Paik-Award für Camille Henrot

Krefeld : Paik-Award für Französin Henrot

Die Pariser Künstlerin ist gestern mit dem Medienpreis ausgezeichnet worden.

Mit der Legende der versunkenen Stadt Ys und den Problemen der vom Staat nicht anerkannten Houma-Indianer in den USA hat eine junge Französin die Jury überzeugt: Camille Henrot (35) erhält den internationalen Nam-June-Paik-Award der Kunststiftung NRW. Gestern überreichte Kulturministerin Ute Schäfer den mit 25 000 Euro dotierten Preis für Medienkunst im Krefelder Haus Lange.

Der Preis ist dem Pionier medialer Kunst, Nam June Paik (1932-2006), gewidmet und soll nicht ein Werk würdigen, sondern eine ästhetische Richtung. Camille Henrots Arbeiten haben eine Poesie, die sich der Betrachter erarbeiten muss. In Materialcollagen aus Ur-Stoffen wie Holz und High-Tech-Elementen wie MacBooks setzt die 35-Jährige sich mit naturhistorischen, völkerkundlichen und geopolitischen Themen auseinander. Als politisch will sie die fünf Arbeiten, die sie derzeit in Krefeld zeigt, allerdings nicht verstanden wissen, sondern als persönlichen Versuch, Geschichten und Identitäten zu bewahren, die verlorengehen: Der Sage nach war das bretonische Städtchen Ys mit Reichtum und Glanz gesegnet, bis die Königstochter sich mit dem Teufel einließ. In einer Sturmnacht versank Ys im Meer. Einen ähnlichen Untergang sieht die Künstlerin, die in Paris und New York lebt, auch für den Stamm der Houma. Eine Ölgesellschaft zerstört ihren Lebensraum, die Erosion der Meeresufer nimmt ihnen den Haupterwerb: die Fischerei. Collageartig verbindet sie die verschiedenen Zeit- und Ortsebenen, macht das Auge zum Pfadfinder auf der Suche nach Symbolen. Die Jury - Professor Thomas Levin (USA) und Dirk Sbauwaert (Belgien) - lobte das "global vernetzte Natur- und Kulturverständnis" der Künstlerin.

Im Louvre, im Centre Pompidou und im New Museum New York hat Henrot bereits ausgestellt, bei der Biennale in Venedig ist ihr Werk 2013 mit dem Silbernen Löwen prämiert worden. Ihre "Nam June Paik Award"-Arbeiten sind bis 15. Februar in Krefeld zu sehen - in einer spannungsreichen Schau mit Arbeiten der Künstler, die ebenfalls für den Award nominiert waren: Cory Arcangel (New York), Ulf Aminde (Berlin) und das Künstlerduo Jon Thomson & Alison Craighead (London).

Der mit 15 000 Euro dotierte Förderpreis für nordrhein-westfälische Medienkünstler ging an den Düsseldorfer Manuel Graf (geboren 1978). Graf hat an der Düsseldorfer Kunstakademie Bildhauerei studiert und wird bei der Verleihung des nächsten Nam June Paik Awards in zwei Jahren seine Arbeit präsentieren.

(RP)