Düsseldorf: Tödliche Hetzjagd im Kö-Center

Düsseldorf : Tödliche Hetzjagd im Kö-Center

Nach einem Streit in der Disco Checkers haben drei Männer dem 24-jährigen Ömer H. aufgelauert, ihn durch die Einkaufspassage gejagt. Ömer H. stürzte in ein Schaufenster, zog sich tödliche Schnittwunden zu. Einer der Täter ist seit Sonntag in Haft.

Staatsanwalt Matthias Ridder geht davon aus, dass Mohammed T. den Tod des jungen Familienvaters Ömer H. nicht gewollt hat. Verdacht auf "Gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge" steht auf dem Haftbefehl, den er am Sonntag beim Amtsgericht gegen den 23 Jahre alten Deutsch-Marokkaner aus Eller erwirkte. Kein minderes Vergehen: Dem einschlägig vorbestraften T. , der seit einer Verurteilung im Juli unter Bewährung steht, drohen dafür drei bis 15 Jahre Haft.

Arbeiter decken am Samstagvormittag die kaputte Scheibe ab. Foto: Bußkamp, Thomas

T. hat bereits zugegeben, mit zwei Mittätern gemeinsam Ömer H. durch das Kö-Center verfolgt zu haben. Und: Er versetzte dem vor ihm davon rennenden 24-Jährigen einen heftigen Stoß, durch den H. ins Straucheln geriet und kopfüber in ein Schaufenster stürzte. Die Scheibe zerbarst unter der Wucht des Aufpralls. Gerade weil sie aus sehr stabilem Glas hergestellt ist, verursachte sie massive Verletzungen am Hals des jungen Familienvaters, dessen Zwillinge gerade ein Jahr alt geworden sind.

Scherben der zerstörten Scheibe mit Blutspuren. Foto: Bußkamp, Thomas

Blutüberströmt schleppte er sich durch die Einkaufspassage zurück zum Eingang des Checkers, in dem er am Abend mit einem Freund gefeiert hatte. An der Treppe zu dem Club im Obergeschoss brach er zusammen. Mohammed T. und seine Komplizen hatten sich sofort nach dem dramatischen Sturz vom Tatort entfernt.

Um 4.20 Uhr alarmierten entsetzte Augenzeugen Rettungsdienst und Polizei. Der Notarzt konnte Ömer H. zunächst stabilisieren. Doch der Blutverlust war zu groß, Ömer H. starb wenige Stunden später in der Uni-Klinik.

Ömer H. war mit einem Freund im Checkers gewesen. Der hatte gesehen, wie H. mit T. und dessen Begleitern schon in der Disco eine Auseinandersetzung hatte. "Es ist ihm gelungen, den Streit zu schlichten", berichtete Wolfgang Siegmund am Sonntag, der die Mordkommission leitet. Worum es bei dem Streit gegangen sei, will der Zeuge jedoch nicht gefragt haben. Und auch Mohammed T. schweigt zu dem Anlass der Auseinandersetzung.

Die war nur scheinbar beendet. Als Ömer H. und sein Freund die Disco später verließen, trafen sie am Fuß der Treppe auf T. und seine Kumpels. Die Videos aus den Überwachungkameras zeigen, wie zwischen H. und dem Trio sofort wieder Streit aufflammt.

Dann rennt Ömer davon. Und die drei Männer folgen ihm, jagen ihn in Richtung Kö, wo er stürzt, geschlagen wird. Auch ein Fußtritt ist zu sehen. Dann rappelt sich H. wieder auf, rennt durch die Mall in Richtung Königstraße. T. holt ihn ein, schubst — und Sekundenbruchteile später taumelt H. kopfüber ins Schaufenster. Sein Begleiter hatte unterdessen die Checkers-Türsteher um Hilfe bitten wollen. Da kam Ömer H. blutüberströmt zurück.

Die Polizei hat keine Anhaltspunkte dafür, dass es zwischen dem vorbestraften Deutsch-Marokkaner, der sich als Personal-Fitnesstrainer bezeichnet, und dem türkischen Familienvater bereits vor der Nacht im Checkers einen Konflikt gab. Sie sollen sich nicht einmal gekannt haben.

Nur weil Ömer H.s Freund sich den Vornamen von Mohammed T. gemerkt hatte, war die Polizei dem Mann auf die Spur gekommen. Er hatte die Beamten bereitwillig in seine Wohnung in Eller gelassen, wo blutverschmierte Kleidung sichergestellt wurde. Er hat unumwunden den Ablauf der fatalen Auseinandersetzung geschildert. Nur zu deren Grund sagt er nichts.

Die Kripo bittet deshalb Zeugen des Streits und der Auseinandersetzung in der Mall, sich unter Telefon 0211 8700 zu melden.

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