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Corona Reisen später antreten

Touristik : Reisen lieber später antreten!

Die Corona-Krise hat die Reisebranche schwer getroffen. Deren Wunsch: Gebuchte Reisen nicht zu stornieren, sondern nur zu verschieben. Veranstalter nutzen die reisefreie Zeit unterschiedlich.

Viele Länder haben sich angesichts der Infektionen mit dem Coronavirus abgeschottet. Denn das Coronavirus breitet sich aktuell immer weiter aus. „Damit kommen zwangsläufig auch Reiseverkehr und Tourismus fast vollständig zum Erliegen“, teilt der Deutsche Reiseverband (DRV) mit.

Das Auswärtige Amt hat eine Reisewarnung für alle „nicht notwendigen, touristischen Reisen in das Ausland“ bis zunächst Ende April ausgesprochen. Das bedeutet einen fast vollständigen Stopp aller Urlaubsreisen in andere Länder. Denn das Risiko ist hoch, dass deutsche Urlauber wegen zunehmender Reisebeschränkungen in aller Welt ihre
Rückreise nicht mehr antreten dürfen.

„Durch die dynamische Verbreitung des Coronavirus’ gerät die gesamte Reisewirtschaft in eine nie dagewesene Krisensituation, die sie selbst nicht zu verantworten hat und die sie auch nicht durch eigene unternehmerische Entscheidungen beeinflussen kann“, erläutert DRV-Präsident Norbert Fiebig. Durch die aktuell vermehrt notwendigen Absagen von Reisen kommen Reiseveranstalter und Reisebüros in außerordentliche finanzielle Schwierigkeiten, denn Kunden haben rechtlichen Anspruch auf die Erstattung des gezahlten Reisepreises oder der Anzahlung, so der DRV.

„Wer reisen liebt, verschiebt!“, lautet der Appell des Deutschen Reiseverbands an die Urlauber. Die reiselustigen Deutschen sollten Solidarität mit den Reiseunternehmen zeigen. Foto: DRV

Die Deutschen müssen also aktuell zu Hause bleiben. „Doch der Urlaubswunsch bleibt, die Leute wollen verreisen, dürfen es aktuell aber nicht“, sagt Dr. Ellen Madeker vom DRV. Daher lautet der Appell des Verbands: die Reise lieber verschieben, anstatt ganz abzusagen. Aus diesem Grund hat der DRV die Kampagne „Wer reisen liebt, verschiebt!“ in der vergangenen Woche gestartet. Mit den Kampagnenmotiven des DRV können Reiseveranstalter und Reisebüros ihre Kunden aufrufen, solidarisch mit den Veranstaltern zu sein, nicht das Stornierungsrecht in Anspruch zu nehmen und ihre Reise zu einem späteren Zeitpunkt zu unternehmen. „Verschieben Sie die Reise, damit die Unternehmen und damit verbundenen Dienstleister der Reisewirtschaft zahlungsfähig bleiben können“, sagt Dr. Ellen Madeker.

Reiseveranstalter gehen unterschiedlich mit der Corona-Krise um. Beim Busreiseveranstalter Felix-Reisen aus Köln stehen die 16 Reisebusse momentan still. „Wir haben alle Reisen vom 13. März bis 31. Mai abgesagt“, sagt Brigitte Weber von Felix-Reisen. In der unfreiwillig reisefreien Zeit plant das Unternehmen neue Reisen für die „Zeit danach“ und hält Kontakt zu seinen Stammkunden.

„Wir nehmen es ernst, dass wir als Felix-Familie zusammenhalten“, sagt Weber. Der Reiseveranstalter, der Deutschland und das umliegende Ausland bereist, hofft, die Durststrecke gut zu überstehen. Derweil sind die Mitarbeiter der hauseigenen Werkstatt damit beschäftigt, die Busse zu warten und dafür zu sorgen, dass die Fahrzeuge jederzeit  einsatzbereit sind. Erwartungsfroh ziehen sie derzeit auch schon die Sommerreifen auf.

Werkstattmeister Andreas Stern und sein Team bei Felix-Reisen in Köln warten die 16 Reisebusse. Foto: Felix-Reisen

Auf Usedom geht es momentan etwas ruhiger zu. Dort haben 70 Prozent der Arbeitsplätze unmittelbar mit dem Tourismus zu tun. „Wir haben bestes Wetter, die Insel ist extremst ruhig“, sagt Frank Reischke, Geschäftsführer von Usedom Reisen SN. „Wir sitzen in den Startlöchern für die Zeit, in der das Reisen wieder losgehen kann.“

In Mecklenburg-Vorpommern – und in anderen Bundesländern – gilt ein Übernachtungsverbot bis zum
19. April, wovon auch die vier Hotels des Spezialreiseveranstalters im Seebad Heringsdorf auf der deutschen Ostseeinsel betroffen sind. „Die meisten Gäste, die aufgrund der Corona-Krise abgereist sind, waren tiefenentspannt“, berichtet Reischke. „Und wenn das Problem gelöst ist, werden die Menschen auch wieder zu uns reisen“, ist er sicher. So wie in den fast 200 Jahren, in denen es auf der Insel Tourismus gibt. Die Zwischenzeit nutzen Reischke und seine Mitarbeiter, um Stornierungen abzuarbeiten. „Wir gehen aktiv auf unsere Gäste zu. Jeder wird schriftlich von uns informiert. Das nimmt viel Zeit in Anspruch“, sagt Reischke. Reisende, die ihre Anzahlungen nicht zurückfordern, sollen etwa einen 50-Euro-Gutschein als Dankeschön erhalten.