Literaturverfilmung "Bel Ami" mit Robert Pattinson: Gigolo mit Komplexen

Literaturverfilmung "Bel Ami" mit Robert Pattinson : Gigolo mit Komplexen

Teenieschwarm Robert Pattinson versucht sich an Maupassants Klassiker "Bel Ami". Er ist der beste Georges Duroy, den das Kino-Publikum bisher erlebt hat – nicht trotz, sondern wegen seiner Schwächen. Das Ergebnis ist ein annehmbarer Film mit etwas Tiefgang.

Teenieschwarm Robert Pattinson versucht sich an Maupassants Klassiker "Bel Ami". Er ist der beste Georges Duroy, den das Kino-Publikum bisher erlebt hat — nicht trotz, sondern wegen seiner Schwächen. Das Ergebnis ist ein annehmbarer Film mit etwas Tiefgang.

Georges Duroy, der ebenso charakterlose wie verführerische Held von Guy de Maupassants Roman "Bel Ami", ist in früheren Verfilmungen von Willi Forst (1939), George Sanders (1947), Johannes Heesters (1955) und Helmut Griem (1968) verkörpert worden.

Was das schauspielerische Talent und die emotionale Reife anbelangt, kann Robert Pattinson keinem von ihnen auch nur annähernd das Wasser reichen. Dennoch ist er der beste Georges Duroy, den die Leinwand bisher erblickt hat. Nicht trotz, sondern wegen seiner Schwächen.

Pattinsons Vorgänger waren von Anfang an viel zu weltmännisch, und als Zuschauer fragte man sich, was bei diesen Männern noch aufzubauen blieb. Um die Geschichte eines Emporkömmlings optimal zu erzählen, muss man glaubhaft machen, dass er einmal ganz unten gewesen ist.

Pattinson glaubt man das. Als die Handlung im Paris des Jahres 1890 einsetzt, hat er nichts zu bieten außer einem gewissen Sex-Appeal. Ein Freund aus der Armee, in der er gedient hat, ist mittlerweile politischer Redakteur einer angesehenen Zeitung und bringt Georges dort unter, aber da Georges weder Ahnung von Politik noch vom Schreiben hat und außerdem keine Demut gegenüber Vorgesetzten kennt, sind seine Tage als Journalist gezählt. Eben noch gern gesehener Gast in den Pariser Salons, landet er erneut in der Billigpension.

Von "Twilight" in die Pariser Belle Epoque

Robert Pattinson, das kann nicht oft genug betont werden, ist glaubwürdig und geradezu anrührend in diesen Passagen, die das Scheitern des Georges Duroy thematisieren. Er ist sogar unfreiwillig sympathisch, denn obwohl Duroy über Leichen geht, Männer wie Frauen benutzt und fallenlässt, wirkt er nie berechnend. Er ist eher schwach als schlecht. Wie soll er anderen helfen, wenn er Schwierigkeiten hat, sich selbst zu helfen?

Dass er es doch noch zu etwas bringt, ist das Verdienst von Frauen, allen voran Madeleine Forestier (Uma Thurman). Sie schreibt politische Leitartikel, die unter Duroys Namen veröffentlicht werden. Als Gegenleistung bekommt sie seinen Körper, der allerdings auch von der jungen Clotilde (Christina Ricci) und der alternden Madame Rousset (Kristin Scott Thomas) begehrt wird.

Uneitles Teenie-Idol

Die geistige Überlegenheit dieser Frauen kommt in der Originalfassung des Films deutlicher zur Geltung, vor allem wenn es um die Aussprache französischer Namen geht. Pattinson ist nicht einmal in der Lage, seinen eigenen Rollennamen richtig auszusprechen. Und in zahlreichen Großaufnahmen, die von ihm mimischen Ausdruck verlangen, wirkt er genervt, so als wolle er den Beruf wechseln. Vollblutschauspieler sehen anders aus.

Zu seiner Verteidigung muss man anmerken, dass er völlig uneitel herüberkommt, ganz anders als das ungefähr gleichaltrige Teenie-Idol Zac Efron. Und Duroy soll ja jemand sein, der unverdient Karriere macht. Insofern ist der Film unbeabsichtigt aktuell. Dieser junge Mann kann nicht viel, er wird nur gut gecoacht.

Gedreht wurde dieser Film bereits vor zwei Jahren in Budapest. Der — verglichen mit dem echten Paris — preiswerte Drehort und das lange Warten auf den passenden Starttermin lassen vermuten, dass nicht nur Pattinson seiner Sache unsicher war. Für die Regie zeichnen gleich zwei völlig Unbekannte verantwortlich: Declan Donnellan und Nick Ormerod. Sie machen ihre Sache ganz gut, der Film wirkt an keiner Stelle stümperhaft. Neben den Darstellerinnen hat die Komponistin Rachel Portman die besten Referenzen, sie hat bereits die Welt von Jane Austen ("Emma") und Charles Dickens ("Oliver Twist") zum Klingen gebracht.

Ein netter Film mit etwas Tiefgang ist dabei herausgekommen. Und aus Hauptdarsteller Robert Pattinson kann durchaus noch etwas werden.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

(RP/csr/rm)