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Mit zugewandtem Herzen an der Klosterpforte in der Düsseldorfer Altstadt

Ort der Barmherzigkeit : Mit zugewandtem Herzen an der Klosterpforte

Klosterpforten sind Orte praktizierter Nächstenliebe. Ein Besuch bei den Dominikanern in der Düsseldorfer Altstadt.

Die Pforte ist eine unscheinbare Glastür, dahinter ein Treppenhaus mit schwarzen Steinstufen, auf dem ersten Absatz ist ein Schiebefenster in die Wand eingelassen, daneben eine Tür. Wer in Not ist und hier klopft, sitzt bald hinter der Tür in einem der Beratungszimmer am Tisch mit Pater Manuel. So wie der Mann, der an den Weihnachtstagen zu seiner Familie nach Süddeutschland möchte, das Geld für den Fahrschein aber nicht übrig hat. Oder die Frau, die mit Sozialhilfe für sich und ihre Kinder so gerade eben über die Runden kommt, aber keine Reserven hat für die dringende Reparatur der Waschmaschine. Ausgerechnet vor Weihnachten geht sie kaputt.

Pater Manuel hört zu, fragt nach, will wissen, wie die Not entstanden ist. Er hat einen ernsten Blick, doch ein Gesicht, in das ein Lächeln eingeschrieben ist. Bevor er mit den Menschen spricht, fragt er nach ihrem Namen. „Barmherzigkeit hat für mich mit einer aufmerksamen Haltung zu tun“, sagt er. „Ich sitze hier nicht einfach vor irgendwelchen Leuten, sondern versuche, ihnen mit zugewandtem Herzen zu begegnen, mit Respekt, das macht den Unterschied.“

Wenn es einen Ort der Barmherzigkeit gibt, so ist das wohl die Klosterpforte. Dort trifft die profane Welt mit all ihren Anforderungen, ihren Sorgen und zahlreichen Problemen auf den geschützten Lebensraum von Menschen, die sich der Nachfolge Jesu besonders verschrieben haben.

Nur selten ist dieser Kontrast so groß wie an der Pforte des Dominikanerklosters mitten in der Düsseldorfer Altstadt. Draußen das Amüsierviertel mit seinen Kneipen, Diskotheken, 24-Stunden-Läden, dem Lärm der Nacht, der Geschäftigkeit des Tages – und mit Menschen, die sich eine Partynacht nicht leisten können, die oft nicht mal ein Obdach haben. Drinnen die Ruhe einer Lebensgemeinschaft von acht Ordensleuten, die genau an diesem Ort für andere dasein wollen. Darunter Pater Manuel, der immer dann an die Pforte gerufen wird, wenn es um Fragen der Caritas geht, um konkrete Not.

„Jeder Mensch ist von Gott geliebt, ist ein Geschöpf Gottes, auch die, die mir auf die Nerven gehen“, sagt Pater Elias, Prior der Gemeinschaft. „Weil wir an dieses christliche Menschenbild glauben, fühlen wir uns verpflichtet, den Nächsten im Blick zu halten und ihm, wenn nötig, zu helfen.“ Pater Elias zeigt durch das Fenster des Beratungszimmers auf eine schlanke Säule vor dem Fenster. Darauf ist eine Figur des Heiligen Martin angebracht, eines Soldaten, der am Bettler nicht vorbeiritt, sondern kurzerhand anhielt, abstieg, seinen Mantel teilte. Konkrete Hilfe und Anteilnahme.

 Auch an der Klosterpforte melden sich nicht nur Menschen, die materielle Not bedrängt. „Wir führen hier auch viele Seelsorge-Gespräche, hören Menschen zu, egal welcher Konfession sie angehören“, sagt Pater Elias. Manchmal stünden auch Touristen an der Klostertür, um eine Last loszuwerden.

Und dann gibt es da noch eine zweite Pforte in das Kloster, das ist die Kirche gegenüber, St. Andreas. „Wer die Kirche betritt, wird von einem Mitglied des Willkommenteams begrüßt“, sagt Pater Elias, „die Ehrenamtler geben unserer Gemeinschaft in der Kirche ein Gesicht.“ Susanne Storm-Sammeck zum Beispiel.

Seit fünf Jahren gehört die pensionierte Betriebswirtin zum Willkommensteam, steht zweimal im Monat nachmittags in der Kirche, sagt jedem Besucher guten Tag. „Oft ergeben sich dann sehr bereichernde Gespräche“, sagt Storm-Sammeck. „Gerade eben war eine Frau da, die eine Chemotherapie überstanden hatte und jetzt davon erzählen wollte.“

Manchmal suchen Besucher auch einen Seelsorger oder wollen beichten, dann schicken die Willkommenshelfer sie hinüber an die eigentliche Klosterpforte. „Wir rücken hier niemandem zu nahe, die Besucher signalisieren, was sie brauchen“, sagt Storm-Sammeck. Doch bei vielen sei der Gesprächsbedarf sehr groß.