Altweiber: Schulen sollen Getränke verbieten

Sorge vor Alkoholexzessen an Schulen : Lehrer fordern Getränkeverbot an Altweiber

Schüler sollen an Karneval keine Getränke mit zur Schule nehmen dürfen, schlägt der Philologenverband vor. Damit soll verhindert werden, dass heimlich Alkohol getrunken wird. In Langenfeld sollen Eltern die Schüler überwachen.

Das Gelände des Konrad-Adenauer-Gymnasiums in Langenfeld wird an den närrischen Tagen mit einem Bauzaun abgeriegelt. Insbesondere an Altweiber soll auswärtigen Jugendlichen der Zutritt verwehrt bleiben. „Wir wollen Alkoholexzesse verhindern“, betont Ulrich Moenen, zuständiger Fachbereichsleiter der Stadt Langenfeld. Bis zu 800 Jugendliche hatten sich in den beiden Vorjahren dort versammelt und den Schulhof in eine regelrechte Partymeile verwandelt. Mehrfach musste der Platz von Polizei und Ordnungsamt geräumt werden.

Besonders in den Karnevalshochburgen blicken viele Lehrer und Eltern mit Sorge auf die bevorstehenden jecken Tage, nachdem es in den Vorjahren immer wieder Fälle mit betrunkenen Jugendlichen in den Schulen gegeben hat. Der Philologenverband fordert daher, dass Schüler an Altweiber keine Getränke von zu Hause mit in die Schule bringen. Stattdessen sollte die Schule den Schülern an diesen Tagen nicht alkoholische Getränke wie Wasser und Apfelsaft zur Verfügung stellen. „Damit könnte man verhindern, dass Alkohol zum Beispiel in Thermoskannen trotz Verbots in die Schule geschmuggelt wird“, sagte Peter Silbernagel, NRW-Vorsitzender des Philologenverbandes, unserer Redaktion. Mit dieser Maßnahme könnte der Alkoholkonsum zumindest eingedämmt werden.

An der Gesamtschule im bergischen Neunkirchen-Seelscheid gibt es an Altweiber am Eingang Alkoholkontrollen. „Wir schauen nach, ob die Schüler irgendwas Verdächtiges in der Richtung dabei haben. Und im Verdachtsfall gucken wir uns das im Gebäude dann näher an und nehmen das gegebenenfalls an uns“, sagt Schulleiter Alfred Himpeler. Diese Kontrollen hätten sich bewährt. „Wir haben jedenfalls kein Problem mit alkoholisierten Schülern“, sagt der Direktor.

In Neunkirchen-Seelscheid werden gegenüber Schülern, die alkoholisiert in der Schule angetroffen werden oder alkoholische Getränke mit in die Schule bringen, Disziplinarmaßnahmen ausgesprochen. Bei nicht volljährigen Schülern werden die Eltern informiert. Daher werden diese aufgefordert, an Weiberfastnacht telefonisch erreichbar zu sein, heißt es bei der Stadt. Darüberhinaus führt das Ordnungsamt während der Karnevalsumzüge verstärkt Kontrollen durch, um dem Alkoholkonsum von Jugendlichen entgegen zu wirken. Auch die Polizei behalte die einschlägigen Orte im Blick und achte darauf, dass Schüler auch nicht auf dem Weg zur Schule Alkohol trinken.

In Langenfeld sollen die Trinkgelage mit einem in der Form wohl landesweit bislang beispiellosen Gesamtkonzept namens „Zero Suff! – Zero Zoff!“ verhindert werden, das Schule, Stadt und Sicherheitsbehörden ausgearbeitet haben. So wird es in diesem Jahr erstmals sogenannte „Hingucker“ in Langenfeld geben. Das seien Eltern, die sich an den Karnevalstagen die Feiern der Jugendlichen anschauen, aber nicht eingreifen, erklärt Moenen. „Sie sollen auch nicht deeskalierende Maßnahmen selbst treffen, sondern nur die Jugendlichen beobachten, und wenn ihnen etwas auffällt, die zuständigen Stellen informieren“, sagt Moenen. Dafür habe man bisher vier Eltern gewinnen können. Abgeschaut habe man sich die Idee in Skandinavien, wo das Projekt „Nacht-Raben“ heißt und als Erfolg gefeiert wird. Darüber hinaus hat es im Vorfeld Workshops an den Schulen in Langenfeld gegeben, in denen die Folgen von Alkoholmissbrauch thematisiert worden sind und bei denen auch trockene Alkoholiker von ihrer Krankheit berichtet haben. „Diese Workshops werden fortgesetzt. Wir setzen auf Nachhaltigkeit“, sagt der Fachbereichsleiter. Zudem würden angetrunkene Jugendliche erstmals in die Obhut des Jugendamtes übergeben, sollten die Eltern nicht erreicht werden können.

Das NRW-Schulministerium weist darauf hin, dass sich die Schulleitung im Vorfeld besonderer Veranstaltungen wie Altweiber über geeignete Präventionsmaßnahmen mit dem schulischen Team für Krisenintervention auszutauschen habe. „Wichtig ist, dass klare Vorgaben gemacht werden“, sagte ein Ministeriumssprecher.

Eine offenbar entscheidende Rolle spielt auch die Uhrzeit, wann die Schüler an Altweiber das Schulgelände verlassen dürfen. „Die Bezirksregierung hat uns angewiesen, die Schüler erst ab 12.30 Uhr zu entlassen, damit sie nicht schon früh morgens auf der Straße sind und unkontrolliert Alkohol trinken können“, sagt Schulleiter Alfred Himpeler.

Auch in Langenfeld setzt man an Altweiber auf späteren Schulschluss. „Als vorbeugende Maßnahme wird der Unterricht bis 13 Uhr ausgedehnt“, kündigt Moenen an. Der Philologenverband sagt, dass es auch Schulen gebe, die wegen befürchteter Alkoholexzesse an Altweiber zu bleiben würden.

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