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Düsseldorf: Ein Jahrhundert Feuerwehrgeschichte

Düsseldorf : Ein Jahrhundert Feuerwehrgeschichte

Die Feuerwache 4 in der Flinger Behrenstraße feiert dieses Jahr ihren 100. Geburtstag. Die viertälteste Düsseldorfer Wache überstand zwei Weltkriege, Schließungspläne in den 1990er Jahren und ist aus dem Stadtteil nicht wegzudenken.

Wachvorsteher Martin Smirek weiß, was er an der Feuerwache 4 hat: "Es ist schön, so ein altes Wachgebäude zu haben. Das ist ein ganz besonderes Arbeits- und Wohnklima, nicht nur im Sommer und Winter." Seit fast 30 Jahren ist er Feuerwehrmann, 19 davon in der Behrenstraße. "Durch unsere zentrale Lage sind wir fast bei jedem Einsatz in der Stadt als Zweit- oder Dritthelfer mit dabei", erklärt Smirek.

Das war nicht immer so, denn als die 1912 geplante und zwei Jahre später fertiggestellte Wache in Betrieb genommen wurde, befand sie sich noch am östlichen Stadtrand. Die im Entstehen begriffenen Industriebezirke Oberbilk und Flingern eröffneten eine Brandschutzlücke im Düsseldorfer Osten, die durch den Neubau in der Behrenstraße geschlossen wurde. Für die damalige Zeit hochmodern, war sie mit einem motorisierten Fuhrpark ausgestattet. Dieser bestand ab 1915 aus einem elektrisch betriebenen Krankenwagen, einer Motorspritze, einem sogenannten Vorfahrwagen (dem heutigen Einsatzleitwagen) und einer Leiter.

Die 31 Wachleute verrichteten ihren Dienst in aus arbeitsrechtlicher Sicht heute wohl fragwürdigen 48-Stunden-Schichten. Nicht einmal drei Monate nach Inbetriebnahme der Wache sollte die deutsche Kriegserklärung an Frankreich im August 1914 den Großteil der 183 Feuerwehrmänner zu den Fahnen rufen, 45 Ersatzkräfte führten die Wache als Meldeposten weiter. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Personal wie auch der Fuhrpark stark aufgestockt und - wie alle Berufsfeuerwehren - militarisiert.

Von der Vergangenheit zeugt in der Behrenstraße heute vor allem das alte Backsteingebäude der Wache. Eine große Giebeluhr verriet den Feuerwehrmännern früher die Zeit und heute noch das Baujahr des Hauses "Anno 1914". Vorsteher Smirek erzählt, was die mit 70 Feuerwehrkräften besetzte Wache einzigartig macht: "Es gibt hier einen starken Zusammenhalt unter den Kollegen. Durch die 24-Stunden-Schicht ist die Wache für viele ein zweites Zuhause, das merkt man auch im Umgang miteinander. Ein solches Gemeinschaftsgefühl gibt es in anderen Berufen nicht." Eine Kuriosität ist die für Deutschland einzigartige Reptilienfachgruppe der Wache. Seit 2002 ist sie für jährlich bis zu 60 Notfälle zuständig, bei denen entlaufene Giftschlangen, aber auch Spinnen und Skorpione eingefangen und zu Sammelstellen gebracht werden müssen.

Die Bürger des Stadtteils fühlen sich eng mit der Wache verbunden. Als der Standort 1991 aus Kostengründen geschlossen werden sollte, traf das Personal auf große Solidarität unter den Anwohnern. Zahlreiche Briefe ehemals Geretteter unterstützten den allgemeinen Protest gegen die Schließung. Mit Erfolg: Wenige Monate später waren die Schließungspläne vom Tisch, die anfallenden Kosten würden den Unterhalt der Wache übersteigen.

Zur Feier ihrer bewegten Geschichte gibt die Feuerwache eine Festschrift heraus. Diese soll kostenlos am Tag der offenen Tür am Sonntag erhältlich sein, zu dem auch Feuerwehrdezernentin Helga Stulgies sowie Oberbürgermeister Thomas Geisel erwartet werden.

(RP)