E.on: Ende eines Großkonzerns

Eon: Das Ende eines Großkonzerns

Mit der Zerlegung in zwei Konzerne kappt Eon seine historischen Wurzeln. Das hat Folgen für Arbeitnehmer, Aktionäre und Steuerzahler. RWE will den Weg des Branchenprimus aber nicht gehen. Wir geben einen Überblick.

Eon war einst die Perle der deutschen Wirtschaft, wertvollster Konzern im Dax, als Arbeitgeber so sicher wie der Staat, die Aktie ein Papier für Witwen und Waisen. Frühere Eon-Chefs wie Ulrich Hartmann und Wulf Bernotat gingen weltweit shoppen, kauften Ruhrgas, Windparks, russische Gasfelder. Dann kam die Energiewende und stellte die Branche auf den Kopf. Drei Jahren lang sah Eon-Chef Johannes Teyssen hilflos zu, wie sein Geschäftsmodell zerbrach, die Gewinne erodierten, der Abbau von 11.000 Stellen das Grundproblem nicht löste. Nun zieht der 55-jährige Jurist mit Aufsichtsrats-Chef Wenning die Reißleine und spaltet Eon.

Foto: dpa, tha vbm wst

Wie funktioniert die Aufspaltung? Die Eon SE soll sich nur noch um Ökostrom und stabile Geschäfte kümmern. Die neue Gesellschaft bekommt alle schwierigen Geschäfte wie die Erzeugung aus Kohle-, Gas- und Atomkraft sowie das Russland- und Brasilien-Geschäft. 2016 will Eon 51 bis 70 Prozent der Anteile an der neuen Gesellschaft seinen Aktionären ins Depot legen. Sie können die Aktien halten oder verkaufen. Geld bringt Eon erst der zweite Schritt: Die verbleibenden 49 bis 30 Prozent will Eon "über einen mittleren Zeitraum" an der Börse platzieren, das heißt: an Investoren verkaufen. Dann erst fließt Geld, das die Eon SE in grüne Geschäfte investieren will.

Wer sind die neuen Chefs? "Erst kommen die Inhalte, dann die Personen", sagte Teyssen gestern. Im Konzern wird erwartet, dass Teyssen Chef der Eon SE bleiben will. Als möglicher Nachfolger gilt bereits Finanzvorstand Klaus Schäfer. Ihrem jungen Kollegen Mike Winkel traut man die Übernahme des Himmelfahrtskommandos mit der neuen Gesellschaft zu. Winkel ist Personalvorstand und bereits für das Kraftwerks-Geschäft verantwortlich.

Die Folgen für die Mitarbeiter? Für die meisten der 60.000 Eon-Mitarbeiter ergibt sich aus ihrer Aufgabe, für welche der beiden Gesellschaften sie künftig arbeiten. Die Kraftwerker für die neue Gesellschaft, die Netz- und Vertriebs-Experten für die Eon SE. Verwaltungs- und Service-Mitarbeiter werden aufgeteilt. Wo sie arbeiten, hängt auch davon ab, wo die Zentrale der neuen Gesellschaft sein wird. Für alle gilt bis 2018 Kündigungsschutz.

Wie werden die Lasten verteilt? Die Finanzverbindlichkeiten des Konzerns übernimmt komplett die Eon SE, um der neuen Gesellschaft einen attraktiven Start zu ermöglichen. Die Pensions-Rückstellungen werden im Verhältnis zwei zu eins aufgeteilt. Die neue Gesellschaft bekommt nicht nur die Atomkraftwerke mit, sondern auch die 14 Milliarden Euro Rückstellungen, die Eon dafür gebildet hat.

  • Kommentar : Eon zeigt Tatkraft — und ist kein Vorbild für die Branche

Die Folgen für die Aktionäre? Finanzchef Schäfer sagt: "Es entstehen zwei attraktive Aktienwerte, die für jeweils unterschiedliche Investorengruppen interessant sind." Die Eon SE also für die risikoscheuen Anleger und die neue Gesellschaft für die Zocker, auch wenn Teyssen das nicht hören wollte. Um die Aktionäre zu beruhigen, verspricht Eon schon jetzt für 2014 und 2015 eine Dividende von 50 Cent. 2013 waren es 60 Cent.

Ist Eon ein Vorbild für die Branche? NRW-Umweltminister Johannes Remmel meint ja. "Der Eon-Konzern vollzieht endlich die Energiewende und kann damit zu Vorbild für andere Unternehmen der Branche werden", sagt er. Das sieht RWE anders. "Wir wollen unseren Konzern weiter entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufstellen", so die RWE-Sprecherin. Das heißt: Man will weiterhin Strom, den man verkauft, auch selbst produzieren und zwar auch in Kohle- und Gaskraftwerken.

Folgen für den Atom-Streit? Eon und andere würden ihre Atomkraftwerke am liebsten in eine nationale Stiftung ausgliedern und den Rückbau dem Staat überlassen. Durch die Aufspaltung ist zumindest die Eon SE das Problem nun los. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) warnte die Branche: "Auch im Falle einer Unternehmensaufspaltung bleibt die Industrie selbstverständlich verantwortlich, die Kosten für die Stilllegung und den Rückbau der Atomkraftwerke sowie für die Entsorgung des Atommülls zu tragen", sagte sie unserer Zeitung. "Eine Verstaatlichung von Risiken nach jahrzehntelangen Gewinnen aus den Atomkraftwerken kommt nicht in Frage."

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(RP)
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