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Düsseldorf: Eine junge Liebe im Altenheim

Düsseldorf : Eine junge Liebe im Altenheim

Herbert Petsch und Anneliese Wipperfürth haben sich in einer Pflegeeinrichtung ineinander verliebt. Ihr Doppelbett haben die Pfleger gebaut - aus versicherungsrechtlichen Gründen. Die beiden finden es trotzdem romantisch.

Wenn Anneliese Wipperfürth und Herbert Petsch im Altenheim knutschen, dann verdanken sie das einem Elch. Denn solch ein Stofftier hat sie zusammengebracht. "Wir wissen bis heute nicht, wem dieser Elch gehörte und wo er herkam", sagt Anneliese Wipperfürth. Im Essenssaal stand er immer auf dem Tisch, an dem auch Herbert Petsch saß. Das bemerkte die 80-Jährige jedoch zunächst nicht. "Ich habe mich immer zum Elch gesetzt", sagt sie grinsend. Dann kamen die beiden öfter ins Gespräch, Blicke gingen hin und her.

"Das hätte ich nicht gedacht, dass die Liebe auch in meinem Alter so schön sein kann", sagt Anneliese Wipperfürth. Die Empfindungen seien nicht anders, nicht weniger intensiv und schon gar nicht lauwarm. "Es ist genauso, als wenn man sich als junger Mensch verliebt - mit Schmetterlingen im Bauch." Nur Händchenhaltend nebeneinander zu spazieren, das geht nicht. Wegen des Rollators haben sie keine Hand für den Partner frei.

Die Freude im Heim ist groß

Im Heim des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Düsseldorf-Düsseltal freuen sich alle über das junge Glück. "Es passiert sehr selten, dass Ehepaare hier einziehen oder sich ein Paar findet", sagt der stellvertretende Pflegedienstleiter Christos Vassiliadis. Er und seine Kollegen bemerkten schnell, dass sich etwas anbahnte. "Wir haben gesehen, wie sie einander hinterhergeschaut haben, wenn einer gegangen ist", sagt Vassiliadis. "Sie gehen sehr bedacht miteinander um." Die beiden müssen sich mitunter auch Neckereien gefallen lassen. "Bei manchen heißen wir nur ,die Turteltauben'", sagt Herbert Petsch und streichelt seiner Partnerin über den Arm.

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Auch der 78-Jährige hätte nicht damit gerechnet, noch einmal eine Liebe zu finden - "und schon gar nicht eine so große". Sie hätten sich nicht gesucht und trotzdem gefunden. "Wir sind aufeinander zugegangen, wir verstehen und vertrauen uns", sagt Anneliese Wipperfürth. Sie brauchte schon Mut, denn in ihrem Leben habe sie schlechte Erfahrungen machen müssen. "Ich war auch lange allein, da fällt der erste Schritt schon ein wenig schwer." Aber ihr Herbert sei so "lieb und nett", sie würden beide so viel gemeinsam lachen. Ihre Kinder - jeder hat eine Tochter - begrüßen die Beziehung. Die Fotos von Wipperfürths Enkelkindern sind im ganzen Zimmer verteilt. Auch auf seiner Seite des Bettes.

Einmal wurden sie zusammen im Bett erwischt

Überhaupt das Bett. Als die beiden in ein Zimmer gezogen sind, haben die Pfleger ein Bett dazugeschoben. "Als wir morgens in einem Bett erwischt wurden, hieß es: So geht das nicht!'", erinnert sich Petsch. Als sie vom Frühstück zurückkamen, standen die beiden Betten nebeneinander. "Jetzt haben wir ein Doppelbett aus versicherungsrechtlichen Gründen - damit wir nicht rausfallen." Romantisch finden es die beiden dennoch. Nach dem Mittagessen legt er sich hin und ruht sich ein wenig aus, sie ruht mit. Für ihn. "Ich habe es halt gerne, wenn sie neben mir liegt", sagt der 78-Jährige. Ihr Liebesbote, der Stoff-Elch, sitzt auf dem Nachttisch.

An ihren ersten Kuss können sich die beiden zwar nicht genau erinnern - "wissen Sie, da lagen seitdem so viele Küsse zwischen", witzelt Herbert Petsch. Einen Jahrestag haben sie auch nicht: Anneliese Wipperfürth und Herbert Petsch freuen sich einfach über jeden Tag. "Wir sind glücklich, wenn wir ein paar Jahre zusammen sind", betonen sie. Das Paar weiß, wie schnell es vorbei sein kann. Beide haben dem anderen schon das Leben gerettet.

Er trägt noch seinen Ehering

Der 80-Jährigen ging es vor einiger Zeit schlecht wegen einer sehr schmerzhaften Wunde am Bein. "Da war ich ganz unten, und ich wollte nicht mehr." Sie sei aus dem Heim weggelaufen mit der Absicht, sich etwas anzutun. Herbert Petsch hat sie zurückgeholt und in den Arm genommen. Vor wenigen Wochen erlitt er einen Herzinfarkt, sackte morgens zusammen. Seine Freundin rief sofort die Pfleger. Die Angst war groß, ob er zurückkommt. "Das tut mir heute noch leid, dass ich dich so erschreckt habe, Schatz", sagt Petsch.

Er trägt noch seinen Ehering, obwohl er von seiner Ehefrau seit langer Zeit getrennt lebt. "Das mache ich für sie", sagt er und blickt zu seiner Freundin, die den Ring ihres verstorbenen Mannes am Finger hat. Denn so sehe es auf den ersten Blick nicht nach dem aus, was es ist: eine wilde, glückliche Ehe.

(RP)