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Star Wars 9: So gut ist neuer Film "Der Aufstieg Skywalkers" wirklich

Achtung, Spoiler! : So gut ist der neue „Star Wars“-Film wirklich

Der neue „Star Wars“-Film „Der Aufstieg Skywalkers“ beginnt hektisch, wird in der zweiten Hälfte aber rührend und episch. Wir haben ihn gesehen. Eine Filmkritik mit kleinen Hinweisen.

Regisseur und Drehbuchautor J. J. Abrams stand vor einer Mammutaufgabe. Nicht nur soll der „Der Aufstieg Skywalkers“ die Geschichte beenden, die 1977 ihren Anfang in den Kinos genommen hat. Der Film soll auch jene Fans versöhnen, die mit dem Vorgänger „Die letzten Jedi“ alles andere als zufrieden waren. Leider scheitert Abrams zunächst damit.

Dabei fängt der Film gut an. „Der Aufstieg Skywalkers“ kommt anfangs ohne Dialog aus. Nur Musik untermalt, wie der Bösewicht Kylo Ren die Spur zum finsteren Imperator Palpatine aufnimmt und schließlich auf ihn trifft. Das ist beeindruckend inszeniert. Danach aber wirkt der Film nur noch getrieben. Er nimmt schnell Fahrt auf und hält das Tempo hoch. Vieles wirkt jedoch belanglos: Schnell reisen die Helden Rey, Poe Dameron und Finn von Planet zu Planet – es sind leider viele Welten. Das alles wirkt so hektisch und schnell, dass kaum etwas davon haften bleibt. Schlimmer noch: Es lässt einen kalt.

Hinzu kommen Logiklöcher und erzwungene Handlungsstränge. An einer Stelle beispielsweise stürzen die Helden am einzigen Ort in der Wüste ab, an dem man im Sand versinken kann. Und natürlich finden sie dann in einem unterirdischen Höhlengang auch das, was sie gesucht haben. Das ist nicht sehr überzeugend. Leider tut dem „Aufstieg Skywalkers“ auch nicht gut, dass man die 2016 gestorbene Carrie Fisher als Prinzessin Leia eingebaut hat – mit ungenutzten Szenen aus den vorherigen Filmen. Das wirkt fremd, künstlich und bemüht.

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Gleichzeitig werden noch so viele neue Charaktere eingeführt und Geschichten angerissen, dass es für mindestens einen weiteren Film gereicht hätte. Auch wenn manche Figuren wie der Droide D-O offenbar nur den Spielzeug-Verkauf ankurbeln sollen, aber wenig zur Handlung beitragen. Vieles wirkt wie eine Entschuldigung, gerichtet an die zahlreichen Fans, die den Vorgänger „Die letzten Jedi“ als zu statisch oder zu uninspiriert empfanden. Aber Regisseur Abrams übertreibt sein Versöhnungsangebot in den ersten 60 Minuten so sehr, dass man fast die Lust verliert. Es ist nur das großartige Zusammenspiel der Schauspieler und die dezente Ironie, die bis dahin ein wenig versöhnen kann.

Doch gerade als man fast schon enttäuscht ist, wird etwa zur Mitte des Films alles anders. Nach dem imposanten und auch einzigen Lichtschwert-Duell verändert sich der „Aufstieg Skywalkers“. Es folgt ein für den Handlungsverlauf entscheidender Moment – der hier nicht verraten werden soll –, der zwar wenig überzeugend ist, aber so rührend in Szene gesetzt, dass er tatsächlich bewegt. Danach gewinnt der Film an Struktur, Tiefe und Emotion.

Wirkte Daisy Ridley im Vorgänger noch etwas hölzern, überzeugt sie nun erneut als Widerstandskämpferin Rey. Sie ist überwältigt, aber auch verängstigt von ihrer Macht – und ihrer wahren Herkunft. Dieses Rätsel wird nun tatsächlich gelöst. Oscar Isaac dagegen spielt Poe Dameron als zweifelnden Anführer, der wenig von einem strahlenden General hat und erst von der „Star Wars“-Ikone Lando Calrissian ermuntert werden muss. Auch Luke Skywalker hat einen Auftritt als geisterhafte Gestalt. Dieses Mal ist er sehr viel mehr der weise Lehrmeister als der kauzige alte Mann aus „Die letzten Jedi“. J. J. Abrams hat die Figuren tatsächlich besser im Griff als Regisseur Rian Johnson im Vorgänger.

Dann beginnt mit dem langen dritten Akt eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Aus den Trailern kennt man bereits die bunt zusammengewürfelte Flotte des Widerstands. Wenn sie im Film auftaucht, ist das ein ergreifender Moment – aber auf jeden Hoffnungsschimmer folgt ein Tiefschlag. Ganz sicher kann man sich nie sein, wer nun überlebt oder stirbt, ob man ein düsteres oder ein optimistischeres Ende erwarten soll. Das ist so mitreißend und in grandiosen Bildern inszeniert, dass die Gefühle einen immer wieder überwältigen. Zumal Imperator Palpatine nichts von seiner Boshaftigkeit und Niedertracht verloren hat. In „Aufstieg Skywalkers“ wird indes klarer, über wie viel Macht er tatsächlich verfügt.

Das alles mündet in einem Finale, das eine tiefe Verbeugung vor dem Anfang der Film-Saga aus dem Jahr 1977 ist. Die Geschichte der Skywalkers wird buchstäblich begraben und lebt doch fort; in einer grandiosen Schlussszene, die Fans tief berühren wird. Für sie wird zudem ein Fehler korrigiert, der im allerersten Teil gemacht worden ist. Dennoch werden nicht alle Fragen beantwortet. Wie beispielsweise Palpatine den tiefen Sturz in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ überleben konnte, wird nur angedeutet. Ebenso unklar bleibt, welche Bedeutung der Planet Exogol für die finsteren Sith hat.

Am Ende hat es J. J. Abrams dennoch geschafft, die Mammutaufgabe zu meistern. Dank einer zweiten Hälfte, die alles hat, was „Star Wars“ ausmacht: grandiose Bilder, epische Momente und berührende Szenen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Erste Bilder aus „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“