Dinslaken/Voerde/Rees: Betuwe: Durchbruch bei der Sicherheit

Dinslaken/Voerde/Rees: Betuwe: Durchbruch bei der Sicherheit

Bahn, Land, Kommunen und Feuerwehren sind sich einig: Entlang der Strecke soll es viermal so viele Zugänge geben, als bisher geplant. Hochleistungsfähige Spezialfahrzeuge in vier Städten stellen die Löschwasserversorgung sicher.

Einen "guten Tag" für die Anrainerkommunen der Betuwe-Linie verkündete gestern Barbara Hendricks. Die Bundesumweltministerin gehörte einem hochkarätig besetzten Podium an, das im Reeser Rathaus über das Sicherheitskonzept entlang der Strecke informierte. An dem Gespräch nahmen neben den Bürgermeistern der betroffenen sieben Kommunen von Emmerich bis Oberhausen unter anderem auch Landesverkehrsminister Michael Groschek, der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Krüger (Kreis Wesel) sowie Bahnvorstand Ronald Pofalla teil.

Der Reeser Bürgermeister Christoph Gerwers, zugleich auch Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Betuwe, sprach von einem "Durchbruch" - einer gemeinsamen Basis, die jetzt Grundlage für weitere Gespräche mit dem Eisenbahnbundesamt sein werde. Dass diese zum Erfolg führen, daran hatte gestern keiner der Beteiligten Zweifel.

Bahnvorstand Ronald Pofalla informierte über die konkret getroffenen Vereinbarungen. Sie bestehen aus zwei Punkten. Zum einen aus der Löschwasserversorgung. Sie soll entlang der Strecke durch die Stationierung von vier Spezialfahrzeugen für die Feuerwehren gewährleistet werden. Sie sind mit so genannten Hytrans Fire Systemen (HFS) versehen, das sind hochleistungsfähige Pumpen, die über einen langen Zeitraum eine weitaus höhere Wasserkapazität mit hohem Druck zur Verfügung stellen können, als dies über die herkömmliche kommunale Wasserversorgung möglich wäre. Außerdem verfügt das System über vier Kilometer lange Schläuche.

Die HFS werden in Emmerich, Dinslaken, Wesel und Oberhausen vorgehalten. Von dort aus sollen sie an allen Stellen an der Strecke eingesetzt werden können. Zudem wird ein weiterer Schlauchwagen in Hamminkeln bereitgestellt. Zusätzliche Löschwasserentnahmestellen ergänzen diese Lösung. Allein für dieses System stellt das Land 10,5 Millionen Euro zur Verfügung. Der zweite Teil der Vereinbarungen betrifft die Zugänge an der Strecke. Ursprünglich waren sie nur alle 1000 Meter geplant. Das hatte zu harscher Kritik der Feuerwehren geführt. Jetzt soll es insgesamt 291 Zugänge zur Strecke geben. Im Schnitt also etwa alle 250 Meter eine Möglichkeit für die Einsatzkräfte, zu den Gleisen zu gelangen. Wo die Zugänge genau eingerichtet werden, hängt von den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten ab.

Mit den jetzt getroffenen Vereinbarungen zeigten sich gestern alle Beteiligten zufrieden, auch die Vertreter der Feuerwehren. "Wir haben immer gesagt, dass es nur individuelle Lösungen geben kann. Die sind jetzt mit den Feuerwehren vor Ort gefunden worden. Unser sechs Jahre andauernder Kampf hat sich gelohnt", so Gerd Auschrat, Leiter der Feuerwehr Oberhausen.

Bundesministerin Barbara Hendricks betonte, dass jetzt die größtmögliche Sicherheit entlang der Strecke gewährleistet sei. Damit sei nach dem erfolgreichen Kampf für das dritte Gleis, das Voraussetzung für den Lärmschutz sei, und der Umsetzung, dass die Betuwe kommunale Kassen nicht belasten dürfe, auch die dritte große Forderung in den Auseinandersetzungen um die Güterstrecke erfüllt.

Jetzt muss noch das Eisenbahnbundsamt (EBA) eine Schlussgenehmigung erteilen. Die Behörde hatte in der Vergangenheit weitere Sicherheitsmaßnahmen als die ursprünglich geplanten mit dem Argument abgelehnt, die Betuwe-Linie rechtfertige keine Standards der besonderen Art. Mittlerweile scheint ein Umdenken eingesetzt zu haben, zumal es auch politischen Druck gab. Landesminister Michael Groschek etwa sieht sehr wohl eine besondere Relevanz der Strecke: "Für den Logistik-Standort NRW ist sie sehr bedeutend. Insofern sind auch besondere Sicherheitsmaßnahmen gerechtfertigt."

Bahnvorstand Ronald Pofalla lobte die gute Zusammenarbeit zwischen Politik, Kommunen, Bahn und Feuerwehren. In den vergangenen sechs Jahren habe es weit mehr als 100 Arbeitsgespräche, Streckenbegehungen und Projektbeiratssitzungen gegeben. Herausgekommen sei dabei ein tragfähiges Ergebnis, das allen Vorschriften und Finanzierungsregeln entspreche.

Wie lange es jetzt noch dauern wird, bis die Betuwe-Linie fertig gebaut ist, konnte Pofalla gestern nicht sagen. Aber: "Es ist jetzt nicht mehr davon auszugehen, dass Kommunen klagen werden. Das wird sich positiv auf die Dauer des gesamten Verfahrens auswirken."

(RP)