Berlin Deutsche Bahn verklagt Lufthansa wegen Kartell

Berlin · Aufgeflogen ist das Luftfracht-Kartell schon 2006. Aber bislang kam die Lufthansa glimpflich davon, denn als Kronzeugin musste sie keine Strafen zahlen. Aber jetzt hat sich die Deutsche Bahn als Opfer des damaligen Kartells entschieden, unabhängig von den Behörden auf Schadenersatz zu klagen - und da hilft der Lufthansa ihr Kronzeugenstatus nicht viel: Allein beim Landgericht Köln pocht der Staatskonzern auf knapp 1,8 Milliarden Euro von zehn Fluggesellschaften.

Nach Angaben von Christopher Rother, Leiter der Bahn-Kartellrechtsabteilung, ist die Lufthansa für zehn bis 20 Prozent des entstandenen Schadens verantwortlich. Neben der Lufthansa sind von der Klage in Köln auch Air Canada, British Airways, Cargoluxy, Cathay Pacific, Japan Airlines LAN, Qantas, SAS und Singapore Airlines betroffen. Parallel hat die Bahn eine Schadenersatzklage in den USA gegen weitere Airlines eingereicht. Das teilte der Bahnkonzern gestern mit. Die Fluggesellschaften, die dafür bereits in vielen Ländern Wettbewerbsstrafen kassierten, haben die Höhe von Kerosin- und Sicherheitszuschlägen abgesprochen. Weltweit kam es zu Geldbußen von 1,5 Milliarden Euro, in den USA sogar zu Freiheitsstrafen.

Die Bahn hat ihre neue Sondereinheit zur Verfolgung von Schadensersatzansprüchen bei aufgeflogenen Kartellen erst Anfang des Jahres gegründet. Das sechsköpfige Team wird von Rother und Tilman Makatsch geleitet. Für Aufsehen sorgte seither eine millionenschwere Schadenersatzklage gegen den Kaffeeröster Tchibo sowie die Ankündigung von Forderungen gegen das deutsche Bierkartell.

(RP)