Tödliche Hetzjagd an der Kö: Arbeitskollegen: "Er wird uns fehlen"

Tödliche Hetzjagd an der Kö : Arbeitskollegen: "Er wird uns fehlen"

Die beiden Männer, die an der tödlichen Hetzjagd auf den türkischen Familienvater Ömer H. beteiligt waren, kamen in Begleitung ihrer Anwälte zur Polizei, wollen aber nicht aussagen. Ömer H.s Familie bringt den Leichnam heute Abend zur Bestattung in die Türkei.

Zwei Tage nach dem dramatischen Tod des Familienvaters Ömer H. haben sich die Männer gestellt, die mit dem bereits am Samstagabend festgenommenen Mohammed T. an der mörderischen Hetzjagd im Kö-Center beteiligt waren. Ein 21-Jähriger meldete sich am Sonntag mit seinem Anwalt bei der Kripo, ein drei Jahre älterer Düsseldorfer stellte sich gestern, ebenfalls in Begleitung seines Anwalts.

Über den Grund der Auseinandersetzung, an deren Ende Ömer H. am frühen Samstagmorgen kopfüber in ein Schaufenster stürzte und sich tödliche Schnitte am Hals zuzog, schweigen beide. Offenbar meldeten sie sich, um einer Festnahme zuvor zu kommen. Am Sonntag hatte die Kripo bekanntgegeben, dass der bereits verhaftete Mohammed T. die Namen seiner Kumpane genannt hatte.

Weiter Zeugen gesucht

Im Kö-Club Checker's waren die drei Männer in der Nacht zum Samstag mit Ömer H. aneinandergeraten. Der Streit schien beendet, als Ömer H. und ein Bekannter die Disco verließen. Doch dann waren sie am Ausgang zum Kö-Center erneut aufeinandergetroffen. Eine Überwachungskamera zeichnete auf, wie Ömer H. davon lief, von Mohammed T. und einem weiteren Mann regelrecht gejagt, zu Fall gebracht und getreten wurde, bevor ihm T. schließlich einen Stoß in den Rücken versetzte, durch den H. in das Schaufenster stürzte.

Der zweite Verfolger ist ein aus dem Irak stammender 24-jähriger Deutscher, der bislang noch nicht polizeilich aufgefallen war. Weil er an der Hetzjagd auf Ömer H. aktiv mitwirkte, ist gegen ihn Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge ergangen. Auch Mohammed T., als Gewalttäter vorbestraft, ist seit Sonntag in U-Haft. Einen 21-jährigen, ebenfalls nicht vorbestraften, Deutsch-Marokkaner aus dem Kreis Neuss, dem Beteiligung an einem "von mehreren verübten Angriff", entließ die Kripo nach seiner Vernehmung.

Vor dem Haus, in dem Ömer H. mit seiner Frau und den Zwillingstöchtern lebte, die vor wenigen Wochen ihren ersten Geburtstag gefeiert haben, versammeln sich unterdessen immer wieder hunderte Freunde des Getöteten, entsetzt und fassungslos. "Er war ein wunderbarer Mensch, der nie aggressiv war, keinem etwa zuleide tun konnte", sagt ein Freund der Familie. "Dass ausgerechnet er in so etwas gerät, kann niemand verstehen, der ihn kannte." Nur, wenn er mit seiner Mannschaft bei Vatangücü ein Fußballspiel gewinnen wollte, konnte er auch mal ruppig sein — "aber außerhalb des Platzes war er ein ganz sanfter Typ". Auch im Kö-Center habe Ömer H. dem Konflikt aus dem Weg gehen wollen. "Deshalb rannte er davon. Aber sie ließen ihn nicht weg." Auch H.s Arbeitskollegen stehen unter Schock. "Er war einer unserer guten Leute, zuverlässig, fleißig, immer freundlich, er wird uns fehlen", sagt sein Chef. Nach der Arbeit war Ömer H. am liebsten Zuhause, vor allem, seit die Zwillinge auf der Welt waren. Erst vor kurzem war die kleine Familie aus dem Urlaub zurückgekommen. Am Freitag überredete ein Bekannter Ömer H., endlich einmal wieder auszugehen — so kam er ins Checker's.

Auf der Holzplatte, mit der das Schaufenster im Kö-Center provisorisch verschlossen ist, haben Freunde und Bekannte ihrer Trauer kundgetan. Im Internet erinnert ein Freund mit einem Video an Ömer H. und die schreckliche Tat, bittet Zeugen, sich bei der Mordkommission zu melden.

Auch Staatsanwalt Matthias Ridder hofft, dass Zeugen helfen können, die Ursache der brutalen Auseinandersetzung aufzuklären, über die alle drei Täter schweigen und die auch der Begleiter von Ömer H. nicht gekannt haben will. Die Ermittlungen dazu seien noch nicht abgeschlossen, sagte Ridder.

Hinweise an Telefon 0211 8700

(RP)