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Joschkas schöne Ehefrau: Minu Barati tritt aus Fischers Schatten

Joschkas schöne Ehefrau : Minu Barati tritt aus Fischers Schatten

Sie wollte schon lange den Durchbruch als Filmproduzentin schaffen, stand bisher aber nur als fünfte Ehefrau von Joschka Fischer im Rampenlicht. Mit ihrem ersten Film zeigt Minu Barati, dass sie mehr kann, als exotisch aussehen.

Minu Barati ist eine Frau, die keine halben Sachen macht. Sie trägt entweder Schuhe mit 14 Zentimeter hohen Absätzen oder aber flache Ballerinas. Nichts dazwischen. Ein bisschen wie mit ihren Schuhen war es auch, als sie Joschka Fischer 2005 heiratete. Niemand schien zu verstehen, was die exotische Schönheit an dem auf den ersten Blick nicht gerade attraktiven und wesentlich älteren Grünen-Politiker fand. Doch was die anderen über ihre Ehe mit dem 64-Jährigen denken, ist der 36-Jährigen bis heute schnurz. "Ich bin doch nicht verantwortlich, ob andere Leute meine Beziehung ertragen. Auf jeden Fall finde ich Gehirn einfach sexy", sagte Barati dazu.

Über mangelnde Aufmerksamkeit kann sich die Tochter einer deutschen Lehrerin und eines iranischen Regimekritikers nicht beklagen. Jedoch galt diese bisher vor allem ihr als Politikergattin, als "fünfte Frau des Außenministers", als "Joschkas schöne Minu". Aus Fischers Schatten tritt Barati nun endgültig heraus. Mit ihrem ersten Film "Ausgerechnet Sibirien" (jetzt in den deutschen Kinos) zeigt Barati, dass sie kein Anhängsel, sondern eine ernstzunehmende Filmproduzentin ist. Gleich bei ihrem Debüt gelang es ihr, Stars wie Joachim Król zu verpflichten. Er habe kein Problem, mit einer Anfängerin zu arbeiten, solange der Film gut sei, sagte Król, der einen pedantischen Versandhandelsverkäufer spielt, der nach Sibirien versetzt wird.

Für das Endergebnis erntet Barati von den Kritikern viel Lob — etwas, das die Halbiranerin so nicht gewohnt ist. Barati kennt vielmehr das Gefühl anzuecken. Mit ihren asymmetrischen Outfits, mit ihrer klaren politischen Meinung, mit ihrer Herkunft. "Es prägt einen schon, wenn man sein Leben lang gefragt wird, wo man herkommt. (...) Du bist keine Deutsche, was bist du in Wirklichkeit?' Da wird einem seit frühester Kindheit signalisiert, dass man nicht dazugehört", sagte sie der Zeitschrift "Bunte". Filme und Bücher seien für sie immer eine Flucht gewesen.

Für das Leben hinter der Kamera kämpft sie nicht erst, seitdem ihr Paparazzi auflauerten, die einen Blick auf sie und Joschka Fischer erhaschen wollte. Von einem Leben als Filmproduzentin träumt sie schon lange. Als junge Frau ergatterte Barati einen der begehrten Plätze an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. 2008 gründete Barati die Firma "JooYaa" (das ist Farsi und bedeutet "die Suchende"). Davon, eines Tages den Durchbruch als Filmproduzentin zu schaffen, hat sie sich seitdem nicht abbringen lassen. Dieser ist ihr nun mit "Ausgerechnet Sibirien" gelungen. Ihr Mann habe den Film erst bei der Premiere sehen dürfen, betonte Barati. Dafür legte Fischer sogar seine Abneigung gegen Rote-Teppich-Events ab. "Was glauben Sie, was los gewesen wäre, wenn ich nicht gekommen wäre", sagte er. Auch wenn die Kameramänner begeistert waren, Barati und ihren Ehemann (man beachte die Reihenfolge!) mal wieder gemeinsam ablichten zu können, war sie der Star. Fischer gönnt seiner Ehefrau offenbar die große Bühne.

Über Privates spricht Minu Barati noch immer nicht gerne, das ist ihr persönliches Grenzgebiet. Man weiß, dass sie einen Kanarienvogel ihrer Oma nach Joschka benannt hat, "weil der nicht gesungen, sondern nur geschimpft hat", dass sie gerne über Politik diskutiert, dass sie früher von einem Reihenhaus geträumt hat und heute in einer Villa lebt. "Ich konnte lange nicht unbeobachtet meiner Arbeit nachgehen", erklärt Barati. "Die Frau an Fischers Seite" zu sein, habe ihr eher geschadet als genützt. "Mir gibt keiner eine Million für einen Film, nur weil ich die Frau von Joschka Fischer bin." Sie ist sicher: Auch ohne ihre Beziehung hätte sie es im Filmbusiness geschafft. Das glaubt man dieser selbstbewussten Frau gerne.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Minu Barati gibt ihr Film-Debüt

(RP/jre/csr)