Ausstellung "Märchenhaftes Meissen" im Hetjens-Museum

Ausstellung in Düsseldorf : Prachtvoll wie Honeckers Jagd-Service

Die Schau „Märchenhaftes Meissen – Traumwelten der DDR“ im Hetjens-Museum widmet sich dem berühmten Porzellan.

Ein überdimensionierter Kerzenleuchter steht mittig auf einem prächtig eingedeckten Tisch. Auf dem flachen Ständer aus feinstem Meissener Porzellan ist das barocke Jagdschloss Moritzburg zu erkennen. Daneben stehen mit Eichenlaub und weiteren Jagdszenen bemalte Teller, Suppenschüsseln und Unterteller. Während das Sujet an die feudale Geschichte der berühmten sächsischen Porzellanmanufaktur erinnert, ist dieses Jagd-Service doch in einer ganz anderen Zeit entstanden. Nämlich erstaunlicherweise 1973 im Arbeiter- und Bauernstaat DDR.

Die Ausstellung „Märchenhaftes Meissen – Traumwelten der DDR“ im Hetjens-Museum widmet sich diesem wenig beachteten Kapitel der ersten europäischen Porzellanmanufaktur. Der 1710 gegründeten Firma kam nach der Verstaatlichung eine wichtige Rolle zu. Das neue Porzellan sollte nach dem Willen der DDR-Funktionäre „Schöpferkraft, Optimismus und Dynamik der sozialistischen Gesellschaft“ verkörpern. Die „VEB Staatliche Porzellan-Manufaktur Meißen“ wurde zum achtgrößten Devisenbringer der DDR. Sogar westdeutsche Musikstars wurden für ihre Auftritte in der DDR mit Porzellan bezahlt.

Doch während die klassischen Dekore wie die Meissener Rose oder das Zwiebelmuster selbstverständlich der Exportschlager blieben, wurden in der altehrwürdigen Manufaktur auch viele neue Entwürfe, wie eben das Jagd-Service, auf den Markt gebracht. Zuständig für die Neuerungen war das so genannte „Kollektiv Künstlerische Entwicklung“. Dieser Zusammenschluss aus Künstlern und Bildhauern sollte das Meissener Porzellan im Sinne des Sozialismus weiterentwickeln, aber auch neue Exportschlager kreieren.

Kuratiert wurde die Ausstellung im Hetjens von Wilko Beckmann, einem anerkannten Meissen-Experten. Mit dieser Ausstellung widmet sich der stellvertretende Museumsleiter nun zum ersten Mal der neueren Geschichte der Porzellanmanufaktur. Für Beckmann – Fachmann für Meissener Porzellan aus dem 18. und 19. Jahrhundert – war die Ausstellung ein Lernprozess bei dem er viel neues über die Porzellanmanufaktur erfahren habe.

Laut Beckmann brach mit dem Kollektiv eine bedeutsame Zeit für die Manufaktur an. Das zeigt auch die wunderbare Ausstellung im Hetjens-Museum. Überhaupt sind Meissener Stücke aus dieser Zeit zum ersten Mal in Westdeutschland zu sehen. Die Mehrzahl der Exponate stammt aus dem Meissener Archiv, einige sind sogar Unikate.

Und zu entdecken gibt es bei den verschiedenen, immer von Hand bemalten Dekoren vieles. Da ist zum Beispiel die eindrucksvolle Vase „Tausendundeine Nacht“. Hoch oben auf dem fast 75 Zentimeter hohen Gefäß thront ein Porzellan-Reiter mit Turban auf dem Zauberpferd. Darunter sind etliche Hinweise auf die großen Märchen des Morgenlandes zu sehen – teils gemalt, teils sprießen die Figuren dreidimensional aus der Vase heraus. Diese Gemeinschaftsarbeit des Kollektivs um den Bildhauer Ludwig Zepner und Peter Strang sowie des Dekormalers Heinz Werner zeugt von einer perfekten Kooperation der Meissener Künstler auf den Spuren der Altmeister Höroldt und Kaendler.

So sehr der Sozialismus das Leben und Arbeiten in der DDR beeinflußte, so blieben die Meissener Produkte ein Luxusgut. Das Porzellan gab es in der DDR fast nicht zu kaufen, lediglich die Partei-Bonzen der SED schmückten ihre Tische mit den feudalen Tafel-Servicen. Und auch in Westdeutschland war das begehrte Porzellan Mangelware, da der VEB mit der Produktion nicht hinterher kam. Denn vor allem die Meissener Klassiker wurden weiterhin gewinnbringend ins Ausland verkauft. Die formal schlichten Produkte einer von der SED verordneten „proletarischen“ Porzellankunst fanden dagegen im kapitalistischen Ausland nur wenig Anklang. Sie waren somit zur dringenden Devisenbeschaffung für die DDR-Planwirtschaft ungeeignet.

Mit seinen 250 Teilen wird das Jagdservice zum umfassendsten Service aus Meissen im 20. Jahrhundert. Im Ausland damals verkannt, gab es in der DDR doch einen großen Fan dieser feudalen Porzellan-Serie. Der passionierte Jäger und erste Mann im Arbeiter- und Bauernstaat, Erich Honecker, besaß ein komplettes Jagdservice. Dieses soll er Gästen auf seinem Jagdsitz in der Schorfheide mit Stolz gezeigt haben. Für den normalen DDR-Bürger gab es übrigens so gut wie kein Meissener zu kaufen, schließlich musste damit der Devisenbedarf der DDR gedeckt werden.

Heute erzielen die Teile des Meissener Kollektivs übrigens Höchstpreise auf Auktionen. Alleine eine ovale Servierschale kann auf Auktionen bis zu 1000 Euro erzielen. Und das in Zeiten, in denen die Marktpreise für Porzellan in den Keller gesunken sind. Die Stücke des Kollektivs sind nicht nur selten, sondern zeugen von einer Zeit, als durch die altehrwürdigen Räume in der Meissener Albrechtsburg ein frischer Wind wehte. Und der Nachwelt wunderbar fantasievolle Porzellan-Kreationen hinterließ.