Splatter für kultiviertes Publikum: "Hostel 2": Eleganter Sadismus

Splatter für kultiviertes Publikum : "Hostel 2": Eleganter Sadismus

Düsseldorf (RP). Die Geschichte von drei jungen Männern, die in einer slovakischen Jugendherberge absteigen und ins Visier sadistischer Menschenhändler geraten, erwies sich vor einem Jahr als Überraschungserfolg. Dabei war das einzig Neue an "Hostel" der Schauplatz: Verwöhnte US-Bürger irrten durch die verfallenen Gassen von Bratislava, uralte Ängste vor dem barbarischen Osten wurden mobilisiert. Ansonsten sah man die üblichen Ekeleffekte: aufgerissene Körper, abgetrennte Gliedmaßen.

Für "Hostel 2" hat Autor und Regisseur Eli Roth einfach nur das Geschlecht der drei Freunde geändert, jetzt müssen junge Frauen um ihr Leben kämpfen. Fortsetzungen erfolgreicher Splatter-Filme versuchen in der Regel, ihre Vorgänger an Brutalität und Zynismus zu übertreffen. Erstaunlicherweise verfolgt Roth einen anderen Weg. Schon während des Vorspanns ersetzt ein Gefühl von Trauer den billigen Schock, wenn ein Mörder die persönlichen Sachen eines Opfers verbrennt: Angesichts der sich auflösenden Fotos und Tagebücher wird das Opfer noch einmal kurz lebendig. Im Lauf der Handlung finden zwar ein paar unappetitliche Verstümmelungen statt, doch die Kamera verweilt nie so voyeuristisch auf den Opfern, wie man es in dem Genre gewohnt ist.

"Hostel 2" handelt von Sadisten, aber es standen keine Sadisten hinter der Kamera. Sorgfältiger als sonst wurden die Figuren entwickelt: Die Opfer sind keine kreischenden Püppchen, die Jäger keine eiskalten Mordmaschinen. Die Gegend um Bratislava, im ersten Teil noch schmuddelig wie ein Bahnhofsklo, sieht hier wie eine Märchenlandschaft aus. Der Kameramann Milan Chadima erzeugt ungewöhnliche Farbwirkungen, er verleiht den Dörfern und Wäldern einen poetischen, mitunter surrealen Reiz.

Am meisten überrascht, dass "Hostel 2" ein kultiviertes Publikum ansprechen will. Eines der Mädchen fällt einer eleganten Frau in die Hände, die der ungarischen Gräfin Elisabeth Bathory nacheifert und in Blut badet. Provokante Kunstfilme wie Pasolinis "Die 120 Tage von Sodom" und Greenaways "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber" werden zitiert. Und die Oberschurkin wurde exakt der Sextheoretikerin Camille Paglia nachgebildet, die für Sade und Nietzsche schwärmt und glaubt, dass der Mensch trotz Zivilisation nie seine barbarischen Züge verlieren wird. Natürlich ist "Hostel 2" trotz Roths hohen Kunstverstands kein Kunstwerk. Aber es ist ein Horrorfilm mit Verstand und sogar etwas Herz.