Thyssenkrupp-Betriebsrat: Stahl-Fusionspläne falsche Entscheidung

Mahnwache in Duisburg : Thyssenkrupp-Mitarbeiter wollen "um jede Stelle kämpfen"

Protest gegen Fusion – Mahnwache bei Thyssenkrupp in Duisburg

Der Betriebsratschef der Thyssenkrupp-Stahlsparte verurteilt die Fusionspläne mit Tata als "falsche Entscheidung" des Konzerns. Einige Mitarbeiter reagieren prompt: Am Standort Duisburg legen sie ihre Arbeit nieder.

Rund 50 Arbeiter des Warmbandwerkes haben gegen 10.45 Uhr das Tor 1 passiert und sich der Mahnwache der IG Metall angeschlossen. Die steht direkt gegenüber der Hauptverwaltung des Konzerns. Im Werk ist nur eine Notbesetzung von 20 Arbeitern verblieben. Markus Stochert (Stahlkocher im Warmbandwerk) sagte unserer Redaktion: "Nach der Nachricht heute morgen waren wir nicht bereit, weiter zu warten. Wir müssen den Arbeitskampf sofort aufnehmen und um jede Stelle kämpfen."

Auch die Frühschicht des Kaltwalzwerks 2 hat für 1,5 Stunden die Arbeit niedergelegt. Die Mittagsschicht will es ihr nachtun.

Bereits am Morgen hatte der Betriebsratschef der Stahlsparte Günter Back der Deutschen Presse-Agentur gesagt: "Der Vorstand hat gegen alle Warnungen alles auf eine Karte gesetzt. Das bedeutet nicht, dass wir das gutheißen." Der Betriebsrat habe jetzt jedoch die Aufgabe, diese aus seiner Sicht falsche Entscheidung mitzugestalten. Ziel müsse es dabei sein, "das Schlimmste" zu vermeiden.

Back zeigte sich überzeugt, dass es bei einer Fusion nicht bei dem angekündigten Abbau von rund 2000 Stellen bei Thyssenkrupp in Deutschland bleiben werde. Am Ende würden einem Zusammenschluss "wesentlich mehr" Arbeitsplätze zum Opfer fallen, meinte er.

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger hatte dagegen eine "nachhaltige Zukunftsperspektive" durch die Fusion in Aussicht gestellt. Durch den Zusammenschluss würden beide Unternehmen von erheblichen Synergien profitieren, hieß es. Nach mehr als einjährigen Verhandlungen hatte sich Thyssenkrupp mit seinem indischen Konkurrenten Tata zunächst grundsätzlich auf die Fusion der europäischen Stahlsparte geeinigt.
Bei beiden Konzernen sollen je 2000 Stellen wegfallen.

Reaktionen aus der Politik

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles hat sich in die geplante Fusion eingeschaltet. "Einen Zusammenschluss um jeden Preis darf es nicht geben", erklärte die SPD-Politikerin am Mittwoch in Berlin. Die Standorte in Deutschland müssten erhalten und betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden. Nahles bezeichnete es zudem als wichtig, dass im Falle eines Zusammengehens der Unternehmenssitz in Deutschland liege. Nur so lasse sich die Mitbestimmung langfristig sichern.

Auch Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries hat Warnungen an den Thyssenkrupp gerichtet. Das Vorhaben sei "von großer Tragweite für die Region, die Beschäftigten und den Stahlstandort Deutschland", sagte Zypries am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Ein solcher Schritt brauche die Akzeptanz der Beschäftigten, die aber noch nicht überzeugt seien. "Gegen die Arbeitnehmer ist keine tragfähige Lösung denkbar", unterstrich sie. Zudem gelte mit Blick auf den deutschen Stahlkonzern: "Die Montan-Mitbestimmung ist ein hohes Gut und muss erhalten bleiben."

IG Metall fordert Schutz der Arbeitnehmer

Die IG Metall hat Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger bei seinen Fusionsplänen zum Schutz der Beschäftigten aufgerufen. Der Vorstand habe eine Absichtserklärung mit Tata unterzeichnet. Das könne er auch ohne Zustimmung des Aufsichtsrates tun, sagte der IG Metall-Vertreter im Kontrollgremium von Thyssenkrupp Steel Europe, Detlef Wetzel, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. "Herrn Hiesinger muss aber klar sein, dass er am Ende für die Umsetzung einer Fusion die Zustimmung des Aufsichtsrates braucht."

An der Haltung der Arbeitnehmervertreter habe sich nichts geändert, sagte der frühere Chef der IG Metall. Es müssten jetzt alle Fakten auf den Tisch kommen. "Wir wollen Sicherheit mit Blick auf die Risiken. Wir fordern Garantien für die Beschäftigten. Wenn das nicht passiert, dann wird das nichts."

(felt)
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