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Nicht in größerer Menge trinken: So gefährlich sind Energy-Drinks

Nicht in größerer Menge trinken : So gefährlich sind Energy-Drinks

Energy-Drinks sind in Deutschland wie auch Fruchtsäfte und Limonanden als Erfrischungsgetränke deklariert. Doch enthalten sie neben einer großen Menge Koffein auch andere Inhaltsstoffe, die nach mehreren ungeklärten Todesfällen in Verdacht stehen, gesundheitsschädlich und mitunter auch tödlich wirken zu können.

Es ist ein Fall aus den USA, der aktuell Aufsehen erregt. Eine Mutter zieht dort vor Gericht, weil ihre 14-jährige Tochter nach dem Verzehr größer Mengen des auch in Deutschland erhältlichen Energy-Drinks "Monster Energy" über zwei Tage hinweg an Herzversagen gestorben ist. Das Getränk, das zu dem Tod des Mädchens geführt haben soll, enthielt pro Dose 240 Milligramm Koffein. Nun streiten sich Hersteller und Behörden, darüber ob eine Vorerkrankung am Herzen zun Tod des Kindes führte, oder nicht.

Die amerikanische Lebensmittelaufsicht FDA ging der Sache genauer nach und fand heraus, dass es nach dem Genuss dieser stark koffeinhaltigen Getränke öfter zu schweren Zwischenfällen kommt. Immer häufiger werden überwiegend junge Leute in Notaufnahmen behandelt, nachdem sie Energy-Drinks zu sich genommen haben. Zudem gibt es zahlreiche Todesfälle, die in Zusammenhang mit dem Konsum der süßen Erfrischungsgetränke stehen.

Die Verbraucherzentrale Hamburg fordert nach diesen Vorfällen nun hierzulande ein Verkaufsverbot koffeinhaltiger Getränke für Kinder und Jugendliche. "Denn diese Getränke haben mit 320 Milligramm pro Liter einen hohen Koffeingehalt — etwa dreimal so viel wie Cola — und enthalten andere Inhaltsstoffe wie Taurin, bei denen negative Wechselwirkungen nicht sicher ausgeschlossen werden können", erläutern die Verbraucherschützer.

Energy-Drinks enthalten neben Koffein und der Amminosäure Taurin häufig Inhaltsstoffe wie Inosit und Glucuronolacton, die die toxikologisch Wirkung des Getränks womöglich verstärken. Gesundheitsexperten bringen verschiedene Nebenwirkungen in Zusammenhang mit der Wirkung dieser Stoffe. Rein rechtlich fallen Energy-Drinks hierzulande allerdings unter die Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung.

Unbeabsichtigte Nebenwirkungen

Schon im November 2011 schlug eine Behörde Alarm, die dem amerikanischen Gesundheitsministerium unterstellt ist. Eine Studie hatte ergeben, dass sich die Zahl der Behandlungen in Notaufnahmen zwischen 2005 und 2009 um mehr als das Zehnfache angestiegen ist. Auch das Bundesamt für Risikobewertung hat Datenkunde betrieben.

"In der Literatur sind unter anderem Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle oder Nierenversagen beschrieben", erklärt die Sprecherin der Behörde, Miriam Ewald. "Zudem scheint es unerwünschte Wirkungen zu verstärken, wenn Energy-Drinks zusammen mit Alkohol oder im Zusammenhang mit intensiven sportlichen Tätigkeiten, wie zum Beispiel exzessivem Tanzen, verzehrt werden." In den USA beschrieben Kinderärzte in einer Studie weitere Nebenwirkungen wie Wahnvorstellungen sowie Nieren- oder Leberschäden.

Die Gefahr in kleiner Dose

Noch gravierender sind die Auswirkungen nach dem Verzehr von so genannten Energy-Shots. Sie sollen die Konzentration und Leistungsfähigkeit steigern oder sich positiv auf sportliche Leistungen auswirken. Im Vergleich zu herkömmlichen Energydrinks werden sie in kleineren Portionen angeboten (25-75 ml) und beinhalten mehr Koffein und auch Taurin als die Energydrinks.

Einen einzigen solchen Energy-Shot sollte man pro Tag höchstens zu sich nehmen, empfiehlt der Dosenaufdruck. Dadurch, dass die kleinen Dosen jedoch randvoll sind mit Koffein und dem Wirkverstärker Taurin, ist es och leichter, innerhalb kürzester Zeit eine Menge zu sich zu nehmen, die tödlich wirken könnte. Kindern, Schwangeren, Stillenden und Menschen, die empfindlich auf Koffein reagieren wird grundsätzlich ganz vom Konsum von Energy-Getränken abgeraten. Nach Ergebnissen einer neuseeländischen Studie kann eine einzige Dose eines Energy-Drinks bei Kindern schon Nebenwirkungen verursachen.

Schöne Worte und ein gutes Lebensgefühl

Die Hersteller warnen indes nicht vor dem Verzehr. So wirbt Red Bull zum Beispiel damit, der Energy Drink für Menschen entwickelt wurde, "die einen klaren und fokussierten Geist brauchen, körperliche Leistungen erbringen wollen, dynamisch und erfolgsorientiert sind und gleichzeitig einen aktiven und positiven Lebensstil anstreben". Der Slogan scheint aufzugehen, denn im Jahr 2010 verkaufte das Salzburger Unternehmen auf der ganzen Welt rund 4,2 Milliarden Dosen seines Energiegetränks und steigerte damit seinen Umsatz um 15,8 Prozent.

In Europa bestehen nach Informationen des Bundesamtes für Risikobewertung jedoch unterschiedliche Bestimmungen hinsichtlich des Verkaufs von Energydrinks: In Deutschland ist der Vertrieb nur unter bestimmten Bedingungen zugelassen, in Frankreich bestehen weitergehende Inhaltsstoffbeschränkungen. Auch über die europäischen Grenzen hinaus ist der Umgang mit diesen Erfrischungsgetränken höchst unterschiedlich. In Kanada will man nach dem Tod eines 15-Jährigen den Koffeingehalt generell auf 180 Milligramm pro Dose verringern.

(wat)