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WestLB-Nachfolger Portigon verkauft Kunst

Portigon : WestLB-Nachfolger verkauft Kunst

Nach der Warhol-Veräußerung von Westspiel kündigt die landeseigene Bank Portigon einen Kunstverkauf in noch viel größerem Maßstab an: Die WestLB-Sammlung soll komplett verkauft werden.

Die aus der WestLB hervorgegangene Portigon will die rund 400 Kunstwerke umfassende Sammlung der ehemaligen Landesbank verkaufen. Das kündigt Portigon-Chef Kai-Wilhelm Franzmeyer in unserer Zeitung an: "Es gibt zum Verkauf der Portigon-Kunstsammlung keine Alternative." Zur Begründung verweist der Bankchef auf Vorgaben der Europäischen Kommission, wonach Portigon abgewickelt werden muss. "Das bedeutet: Wir müssen die Bilanz auf null setzen, also sämtliche Vermögensgegenstände - und damit auch die Kunstsammlung verwerten, die ja Teil des Betriebsvermögens ist."

Die in Düsseldorf ansässige Portigon ist Nachfolgerin der 2012 zerschlagenen WestLB und muss auf Druck der EU bis Ende 2016 verkauft oder abgewickelt werden. Alleiniger Eigentümer ist das Land NRW, wichtigster Kapitalgeber der Bank ist neben dem Land der Bund.

Von der WestLB hat Portigon eine Kunstsammlung geerbt, deren Umfang und Inhalt das NRW-Finanzministerium streng geheim hält. Nach einer unserer Zeitung vorliegenden Inventarliste umfasst die Sammlung rund 400 Bilder und Plastiken, darunter Werke von Joseph Beuys, Max Bill, August Macke, Sigmar Polke, Emil Nolde, Gerhard Richter und Wolfgang Tillmans. Experten gehen von einem Wert in dreistelliger Millionenhöhe aus.

Im November hat die ebenfalls landeseigene Westspiel-Gruppe unter bundesweitem Protest bereits zwei Warhol-Werke für rund 120 Millionen Euro versteigert. Der kulturpolitische Sprecher der CDU im NRW-Landtag, Thomas Sternberg, reagierte empört auf den Portigon-Plan: "Zum 5. Februar hat die Kulturministerin des Landes einen runden Tisch einberufen, der über die Zukunft der Sammlung beraten soll. Wie kann man die Teilnehmer und die Ministerin noch stärker düpieren als durch den Versuch, schon im Vorfeld Fakten zu schaffen?" Der kulturpolitische Sprecher der SPD im Landtag, Andreas Bialas, schlug vor, "dass die Bank nicht im Rahmen von Auktionen an Meistbietende verkauft, sondern Preise vorgibt, die sich am unteren Rand der rechtlich zulässigen Preisspanne bewegen. Zu diesem Preis könnten Landeseinrichtungen zum Zuge kommen."

Einen Vorzugspreis etwa für NRW-Museen schließt Portigon aber aus. "Einen Preisnachlass können wir auch Museen nicht gewähren, solange jemand anderes mehr bietet. Das dürfen wir nicht, weil so etwas ein klarer Fall von Untreue wäre", sagte Franzmeyer. "Wir haben nichts zu verschenken."

Kompromissbereit ist Portigon aber an anderer Stelle. Vor dem Verkauf will die Bank Teile der Sammlung für ein bis zwei Jahre ausgewählten Museen des Landes für Ausstellungszwecke zur Verfügung stellen. "Bei dieser Gelegenheit können die wichtigsten Werke einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden", bietet Franzmeyer an. Allerdings müssten die Leihnehmer die damit verbundenen Kosten tragen. Ein dauerhafter Verbleib in der öffentlichen Hand sei nur gegen einen Kauf zu machen: "Wenn jemand die Kunst aus der Portigon-Sammlung in NRW halten will, muss er dafür den Marktpreis bezahlen."

Der CDU-Politiker Sternberg bestreitet, dass am Verkauf kein Weg mehr vorbeiführt. "Wir haben es hier nicht mit einer Insolvenz zu tun, sondern mit einer Abwicklung. Da hat der Eigentümer wesentlich mehr Gestaltungsspielraum."

Ein Interview mit Portigon-Chef Kai Wilhelm Franzmeyer lesen Sie hier.

(RP)