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DHC Rheinland: "Aufgegeben wird nur ein Brief"

DHC Rheinland : "Aufgegeben wird nur ein Brief"

Handball-Bundesligist DHC Rheinland steht morgen (19 Uhr) gegen die HSG Wetzlar vor einem Schlüsselspiel im Kampf um den Ligaverbleib. Welche Chancen er sich ausrechnet und woran es dem DHC mangelt, darüber sprach Trainer Kai Wandschneider bei einer Tasse Kaffee.

Die Wunden der letzten beiden vermeidbaren Auswärtsniederlagen bei den direkten Konkurrenten in Balingen und Hamm sind zwar noch nicht verheilt bei Kai Wandschneider. Doch der Trainer des Dormagener HC Rheinland hat die Gründe dafür per gemeinsamer Videoanalyse mit seinen Spielern aufgearbeitet. Jetzt hofft der Handball-Lehrer, dass sie daraus morgen (19 Uhr, Sportcenter) gegen die HSG Wetzlar ihre Lehren ziehen. Wie er die Chancen einschätzt, verrät Wandschneider (51) im Gespräch mit der NGZ.

Herr Wandschneider, haben Sie die Niederlage in Hamm verkraftet?

Wandschneider Ich musste sie gleich drei Mal verkraften, denn ich habe mir das Spiel noch zwei Mal auf Video angesehen, ein Mal mit meinen Spielern zusammen.

Welche Erkenntnisse haben Sie daraus gezogen?

Wandschneider Dass wir uns diese Niederlage selbst zuzuschreiben hatten, weil wir nicht als Mannschaft aufgetreten sind. Jeder meiner Spieler hat nach höchstens einem oder zwei Pässen aufs Tor geballert und es dann meistens nicht getroffen. Das ist nicht unser Spiel, so können wir keinen Erfolg haben. Wir brauchen Geduld, wir müssen unsere Angriffe diszipliniert vortragen und auf unsere Chance warten. Das geht aber nur, wenn wir gemeinsam spielen: Wir können nur als Team bestehen.

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Warum haben Ihre Spieler das in Hamm nicht beherzigt?

Wandschneider Ich glaube, der Druck war zu groß. Jeder wollte dazu beitragen, das Spiel zu entscheiden und ist deshalb aus dem Spielsystem ausgebrochen.

Nun wird der Druck im Abstiegskampf mit jeder Niederlage größer.

Wandschneider Das ist leider richtig. Vor allem gilt das für die Heimspiele – dass wir da in dieser Saison meist schlechter spielen als auswärts, hat damit zu tun, dass sich die Spieler zu Hause noch mehr unter Druck setzen, dass vor eigenem Publikum es jeder besonders gut machen will. Wobei ich mich bei unseren Publikum nur bedanken kann, dass es bisher so viel Geduld mit uns hat.

Ist der letzte Tabellenplatz also ein Kopfproblem, nicht eines der mangelnden Qualität?

Wandschneider Die Mannschaft hat Qualität, jeder einzelne Spieler hat Qualität. Nur brauchen wir Zeit, um sie abzurufen – und diese Zeit wird uns nicht gegeben. Denn die Erste Liga ist keine Ausbildungsliga, die Erste Liga ist eine Erfolgsliga.

Sie trauen Ihrer Mannschaft trotzdem den Ligaverbleib zu?

Wandschneider Wenn nicht, könnten wir ja das Training einstellen. Natürlich wird es schwer, natürlich sind wir auch am Samstag gegen Wetzlar nur Außenseiter, weil wir in jedem Spiel Außenseiter sind. Wir sind Abstiegskandidat Nummer eins, das war mir vor Saisonbeginn klar und das müsste inzwischen eigentlich jedem klar sein. Nur kann in einer solch krassen Außenseiterrolle auch eine Chance liegen, denn jeder, der gegen uns verliert, blamiert sich doch. Um diese Chance zu nutzen, müssen die Jungs allerdings an sich selbst glauben, daran, dass sie die Stärke und das individuelle Vermögen haben, es zu schaffen.

In dieser Besetzung?

Wandschneider Natürlich hätte ich gerne zwei neue Spieler, einen Führungsspieler im Rückraum und einen Kreisläufer. Aber es sieht nicht danach aus, als ob wir personell noch einmal zulegen könnten, also müssen wir es auch so schaffen.

An welchem Punkt geben Sie auf?

Wandschneider Eigentlich nie. Aufgegeben wird bei mir höchstens ein Brief bei der Post. Aber wenn wir in diesem Jahr nicht mindestens noch zwei, besser vier Punkte holen, wird der Abstand so groß, dass wir kaum noch eine Chance haben.

Volker Koch führte das Gespräch

(NGZ)