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Metropolregion Rheinland: Das Rheinland lässt die Muskeln spielen

Deutschlands größte Metropolregion : Das Rheinland lässt die Muskeln spielen

Elf Städte und 13 Kreise wollen sich in Kürze zu Deutschlands größter "Metropolregion" formieren. Diese wird für 8,5 Millionen Menschen und die "Marke Rheinland" stehen.

Der Rheinländer an sich ist ein geselliger Mensch, der seine Talente nicht gern unter den Scheffel stellt. Deshalb wurmt es ihn, dass das Rheinland allem Anschein nach nicht die Anerkennung genießt, die ihm eigentlich zukommen müsste. "Die Wahrnehmung des Rheinlands entspricht nicht seiner politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leistungskraft", beklagen die Düsseldorfer Regierungspräsidentin Anne Lütkes (Grüne) und ihre Kölner Kollegin Gisela Walsken (SPD) unisono gegenüber unserer Redaktion.

Das soll mit dem Verein "Metropolregion Rheinland", der am 20. Februar - voraussichtlich in Düsseldorf - gegründet wird, jetzt anders werden. Mit dabei sind neben Handwerks- und Handelskammern insgesamt elf kreisfreie Städte und 13 Kreise entlang der Rheinschiene - vom Kreis Kleve über Düsseldorf, Köln und Bonn bis nach Aachen und seiner Städteregion. All diese Kommunen eint der Wunsch, dass sie bei der Mittelvergabe durch Land, Bund und EU künftig besser wegkommen, wenn sie geschlossen als Region auftreten. Vorbild hierfür ist der Regionalverband Ruhr (RVR). Auch Duisburg und der Kreis Wesel sollen bei der Metropolregion Rheinland mitmachen können, obwohl sie dem RVR angehören. Eine Doppelförderung soll dann aber ausgeschlossen sein.

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8,5 Millionen Menschen repräsentiert

Zudem erhoffen sich alle Beteiligten von einer gemeinsamen Marketingstrategie mit der "Marke Rheinland" eine größere Anziehungskraft auf ausländische Investoren. Immerhin repräsentiert der neue Verein Deutschlands bevölkerungsstärkste Metropolregion mit rund 8,5 Millionen Einwohnern. Andere Regionen wie Berlin-Brandenburg, München, Frankfurt/Rhein-Main oder Stuttgart kommen auf lediglich fünf bis sechs Millionen Menschen.

Am 12. Januar werden die Gründungsmitglieder zu einer Vollversammlung zusammenkommen, um über Satzung und Struktur des neuen Vereins zu beraten. Doch was haben die Bürger davon? Möglicherweise eine ganze Menge.

Beispiel Verkehr: Hier wird eine stärkere regionale Zusammenarbeit mit einem rheinlandweiten Baustellen-Management angestrebt, um einen besseren Verkehrsfluss zu gewährleisten. Zu Vorgaben des Bundes (etwa Bundesverkehrswegeplan) will sich die Region geschlossen positionieren. Zudem soll es eine bessere Kooperation der Verkehrsverbünde geben. Als Ziel gilt eine Anpassung der Tarifstruktur.

Städtebau: Da für die größeren Städte bis zum Jahr 2040 ein Wachstum von bis zu 20 Prozent zu erwarten ist, müssen Wohnungsbau- und Gewerbeflächen, aber auch Grünzüge künftig stärker regional abgestimmt werden. "Kirchturmdenken" soll der Vergangenheit angehören.

Bildung: Die Region verfügt zwar über eine dichte Hochschul- und Forschungslandschaft mit rund 300.000 Studierenden. Doch bei der Zusammenarbeit der mehr als 60 Hochschulen (darunter die beiden Exzellenz-Hochschulen in Aachen und Köln) gibt es offenbar noch "viel Luft nach oben".

Sitz in Köln

Die Idee einer engeren regionalen Zusammenarbeit wurde maßgeblich von den beiden rheinischen Regierungspräsidentinnen beflügelt. Der eingesetzten Steuerungsgruppe, die seit vorigem Jahr mit den Details befasst ist, gehören neben Kommunalpolitikern auch Vertreter der Industrie- und Handelskammern, des Handwerks sowie des Landschaftsverbandes Rheinland an. Natürlich muss der neue Verein "Metropolregion Rheinland e. V." auch eine Adresse haben. Wahrscheinlich wird Köln Sitz der Geschäftsführung werden, obwohl die Nähe zu Ministerien und anderen Landeseinrichtungen eher für Düsseldorf spräche.

Als Jahresbudget ist zunächst von einer Million Euro die Rede. Die Kammern haben sich bereiterklärt, etwa ein Drittel der Gesamtkosten zu tragen. Der Rest muss von den Mitgliedskommunen aufgebracht werden. Sie haben offenbar keinen Zweifel daran, dass es sich um eine lohnende Investition handelt, die sich schon bald bezahlt macht. Auch die beiden rheinischen Regierungspräsidentinnen sind zuversichtlich. "Es wäre hervorragend", betonen Anne Lütkes und Gisela Walsken, "wenn sich das gesamte Rheinland erstmals zu gemeinsamem Handeln zusammenschließen würde".

(hüw)