Siegen: Eltern drohen Krankenhaus-Mitarbeitern mit Gewalt und Rechtsanwalt

Kinderklinik in Siegen : Eltern drohen Krankenhaus-Mitarbeitern mit Gewalt und Rechtsanwalt

Die DRK Kinderklinik Siegen empört sich in einem Facebook-Posting über Eltern, die versuchen, durch Kraftausdrücke, Drohungen mit Presse oder Rechtsanwalt oder sogar handgreifliche Übergriffe das Team dazu bewegen, ihre Kinder bei der Versorgung vorzuziehen.

Der Kinderklinik des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Siegen reicht es. Die Mitarbeiter sind wütend auf das Verhalten mancher Eltern und haben ihrem Ärger in einem Post auf Facebook Luft gemacht. „Glaubt Ihr denn wirklich, Geld oder Kraftausdrücke, Drohungen mit Presse oder Rechtsanwalt oder gar handgreifliche Übergriffe könnten unser Team dazu bewegen, jemanden bei der Versorgung vorzuziehen?“, heißt es darin.

Mit ihrem Posting kritisieren die Krankenhaus-Mitarbeiter Eltern, die wollen, dass ihr Kind als erstes behandelt wird - und denen scheinbar fast alle Wege recht sind, dies durchzusetzen. „Eine unangepasste Ansprache und Übergriffe führen nicht zum gewünschten Ziel“, stellen die Mitarbeiter klar. Die Klinik verweist dabei auf ihr Recht, Patienten bei derartigem Verhalten des Hauses verweisen zu dürfen, solange kein medizinischer Notfall vorliegt.

Auslöser für den Post ist die Reaktion eines Vaters. Er kam mit seiner Frau und seinem Kind im Kindergartenalter in die Klinik, weil das Kind über Bauchschmerzen klagte. „Dann brach er in einen Wutausbruch aus, beschimpfte unserer Mitarbeiterinnen, schubste sie, drängte sich an ihnen vorbei in den Mitarbeiterbereich und drohte ihnen Gewalt an“, sagt Arnd Dickel, Sprecher der DRK-Kinderklinik in Siegen. „Ich wurde zu der Situation hinzugerufen. Wir waren kurz davor, die Polizei zu verständigen.“ Ein Einzelfall sei das nicht. „In den letzten drei bis vier Jahren passiert das leider immer häufiger. Unsere Mitarbeiter haben deshalb auch schon Training in Deeskalation und Selbstverteidigung bekommen“, sagt der Sprecher.

Wie die Kinderklinik einräumt, komme es „durchaus einmal zu Wartezeiten, auch von mehreren Stunden“. Bei rund 170 Patienten am Tag müsse das Team nach Dringlichkeit über eine Reihenfolge entscheiden. Lange Wartezeiten lägen allerdings vor allem an den „wirklichen Notfällen“. Diese würden mit dem Rettungswagen über eine spezielle Zufahrt direkt ins Krankenhaus gebracht, sodass wartende Patienten davon meist nichts mitbekämen. „Aber möchten Sie nicht auch, dass Ihr schwerkrankes oder akut verunfalltes Kind eher versorgt wird?“, fragen die Klinik-Mitarbeiter. Auch in dem Fall des wütenden Vaters, musste die Familie warten, weil ein Notfallpatient zur Klinik gebracht wurde. „Das Kind des Mannes hatte zwar Bauchschmerzen, aber unser Personal am Empfang ist medizinisch geschult und kann einschätzen, ob es sich um einen Notfall handelt oder nicht“, sagt Dickel.

Am Ende des Facebook-Posts richtet das Krankenhaus deshalb einen Appell an die Patienten: „Lasst uns bitte unsere Arbeit machen und verwickelt uns nicht noch in Diskussionen, die alle nur noch mehr stressen.“

Die offenen Worte des Krankenhaus-Personals finden im Internet großen Anklang: Nach gerade einmal 18 Stunden hatte der Beitrag bereits mehr als 800 „Gefällt mir“-Angaben und wurde mehr als 400 Mal geteilt.

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