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Düsseldorf: Schaumweinproben vor Gericht

Düsseldorf : Schaumweinproben vor Gericht

Ein Champagner-Hersteller findet, die Flaschen eines Günstig-Anbieters seien den eigenen zu ähnlich.

Wie in einer Sektbar sah es gestern im Landgericht aus. Wo sonst Schriftsätze oder Klagebegründungen auf dem Richtertisch liegen, standen diesmal Schampus- und Schaumwein-Flaschen, jede mit edel aufgemachten Etiketten und gekrönt von matt schimmernden Folienhäubchen in Silber oder Altgold. Zur Verkostung der perlenden Inhalte kam es aber nicht, denn ganz nüchtern ging es um den Streit einer Champagner-Firma mit einem spanischen Konkurrenten. Der französische Schampus-Produzent beklagt, das Preiswert-Produkt der spanischen Firma sei viel zu ähnlich aufgemacht und trage zudem einen ähnlichen Namen. Ob das zutrifft, ist aber noch nicht entschieden.

Den Kampf zwischen beiden Firmen hatte 2011 schon ein anderes Landgericht geführt, gab damals der Klage der Schampus-Firma statt und hat die Schaumwein-Konkurrenz dazu verdonnert, ihre Flaschenaufmachung zu ändern. So sollte verhindert werden, dass die angeblich 1876 für Zar Alexander II geschaffene Champagner-Marke "Cristal" (die seit 1954 mit einem Flaschenpreis ab 200 Euro durchweg in Deutschland vertrieben werde) zu verwechseln wäre mit dem spanischen Schaumwein "Cristalino Jaume Serra" für 5 bis 8 Euro pro Flasche. Doch den Champagner-Produzenten geht jenes Urteil nicht weit genug. Sie fordern, dass sich die Günstig-Marke noch deutlicher von ihrem Produkt unterscheiden müsse. Richter Christian Oppermann mit Blick zu Schaumwein-Anwalt Oliver Nilgen: "Kann man die Gestaltung nicht noch etwas anders machen?" Der sagte, er wolle auf die spanischen Erzeuger einwirken, den Streit mit dem Champagner-Haus beilegen. Aber: "Ich komme mir ein bisschen vor wie Fortuna Düsseldorf gegen Real Madrid" - viel ausrichten könne er wohl nicht. Also muss das Gericht ein Urteil finden. Wer die Korken knallen lassen kann, wird am 5. Juni verkündet.

(RP)