Großvater (60) gesteht Drohanruf bei der Polizei

Großvater (60) gesteht Drohanruf bei der Polizei

Weil er in einem Dauerkonflikt mit einer Schule und dem Jugendamt um seine Enkel im Juni 2011 laut Geständnis "komplett durchgedreht" war, stand das Oberhaupt (60) einer Großfamilie aus Lierenfeld gestern vor dem Amtsgericht. Damals hatte er in einem Anruf bei der Polizei mit Mord und Totschlag gedroht, mit Geiselnahme und Brandstiftung, falls seine zuvor vom Jugendamt aus der Familie abgeholten Enkel nicht binnen zwei Tagen wieder nach Hause gelassen werden. "Ich habe da unheimlichen Mist gebaut", sah er kurz danach schon ein. Zum Urteil kam das Amtsgericht aber nicht.

Dauernd soll der siebenjährige Enkel des Angeklagten die Schule geschwänzt – und wenn der Junge doch mal zum Unterricht kam, auf den Boden gespuckt haben, aufsässig und aggressiv gewesen sein. Diese Vorwürfe der Lehrer fand der Großvater ungerecht, wandte sich deshalb an einen städtischen Sozialarbeiter, der die Großfamilie seit dreißig Jahren betreut. Doch bevor eine Klärung gelang, erfuhr der 60-Jährige von seiner Tochter, dass die beiden jüngeren Enkel plötzlich von Ordnungsamt und Jugendamt "aus der Wohnung geholt" und weggebracht worden waren. Inzwischen leben die Kinder wieder bei ihrer Mutter. "Aber damals brach für mich die Welt zusammen, ich konnte nicht mehr klar denken", gestand der Großvater gestern seinen wütenden Drohanruf bei der Polizei. "Jetzt weiß ich, dass es andere Wege gibt, um etwas zu erreichen!" Aber damals habe er in der akuten Stress-Situation "aus Angst um die Kinder" am Telefon jedes Augenmaß verloren.

Der Richter ("Wir sind hier ja nicht im Wilden Westen!") war gar bereit, das Verfahren wegen versuchter Nötigung gegen den Großvater im Hinblick auf die "besondere Situation" als "geringfügig" zu werten und gegen eine Geldauflage einzustellen. Dem widersprach die Staatsanwältin: "Das war kein Kavaliersdelikt! Schulen und Behörden arbeiten für die Kinder, sind keine Gegner!" Daher soll vor einem Urteil noch der Sozialarbeiter als Zeuge gehört werden. Der Prozess geht am 24.Januar weiter.

(RP)
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