Youtube an der Schule: Ein Lehrer erklärt, wie sich Videos nutzen lassen

Erklär-Videos im Netz : „Youtube ist wie ein Zweit-Lehrer zu Hause“

Viele Jugendliche nutzen Youtube zum Lernen für die Schule – das belegt eine aktuelle Studie. Ist das gut oder schlecht für den Unterricht? Und können Eltern damit umgehen? Ein Düsseldorfer Lehrer gibt Antworten.

Eine aktuelle Studie besagt, Jugendliche nutzen Youtube auch zum Lernen. Kennen Sie das von Ihren Schülern?

Philipp Wartenberg Youtube hat das Fernsehen komplett abgelöst. Die Jugendlichen gucken Videos nur noch auf dieser Plattform und hören übrigens auch den Großteil der Musik darüber.

Wie finden Sie das?

Wartenberg Ich finde nicht, dass irgendetwas gegen diese Entwicklung spricht. Wir haben in den 1980er Jahren ferngesehen, die Jugendlichen heute gucken eben Youtube. Außerdem hat es einen großen Vorteil: Youtube ist wie ein Zweit-Lehrer zu Hause. Früher mussten die Schüler alles aus dem Unterricht mitnehmen. Wenn sie einen schlechten Tag hatten, Streit in der Familie oder mit Freunden und nicht mitgekommen sind, war das ein Problem. Heute gehen sie nach Hause, suchen sich auf YouTube das entsprechende Erklär-Video und können das auch noch so oft zurückspulen, bis sie alles verstanden haben.

Philipp Wartenberg ist Realschullehrer in Düsseldorf und gibt im gesamten Gebiet der Bezirksregierung Fortbildungen für digitale Medien. Foto: Philipp Wartenberg/Thomas Rensinghoff

Beziehen Sie Youtube auch konkret im Unterricht ein?

Wartenberg Ja, sehr viel sogar. Ich unterrichte Deutsch und Erdkunde in der Mittelstufe. Wenn ich ein Arbeitsblatt mit einem Lückentext an die Schüler gebe, und zum Beispiel indirekte Rede geübt werden soll, füge ich am Ende des Blattes einen QR-Code ein. Den können die Schüler mit dem Handy scannen und sich dann zu Hause ein Youtube-Video zum Thema indirekte Rede ansehen.

Machen andere Kollegen das auch?

Wartenberg Es gibt sehr gute Erklär-Videos zu Mathematik auf Youtube. Die Mathe-Lehrer an der Schule geben deshalb gerne Hausaufgaben, die solche Videos integrieren.

Das hört sich sehr fortschrittlich an.

Wartenberg Fortschrittlich? Ich finde, das ist nur zeitgemäß. Wir müssen mit dem arbeiten, was die Jugendlichen anspricht. Und ich sehe nicht, wieso die Inhalte auf Youtube schlechter sein sollten als andere. Ich kenne viele Lehrer, die eigene YouTube-Kanäle haben. Und es gibt viele Tools, mit denen wir die Videos in Lernmaterial integrieren können. Mit der Plattform „Learning Snacks“ etwa kann man Aufgaben rund um solche Videos erstellen. Das Video hält dann zwischendurch an, und die Schüler müssen beispielsweise Grammatik-Fragen dazu beantworten.

Haben Sie den Eindruck, dass Lehrer und Schulen grundsätzlich offen für solche Lehrmethoden sind?

Wartenberg Ich mache an unserer Schule Fortbildungen für digitale Medien. Und ich merke auch, dass viele Kollegen daraufhin Neugierde entwickeln. Flächendeckend in Düsseldorf oder gar NRW ist das aber nicht. Am Ende sind es eher Einzelinitiativen von Lehrern.

Befürchten Sie nicht, dass die Jugendlichen auf Youtube auch viel Negatives sehen?

Wartenberg Natürlich gucken die Jugendlichen auch Videos mit Inhalten, die man sich nicht wünscht. Das machen sie aber meist auch, weil sie etwas Verbotenes tun wollen. Mein Eindruck ist, dass sie damit aber insgesamt gut zurecht kommen. Ein größeres Problem sind Fake News. Es werden viele vermeintlich nachrichtliche Videos konsumiert, die eben nicht immer alle richtige Inhalte haben. Wenn Schüler dann mit so einem Video im Unterricht argumentieren, sind wir als Lehrer gefragt. Wir müssen uns solche Videos ansehen und mit den Jugendlichen darüber sprechen. Verbote von Smartphones oder Computer bringen jedenfalls nichts.

Jetzt sprechen Sie sicher von den Eltern. Wie sollten die mit dem Youtube-Konsum ihrer Kinder umgehen?

Wartenberg Sie sollten mit ihnen darüber reden und sich ansehen, was die Kinder gucken. Über das Fernsehprogramm von Kindern wollen Eltern ja auch Bescheid wissen. Ich finde, nichts anderes sollte für Youtube gelten.

Mehr von RP ONLINE