Eller : Ellers ehrenwertes Haus

Das Luisenheim in Eller war Fabrikantenvilla und Heimat für verlorene Mädchen. Nun erinnert eine Tafel an die Geschichte des Orts. Als Teil eines historischen Rundgangs durch den Stadtteil.

Es war 1909, als der Fabrikant Carl Graffweg eine unscheinbare Vorstadtvilla in Eller umbauen ließ. Der Düsseldorfer Architekt Ernst Roetting erschuf für ihn ein verspieltes Landhaus, ganz im Stile der Zeit und gleichzeitig ein Anwesen, das überregionale Beachtung in den Fachmedien fand. 1910 wurde das Haus in der "Architektonischen Rundschau" wie folgt beschrieben: "Das große Landhaus steht prächtig in der Landschaft. Das vielgegliederte, dreiflügelige Bauwerk enthält alle Räume und Einrichtungen, die zu einem hochherrschaftlichen Landhause gehören, in komfortabelster Ausstattung, dazu eingegliedert Treibhaus, Automobil-Garage, Wohnungen für Bedienstete usw. Die äußeren Wände sind teils weiß geputzt, teil mit Bruchsteinen verblendet. Dach und Giebelwände sind mit Eternit eingedeckt".

Ein großer Teil des Hauses ist bis heute erhalten. Und vielleicht macht ja die Kombination aus dem modernen Anbau, der heute den Hauptteil des Luisenheims ausmacht, und dem alten Stils des Fabrikantenhauses den Charme der gesamten Anlage aus. Auf jeden Fall gehört das Luisenheim zu den markantesten Gebäuden des Stadtteils.

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Gestern brachte der Bürger- und Heimatverein "Für Eller e.V." eine neue Denkmal-Tafel am Luisenheim an. Es ist die 5. Tafel im Rahmen eines geplanten Rundganges durch Eller. Dieser führt entlang an bedeutenden Gebäuden und Orten im Stadtteil. Die Tafeln beschreiben die Historie der Gebäude oder weisen auf die ehemalige Bebauung an dieser Stelle hin.

Der Historiker Ulrich Brzosa hat die Geschichte des Hauses dokumentiert. Wobei auch für ihn noch einiges über das Gebäude im unklaren ist. Gesichert ist, dass nach dem Tod seiner Mutter Louise und seines Vaters Carl Sohn Walter Graffweg sein Elternhaus an der Schlossallee für 300 000 Reichsmark an die Deutsche Arbeitsfront (DAF). Was die nationalsozialistische Pseudo-Gewerkschaft mit dem Gebäude vorhatte, ist unklar, denn schon während des Krieges bezog der Katholische Mädchenschutz die Räumlichkeiten. Träger der Einrichtung war damals der Verein IN VIA, und er ist es bis heute, auch wenn sich das Angebot inzwischen an alte und pflegebedürftige Menschen richtet. Ursprünglich bot die Anlage Unterkunft für junge Frauen. Es war ein Mädchenschutzheim.

Ende des 19. Jahrhunderts zog es immer mehr junge Frauen vom Land in die Stadt auf Suche nach Arbeit. Oftmals endete der Traum vom großen Glück schon am Ankunftsbahnhof. Organisierte Händlerringe machten sich die Unbedarftheit junger Frauen zunutze und lockten sie als rechtlose Arbeitskräfte in Fabriken oder verkauften sie als Prostituierte. Dies war die Geburtsstunde der Bahnhofsmission und daran angeschlossen des Mädchenwohnheims. 1946 mietete der Katholischen Mädchenschutzverein die Villa offiziell. 1951 konnte er die Anlage schließlich vom Land NRW kaufen. "Seitdem befindet sich die Villa Graffweg mit dem dazugehörigen Parkgelände im Besitz des katholischen Wohlfahrtswerkes", sagt Brzosa. War die "Altersfürsorge" zunächst eine "Nebenaufgabe", so wurde die Sorge um alte und bedürftige Menschen für den Verband Katholischer Mädchensozialarbeit in Düsseldorf seit Ende der 1950er Jahre immer mehr zur Hauptaufgabe. "Ende der 1960er Jahre galt in der Gesellschaft die Idee vom Mädchenschutzheim als überholt", so Brzosa. 1973 wurde im Luisenheim die letzte noch verbliebene Station für Jugendliche in eine Altenstation umgewandelt. 1983 wurde das modernisierte Altenwohn- und Pflegeheim eingeweiht.

(RP)