1. Wirtschaft

App Einkaufscheck warnt vor potenziell gesundheitsgefährdenden Stoffen.

Einkaufshilfe aus Düsseldorf : App soll Verbraucher vor ungesunden Inhaltsstoffen warnen

Hersteller müssen der EU gefährliche und gesundheitsschädliche Stoffe in ihren Produkten mitteilen. Apps warnen dann vor diesem Inhalt. Einige orientieren sich dabei an der Lebensweise der Nutzer.

Apps für das Smartphone können beim Einkauf unterstützend wirken. Es gibt sie für Preisvergleiche, Testberichte und für Mogelpackungen. Einige geben mittlerweile auch Informationen zu Inhaltsstoffen und nachhaltiger Produktion an. Einige Apps gehen dabei noch einen Schritt weiter und orientieren sich an der Lebensweise der Nutzer. Die App Einkaufscheck des Düsseldorfer Unternehmens Fair Friend richtet sich zum Beispiel auch nach den Essgewohnheiten und dem Lebensstil ihrer Nutzer.

Geschäftsführer Jens Jetzki hatte die Idee kurz nach der Geburt seines ersten Kindes. Vorher waren ihm Informationen über Inhaltsstoffe nicht so wichtig. Mit dem Nachwuchs kam dann aber auch der Wunsch nach gesundem Essen. „Die Inhaltsangaben auf den Packungen waren mir aber keine große Hilfe. Das hat mir alles nichts gesagt“, sagt Jetzki.

Also hat er angefangen, sich mehr mit dem Thema zu beschäftigen. Verbraucherhinweise über Lebensmittelampeln oder auch Systeme zur Nährwertkennzeichnung wie Nutriscore sind aus Sicht von Jens Jetzki zwar grundsätzlich eine gute Sache. Doch sie würden Infos nicht individuell wiedergeben.

Das ist bei seiner Einkaufscheck-App mit mittlerweile mehr als 15.000 Downloads anders. Hier können nicht nur Geschlecht, Größe, Alter und Gewicht der Nutzer angegeben werden, sondern auch Essgewohnheiten. Man kann aus voreingestellten Avataren wählen, die beispielsweise ausgewogen, vegetarisch oder vegan leben. „Wir wollen aber niemandem etwas vorgeben. Man kann die App so einstellen, dass sie filtert, was einem wichtig ist“, erklärt Jens Jetzki.

Möchte man also nur vor zu viel Zucker gewarnt werden, kann man das in der App filtern. Ist besonders die ökologische Produktion wichtig, ist auch das Filtern nach diesem Kriterium möglich. Die App bewertet Produkte nach verschiedenen Gesichtspunkten: Gesundheit, Umwelt, Allergien, Vegan/Vegetarisch oder auch unter religiösen Aspekten.

Auch andere Apps gehen auf die  Wünsche der Nutzenden ein. Die App Codecheck analysiert die Inhaltsstoffe von Kosmetika und Lebensmitteln und wirbt damit, seinen Kunden zu helfen, sich bewusst zu ernähren. Hier gibt es, wie bei Jetzkis App, die Möglichkeit auszuwählen, worauf man besonders achten will – also zum Beispiel wenig Palmöl, kein Gluten oder Mikroplastik. Die Software Yuka untersucht Produkte ebenfalls auf Umweltverträglichkeit und Gesundheit und empfiehlt ähnliche Produkte, die weniger schädlich sind. Hier gibt es allerdings keine so weitreichende Personalisierung.

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Mit Einkaufscheck muss der Nutzer im Supermarkt den Barcode des gewünschten Produkts mit dem integrierten Scanner einlesen, um eine ausführliche Bewertung zu erhalten. Dabei orientieren sich die Entwickler der App nach eigenen Angaben an wissenschaftlichen Erkenntnissen zu bestimmten Inhaltsstoffen und an der sogenannten Lebensmittel-Informationsverordnung der Europäischen Union. Die gibt vor, dass Hersteller die Verbraucher über die Zusammensetzung von Lebensmitteln informieren müssen.

So müssen auch Inhaltsstoffe genannt werden, die potenziell gesundheitsgefährdend sind. „Ein Problem dabei ist, dass man nicht weiß, wie viel von einem gefährlichen Stoff in einem Produkt enthalten ist“, sagt Jens Jetzki. In seiner App werden die Inhaltsstoffe unabhängig der enthaltenen Menge angezeigt. Man weiß dann also, dass diese Stoffe potenziell ungesund sind, kann aber nur schwer einschätzen, für welche Menge das gilt. Die Reihenfolge der Auflistung der Inhaltsstoffe kann aber zumindest einen Hinweis geben. Laut Jetzki könnte die App noch genauer sein, wenn Inhaltsstoffe mit ihrer Menge angegeben werden würden. Trotz dieser Ungenauigkeit haben sich die Entwickler entschieden, die Inhaltsstoffe anzugeben: „Wir wollen nur informieren. Die Entscheidung für oder gegen ein Produkt fällt dann der Nutzer“, sagt Jetzki.

Außerdem gibt es laut dem Gründer die Möglichkeit, Kategorien miteinander zu vergleichen. Hat also beispielsweise der Lieblingsjoghurt viel zu viel Zucker, kann man sich ähnliche Produkte anzeigen lassen. Dies ist auch bei der App Yuka möglich.

Insgesamt sind in der Einkaufscheck-Datenbank aktuell rund 700.000 Produkte. Trotzdem gibt es bei Bewertungen in den App-Stores teilweise Beschwerden über eine vermeintlich zu geringe Anzahl. Demnach würden viele Produkte nicht gefunden, außerdem gebe es Probleme beim Anzeigen der Nährwerte und Warnhinweise. Laut Fair Friend sollen Mängel in der neusten Version behoben worden sein.

Ob Apps beim Einkauf tatsächlich unterstützen können, hängt laut Verbraucherzentrale NRW vom Einzelfall ab. Zu bestimmten Apps äußere man sich nicht. Hilfsmittel wie der Nutriscore seien grundsätzlich aber eine gute Sache, heißt es. Er „stellt ein verlässliches Hilfsmittel dar, um ernährungsphysiologisch günstigere Lebensmittel innerhalb einer Lebensmittelkategorie auf einen Blick zu erkennen“, teilt die Verbraucherzentrale mit. Nachteilig sei allerdings, dass verschiedene Inhaltsstoffe miteinander verrechnet werden und er bis dato nur freiwillig verwendet wird.

(mabu)