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Düsseldorf: Mehr Denkmalschutz in Eller gefordert

Düsseldorf : Mehr Denkmalschutz in Eller gefordert

Die "Brodhalle" war ein Geschäft, dessen Front seit mehr als 100 Jahren so existierte. Nun ist davon nichts mehr zu sehen. "Aus Unwissenheit", sagen die Stadtteilaktivisten. Sie fordern endlich die Erfassung bedeutender Baudenkmäler.

Für Ulrich Brzosa war es ein großer Schrecken, als er im vergangenen Monat wieder einmal die Ludwigshafener Straße entlangfuhr. Dort sah er zunächst die Handwerker an der Hausnummer 4, und dann das, was sie dort gemacht hatten. "Sie hatten ihr Werk schon beendet", sagt Brzosa. Er hat Fotos gemacht, wer diese neuen Fotos mit historischen Fotos vergleicht, dem wird erst gewahr, warum der Stadtteilaktivist und Historiker sich ein wenig aufregt.

Inzwischen ist die Fassade der Sanierung zum Opfer gefallen. Foto: Stadtteilpiraten

Es geht um die "Eller Brodhalle", von der niemand so genau weiß, warum sie so hieß. Auf jeden Fall existierte sie in der Ludwigshafener Straße seit mehr als 100 Jahren. Eine Ladenfront, komplett erhalten, wie sie es nur noch ganz wenige in Düsseldorf gibt, in Eller war sie einzigartig. Nun ist sie weg, auf dem Müll. Jahrelang hat das Ladenlokal leergestanden, nun will der Hauseigentümer Wohnraum schaffen. Der Laden wurde deshalb einfach "zurückgebaut". "Einfach so im Handstreich und über Nacht, ohne Bedenken der Bauaufsicht", sagt Brzosa. Er schüttelt den Kopf.

Dabei geht es ihm weniger um den konkreten Fall, Brzosa hat das große Ganze im Blick. Es geht ihm und den Stadtteilaktivisten darum, wenigstens zu erfassen, welche Gebäude von historischem Wert in Eller sind. So macht er dem Bauherren und auch der Bauaufsicht keinen Vorwurf. "Hier wird anhand der Aktenlage entschieden", sagt er. Dabei wäre eine Aufstellung der schützenswerten Gebäude dringend nötig, sagt er.

Es geht um die Bauten aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Vor etwa 15 Jahren hatte die Stadt Düsseldorf schon einmal ein solches Projekt begonnen, doch als die zuständige Mitarbeiterin schwanger wurde und in die Babypause ging, wurde es nicht fortgeführt. Dabei wäre der Aufwand für die Stadt wohl überschaubar. Man müsste sich nur an Brzosa und seine Mitstreiter wenden.

"In unseren Publikationen haben wir auch mehrfach darauf hingewiesen, dass die Brodhalle Eller ein kleines Baujuwel ist. Leider werden unsere Publikationen wohl von denen, die in Düsseldorf für den Erhalt historischer Gebäude verantwortlich sind, nicht immer gelesen." Umso nötiger scheint es daher, das Wissen über die Baugeschichte von Eller zusammenzutragen, zu bewerten und dann in verbindliche amtliche Schutzvorschriften zu überführen. Er wünscht sich einen vollständigen Denkmalpflegeplan für Eller - nach dem Vorbild von Kaiserswerth etwa.

"Vielen Häusern in Eller sieht man sicher die historische Bedeutung nicht mehr an, weil sie so oft umgebaut wurden, dennoch sind sie aus denkmalpflegerischer Sicht erhaltenswert", sagt der Heimatforscher. Dabei sind manche Dinge einfach nicht mehr zu ersetzen. Dinge wie die Brodhalle, deren 100-jährige Geschichte als Kolonial- und Lebensmittelladen nun jäh ein Ende hatte. "Wer weiß, woher er stammt, wo seine Wurzeln sind, der weiß, wer er ist, dessen Identität hat einen Grund, auf dem sie steht", sagt Brzosa. Und auf diesem Grund könne man erst Neues errichten.

(RP)