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Eon zeigt Tatkraft — und ist kein Vorbild für die Branche

Kommentar : Eon zeigt Tatkraft — und ist kein Vorbild für die Branche

In der Energiebranche brennt es lichterloh. Energiewende und Überförderung des Ökostroms haben die Geschäftsmodelle der Traditionskonzerne zerstört, Milliarden-Werte und Zehntausende Arbeitsplätze vernichtet. Nun hat Branchenprimus Eon als erster reagiert und versucht, das Feuer im Haus eigenhändig zu löschen.

Das zeigt Tatkraft, während andere nur nach dem staatlichen Feuerwehrmann rufen. Doch ob Eon mit seinem Plan ein Vorbild für die Branche ist, muss bezweifelt werden.

Foto: dpa, tha vbm wst

Eon zerlegt sich in ein modernes, grünes Unternehmen, zu dem auch das stabile Netzgeschäft gehört, und eine neue Gesellschaft, die alle schwierigen Geschäfte des Konzerns — von Atomkraft bis Russland - aufnimmt. Die Börse findet das prima, weil die alte Eon so elegant alle Risiken los wird. Eine andere Frage ist jedoch, ob die neue Gesellschaft auf Dauer stark genug ist, um erst die Atom- und dann die Kohlekraft für Milliarden abzuwickeln — oder ob man in der Düsseldorfer Zentrale am Ende nicht doch auf den Steuerzahler setzt. Kohlestiftung, Atomstiftung, diese Ideen werden schließlich schon debattiert.

Aber auch für die moderne grüne Eon ist der Weg nicht ohne Risiko. Das riskante Atomgeschäft hat den Konzern bislang davor bewahrt, von ausländischen Investoren übernommen zu werden. Nun ist diese Giftpille weg. Die Gefahr, eines Tages geschluckt und als großer deutscher Konzern ganz zu verschwinden, ist deutlich gestiegen.

Für einen Konzern wie RWE ist der Weg, den Eon geht, ohnehin versperrt. Die kommunalen Aktionäre, die 25 Prozent an RWE halten, würden es niemals zulassen, dass der Konzern sich so aus der Fläche zurückzieht. Zudem hat RWE gar kein so starkes grünes Geschäft wie Eon, auf das man aufbauen könnte.

Immerhin geht Eon mit seinen Mitarbeitern anständig um. Kündigungen sind für erste ausgeschlossen, alle Rechte und Altersversorgungsansprüche bleiben gewahrt. Mit dem Abbau von 11.000 Stellen, der bereits in den vergangenen Jahren erfolgte, haben die Mitarbeiter auch bereits einen ausreichend hohen Beitrag geleistet. Nun wünscht man ihnen, dass es ihren Konzern noch lange geben wird.

(anh)