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Lufthansa: 150 000 Passagiere vom Streik betroffen

Lufthansa : 150.000 Passagiere vom Streik betroffen

Mit einem 36-stündigen Arbeitskampf macht die Vereinigung Cockpit Druck auf das Management.150.000 Passagiere vom Streik betroffen.

Erst vor wenigen Tagen hatte sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr zufrieden mit dem Stand der Tarifverhandlungen mit der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) gezeigt. Vor gut einer Woche sagte der Vorstandschef von Europas größter Fluggesellschaft in einem Interview: "Ich glaube, dass wir auch mit der Gewerkschaft in den seit Oktober wiederaufgenommenen Gesprächen zu einem gemeinsamen Verständnis kommen können."

Dass dem nicht so ist, mussten gestern rund 150.000 Passagiere von Deutschlands größter Fluggesellschaft am eigenen Leib erfahren. Die VC begann ab Mittag zunächst mit einem Ausstand auf der Kurz- und Mittelstrecke. Heute soll der Arbeitskampf auch auf Langstreckenverbindungen und den Frachtbereich ausgeweitet werden. Die Lufthansa-Tochter Germanwings sowie die Konzerngesellschaften Swiss, AUA und Brussels Airlines sind nicht betroffen.

Das Management strich vorsorglich 1350 Flüge. In Düsseldorf und Köln/Bonn fielen 25 Flüge aus. Heute werden voraussichtlich 52 Starts und Landungen annulliert, erklärten Sprecher beider Flughäfen. Die Lufthansa kritisierte den Streik als unverhältnismäßig. Die Gewerkschaft warf dem Konzern hingegen Blockadehaltung in den Gesprächen vor. Es ist der neunte Arbeitskampf im laufenden Tarifkonflikt.

Vordergründig geht es in diesem um drohende Einbußen bei der Übergangsrente für 5400 Piloten und Co-Piloten der Lufthansa, Lufthansa-Cargo und Germanwings. Die Lufthansa hat die bisherigen Regeln zum Jahresende 2013 gekündigt. Sie will erreichen, dass die Piloten frühestens mit 60 (bislang 55) Jahren in den bezahlten Vorruhestand gehen können.

Zudem soll das durchschnittlich zu erreichende Austrittsalter von 58 auf 61 Jahre angehoben werden. Tatsächlich dürfte es den Piloten aber vielmehr um die strategische Ausrichtung des Konzerns gehen: In dieser Woche will Lufthansa-Chef Spohr sein umstrittenes Billigkonzept vom Aufsichtsrat genehmigen lassen.

Der Konzern kann nach Spohrs Meinung nur noch bei den bislang schon weltweit erfolgreichen Servicetöchtern für Catering und Technik sowie im Billigsegment wachsen. Im Kampf gegen Billiganbieter wie Ryanair und Co. sollen die bereits vorhandenen Töchter Germanwings und Eurowings erweitert und um eine für die Langstrecke zuständige Schwester ergänzt werden.

Diese "Wings-Familie" würde knapp ein Viertel der Konzernflotte ausmachen und soll über eine Holding gesteuert werden, die nicht zwingend in Deutschland sitzen müsste. In den Wings-Gesellschaften mit ihren rund 150 Jets sollen nach britischem Vorbild deutlich schlechtere Tarifbedingungen herrschen als bei der Lufthansa-Mutter.

(maxi)