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Kommentar: Banken brauchen keine Kunst

Kommentar : Banken brauchen keine Kunst

Wozu in aller Welt braucht eine landeseigene Bank einen eigenen Kunstschatz? Die Frage hätte man schon früher stellen können - vor Jahrzehnten nämlich, als die damals reiche WestLB reichlich Kunst kaufte. Die guten Zeiten sind vorbei, die Kunst ist aber noch da - und sogar wertvoller. Geerbt hat den Kunstschatz die WestLB-Nachfolgerin Portigon, die ansonsten in erster Linie Verbindlichkeiten von der Westdeutschen Landesbank übernehmen durfte. Doch wozu braucht Portigon die Kunst?

Finanzminister Norbert-Walter Borjans möchte die Werke am liebsten verkaufen, sieht sich aber erheblichen Protesten ausgesetzt — aus der Kunstszene, aus der Opposition, sogar aus dem eigenen Kabinett.

Denn Kulturministerin Ute Schäfer, die sich öffentlich zum Thema nicht mehr äußern will (oder darf), möchte den Kunstschatz der Bank (und anderer Landeseinrichtungen) für NRW sichern. Borjans möchte lieber Millionen für die Landeskasse. Was durchaus verständlich ist. Schließlich haftet das Land mit den Sparkassen für die Schulden der Bad Bank. Ein schlechtes Geschäft für den Steuerzahler!

Und dennoch haben Borjans und seine Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ein schlechtes Gewissen. Schließlich sind die wertvolle Werke als Dauerleihgaben in namhaften Museen zu sehen (bis hin nach München). Da wird derjenige, der Kunst versilbern will, schnell als Kunstbanause verschrien.

Was aber soll die ganze Aufregung? Die WestLB hat vor langen Jahren Kunst gekauft und sich damit als Kunstmäzen betätigt. Das war schon damals nicht Kernaufgabe der Landesbank, wenn auch im Interesse der Kulturförderung gern gesehen. Portigon könnte sich heute solche Kunstkäufe nicht mehr leisten.

Der Bank geht es mittlerweile so schlecht, dass selbst der Kunstbesitz kaum zu rechtfertigen ist. Aus Banksicht ist der Verkauf deshalb richtig und notwendig. Wer die Portigon-Kunst den Museen erhalten will, sollte sie der Bank abkaufen. Eine vergleichsweise einfache Problemlösung.