinrichs, Hegeringleiter der Kreisjägerschaft Düsseldorf und Mettmann, hat eine rollende Waldschule mitgebracht. Hier erfährt man, dass Jäger sein weit mehr umfasst, als auf die Pirsch zu gehen. Jäger versuchen auch, Lebensräume für heimische Tiere zu verbessern und Arten zu erforschen. "Die Kinder sind sehr daran interessiert, mehr über die Lebensräume und Nahrung der Tiere zu erfahren", erklärt Heinrichs.

Was den Verein Yellowstone Indianer nun deutschlandweit einzigartig macht, ist, dass bei ihm drei Konzepte zusammen treffen: Indianistik, Falknerei und pädagogische Arbeit. Indianer seien Vorbilder, weil sie geschichtlich gesehen sehr gut mit der Natur umgegangen seien, so Oehm, der selbst Jäger und Falkner ist. Auf seiner Schürze steht "Hier kocht der Häuptling noch selbst". Der direkte Kontakt zu Tieren, Nahrung und Natur sei für sie wichtig.

Im Gehege sitzt Uhu Emma zwischen Ben, dem Bussard, und Paul, dem Wanderfalken. "Emma ist der Hit auf dem Gelände", sagt Oehm. 18 Greifvögel hatte der Verein in diesem Jahr, 15 davon wurden wieder ausgewildert. Von den Vögeln gelangt man zum Wildkräutergarten, der wächst und wuchert. Daneben befindet sich der Stand von Peter Thum, der zusammen mit seiner Frau Karin selbst gemachte Lederwaren für Westernfans hobbymäßig vertreibt. Der 81-Jährige legt viel Wert auf Fachsprache: "Holster" heißen die braunen Lederhalter für Revolver, die man keinesfalls mit Pistolen verwechseln darf. Viele Gäste kommen an seinem Stand ins Staunen, denn es ist alles handgefertigt. An einem Gürtel mit Füllung arbeitet der Westernfan schon mal eine Woche. "Wenn ich etwas davon verkaufe, freue ich mich", sagt Thum. Wenn nicht, dann ist es auch nicht so schlimm. Das Ganze ist schließlich nur ein Hobby, das er nun seit 45 Jahren betreibt.

"Mein Opa ist Fan von Indianersachen", sagt Celine (9). Sie und ihre Cousine Lara (7) finden den Trödelmarkt gut, "weil es so viele Ausstellungen mit Tieren gibt". Derartige Vögel haben sie zwar schon einmal gesehen, sagen sie, aber sie wirken begeistert. Offenbar ist ihr Leben nicht nur von Handys bestimmt.

(RP)