Schauspieler auf Diebeszug: "Ocean's 13" ist zu lässig

Schauspieler auf Diebeszug : "Ocean's 13" ist zu lässig

Las Vegas/Düsseldorf (RP). Mit der dritten Folge seiner erfolgreichen "Ocean's"-Serie kehrt Regisseur Steven Soderbergh zurück nach Las Vegas. An alte Qualitäten kann der Film trotzdem nicht anschließen: viele Stars, aber langweilige Geschichte.

Die Meisterdiebe sind zurück. Heimgekehrt in die größenwahnsinnige Kitschkulisse einer Stadt, die vom Pech der Spieler lebt, auf dem Ruin der Glückssucher blinkende Paläste baut und so mitten in der Wüste das optimale Klima bietet für Gaunereien aller Art. Vor allem der größeren Art. In Las Vegas treffen sie sich wieder, die coolen Jungs um Obergauner Danny Ocean (George Clooney), die nun wirklich die elegantesten sind unter den Panzerknackern der Filmgeschichte. Und die lässigsten.

Mit dem dritten Teil seiner "Ocean's"-Reihe kehrt Regisseur Steven Soderbergh also zurück an den Ausgangspunkt. In Las Vegas hatte auch der erste Teil der Serie gespielt, "Ocean's 11", von der Kritik gelobt, an den Kassen ein Hit. Ein Überraschungscoup, denn Soderbergh war es gelungen, ein Staraufgebot in Schwingung zu versetzen: George Clooney, Brad Pitt, Julia Roberts, Matt Damon, um nur die erste Garde zu nennen, hatten sichtliches Vergnügen am augenzwinkernden Spiel in diesem Überaufgebot an Prominenz. Und sie teilten dies in vielen kleinen Gesten den Zuschauern mit. Dazu eine überdrehte, aber klug durchdachte Superpanzerknacker-Geschichte alter Klasse, schon war aus einem behäbigen Starvehikel ein schnittiger Starflitzer geworden, ein Stück intelligenter Unterhaltung, ironisch, spannend - wunderbar leichtes Amusement.

Doch an die Qualität von "Ocean's 11" kann der dritte Teil nicht anschließen, wird Las Vegas auch mit noch so viel Liebe für überdrehte Hoteleinrichtungen und aberwitzigen Luxus in Szene gesetzt. Man speist etwa mit Besteck, das aus purem Gold, dem Understatement zuliebe jedoch versilbert ist. Die Geschichte aber entbehrt diesmal jeglichen Raffinements, keine Überraschungen, kein doppelter Boden, nicht einmal die übliche Spannung jeder Safeknackgeschichte - schaffen sie es, bevor der Alarm losgeht - drückt diesmal auf den Puls.

"Ocean's 13" ist eine einfach gestrickte Rachegeschichte. Die Einbruchspezialisten um Danny Ocean treffen sich wieder, weil Reuben, der Geldgeber ihres ersten Coups, übel betrogen wurde. Nun laviert er an gebrochenem Ganovenherzen. An seinem Krankenbett tritt die Bande erneut zusammen, dem Betrüger wollen sie es heimzahlen. Also wird ein minder schlauer Plan ausgeheckt, wie dem Casino-Großbesitzer Willy Bank die Freude an seiner neuen Prachtpyramide in Las Vegas zu verderben sei. Am Ende sprudelt am Eröffnungstag viel Geld unter die Casinobesucher, Bank verliert mit Hilfe tausend Mal gesehener Tricks ein paar Diamanten, und die prächtige Hotelkulisse gerät mächtig ins Wanken, weil die Truppe dem Mafioso auch unterirdisch ans Fundament geht. Doch kein Panzer wird geknackt, es wird kaum gegen tickende Uhren gesprintet, Oceans Leute machen sich gemütlich an die Rache, weil sie die Geschichte eigentlich gar nicht mehr interessiert. Soderbergh fühlt sich mit seinen Stars so sicher, dass er sie nur noch in elegante Klamotten steckt, ihnen eine vornehme Umgebung baut und sie machen lässt.

Doch diese Rechnung geht nicht auf. Zwar sind George Clooney und Brad Pitt auf einem Lässigkeitsniveau angelangt, auf dem ein leichtes Heben der Augenbraue zur Kommunikation reicht. Und der Zuschauer kommuniziert mit. Zwar übernimmt Al Pacino mit großmeisterlicher Fieslichkeit die Rolle des betrügerischen Casinobesitzers, schmieriges Lächeln und schlaues Linsen durch eklige Goldbrille inklusive. Doch all dem fehlt der Reiz einer auch nur annähernd intelligenten oder gar unterhaltsamen Story.

Und es fehlt die Frau. Julia Roberts hatte im ersten Teil mit kühler Eleganz George Clooney den schlagfertigen Widerpart gegeben - und einem Männerclubfilm weiblichen Sexappeal. In "Ocean's 13" soll Ellen Barkin diesen Part übernehmen. Doch mimen muss sie die überstrenge Assistentin des schleimigen Casinochefs Bank. Humorlosigkeit gehört also zu ihrem Geschäft. Und so kommt es nicht zu feurigem Schlagabtausch mit Ocean und seinen Mannen, stattdessen zu einer nur noch skurril zu nennenden Affäre zwischen Barkin und Matt Damon, der dafür tief in die Kiste unorigineller Verführungsmittel greifen muss. Er besprüht sich mit einem Aphrodisiakum, das nicht nur Barkins Sinne betört und ihren Geist ausschaltet, sondern die Kamera auch zu verwegenen Spezialeffekten verführt. Sonst verführen diese Szenen niemanden.

Ein unsäglicher Nebenstrang der Geschichte ist da noch gar nicht erwähnt: Ein Teil der Handlung spielt in Mexiko, wo einer von Oceans Jungs eine Sozialrevolte anzettelt, was unfreiwillig zynisch wirkt.

Man kann "Ocean's 13" empfehlen, um die immer noch lässigsten Gangster Hollywoods anzuschauen. Zu mehr taugt der Film nicht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Cannes: Die Stars aus Ocean's 13

(RP)