Serienmörder-Thriller "Zodiac": David Finchers Sehnsucht nach der Bestie

Serienmörder-Thriller "Zodiac" : David Finchers Sehnsucht nach der Bestie

Regisseur David Fincher, bekannt durch "Sieben" und "Fight Club", steigt wieder tief hinab in die Abgründe der menschlichen Seele. Mit seiner Rekonstruktion einer Mordserie im San Francisco der 60er Jahre liefert er abermals ein intelligentes Meisterwerk ab. "Zodiac" startet am Donnerstag.

Ende der sechziger Jahre herrschten Furcht und Schrecken im Großraum von San Francisco. Es war ein brutaler Serienmörder, der in der Hochzeit der Hippie-Ära damals Angst verbreitete und dessen Mordlust mindestens fünf Menschen zum Opfer fielen. Was aber besondere Furcht unter den Bewohnern Kaliforniens erregte, war der Bekenntnisdrang des Killers, der sich in Briefen an lokale Zeitungen äußerte. Diese wahre Geschichte hat nun Regisseur David Fincher zu seinem neuen Film "Zodiac" verarbeitet, der am 31. Mai in die Kinos kommt.

Fincher hat sich mit seinen früheren Produktionen "Sieben", "Fight Club" und "Panic Room" einen besonders guten Ruf in Hollywood erarbeitet, denn seine Filme haben Qualität und kommerziellen Erfolg zugleich. Auch in seiner neuen Arbeit beweist Fincher seine Fähigkeit, das Publikum für das Geschehen auf der Leinwand zu fesseln, auch wenn ihm "Zodiac" mit 157 Minuten zu lang gerät. Aber mehr wird dem erfolgreichen Regisseur das ungewöhnliche Ende des Films zu schaffen machen, das hier natürlich nicht verraten wird.

Es gibt gewiss kein Recht der zahlenden Zuschauer auf ein Happy End, aber ein gewisses Bedürfnis nach Klarheit gibt es eben schon. Der Film bedient dieses Bedürfnis keineswegs so willfährig wie viele andere Produktionen der Traumfabriken. Das ist Fincher und seinem Drehbuchautor James Vanderbilt hoch anzurechnen. Ungewöhnlich und originell ist ihr Ansatz, die vier Männer, die dem Killer auf der Spur sind, als tragische Helden zu zeigen. Es sind Jäger, die es mit einer ebenso raffinierten wie geltungsbedürftigen Bestie zu tun haben. Da ist der Starreporter Paul Avery (Robert Downey jr.) vom San Francisco Chronicle, der seine größte Story wittert, aber genau an dieser zerbricht.

Mordserie gibt noch immer Rätsel auf

Da sind die beiden Polizisten vom Morddezernat, der ehrgeizige, sich in den Fall verbeißende Inspector Dave Toschi und sein ruhiger, eher systematisch arbeitender Partner, Inspector William Armstrong. Toschi, glänzend verkörpert von Mark Ruffalo, und der von Anthomny Edwards gespielte Armstrong werden durch die Jagd nach dem Killer einige Zeit populäre Figuren. Doch ihr Ziel, nämlich die Festnahme des Verbrechers, erreichen sie nicht. Das bringt eine Bruchstelle in ihre beruflichen, aber auch privaten Biografien - auch sie sind, wie der Journalist Avery, letztlich Opfer eines diabolischen Mörders.

Aber da gibt es ja auch noch den vierten Jäger. Es ist Robert Graysmith, ein junger, ziemlich schüchterner Zeitungskarikaturist, den eigentlich niemand so richtig ernst nimmt. Doch Graysmith setzt sich mit großer Hartnäckigkeit daran, die verschlüsselten Botschaften des Killers, der so gerne Katz und Maus mit seinen Verfolgern spielt, zu entschlüsseln. Und dabei kommt er, so suggeriert das jedenfalls der Film, viel näher an die Lösung des Falles als alle anderen.

Hollywoods Aufsteiger Jake Gyllenhaal vermittelt diesem Karikaturisten, der die eigentliche Hauptfigur von "Zodiac" ist, mit seiner dunkel grundierten Ausdrucksfähigkeit die notwendige Intensität. Und er ist es dann auch schließlich, der Auge um Auge dem Mann gegenüber steht, der etliche Menschenleben auf dem Gewissen gehabt haben könnte. Der reale Robert Graysmith hat Bücher über den Fall geschrieben, das Drehbuch beruht darauf. Fincher, selbst aufgewachsen nahe bei San Francisco und als Kind mit der Mordserie konfrontiert, ist ebenso wie Graysmith von einem Kriminalfall fasziniert, der noch immer Rätsel aufgibt.

Es wird sehr die Frage sein, ob das Publikum diese Faszination teilen wird. Denn Finchers kriminalistisches und psychologisches Puzzlespiel erfordert viel Geduld und Aufmerksamkeit. Auch sind einige schreckliche Szenen von den Mordtaten in dem Film, die dramaturgisch zwar notwendig, aber nur schwer erträglich sind. Es ist also ebenso intelligente wie harte Kinokost, die Besucher von "Zodiac" erwartet. Wer dies nicht scheut, wird das Eintrittsgeld durchaus nicht bereuen.

(ap)
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