Deutsche Bank wird 100 Jahre alt - umstritten, aber erfolgreich

Deutschlands größtes Geldhaus wird 100 Jahre alt : Deutsche Bank - umstritten, aber erfolgreich

Deutschlands größtes Geldhaus feiert für sein Geschäft an Rhein und Ruhr in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Oft haben Manager der Bank mit ihren Aussagen öffentliche Diskussionen ausgelöst. Das Unternehmen ist die mit Abstand größte deutsche Bank, hat sich aber in Zeiten der Finanzkrise Grenzen auferlegt.

Kein deutsches Unternehmen ist in den vergangenen Jahrzehnten so sehr durch einzelne Aussagen und Gesten seiner Chefs in die Schlagzeilen geraten wie die Deutsche Bank. Hilmar Koppers "Peanuts"-Spruch, bezogen auf Handwerker-Forderungen nach der Pleite des Bauunternehmers Jürgen Schneider in den 90er-Jahren, das unglückliche Interview von Rolf Breuer zum Thema Kirch, das die Bank bis heute verfolgt, Josef Ackermanns 25-Prozent-Rendite-Forderung und seine zum V gespreizten Finger im Mannesmann-Prozess, Jürgen Fitschens Versprechen eines Kulturwandels bei der größten deutschen Bank nach der Ackermann-Ära - all dies hat das Spitzenpersonal der deutschen Nummer eins stets ins Rampenlicht gerückt.

Und es hat dazu geführt, dass die Köpfe des Geldhauses der breiten Bevölkerung fast noch bedeutsamer erschienen als das operative Geschäft der Bank - wenn sie nicht selbst Kunden derselben waren. Das Urteil wird dem Unternehmen natürlich nicht gerecht. So wenig wie Vergleiche, die den Branchenführer auf der Beliebtheitsskala auf eine Stufe stellen mit seinem Fußball-Pendant Bayern München - unter anderem der scheinbaren Arroganz seiner Protagonisten wegen.

Die Deutsche Bank ist aber mehr. Das Unternehmen, das in diesem Jahr den 100. Geburtstag seines Geschäfts an Rhein und Ruhr begeht und dies am Mittwochabend mit einem Festakt in Wuppertal feierte, ist Deutschlands einziges Geldhaus, das sich seine globale Verankerung selbst geschaffen hat (selbst wenn Häuser wie die Düsseldorfer HSBC Trinkaus dank ihrer britischen Mutter womöglich noch globaler agieren können).

Sie steht in der Nachfolge der legendären Manager Hermann Josef Abs und Alfred Herrhausen für eine Bank, die stets als wichtiger Ratgeber der aktuellen Bundesregierung in Finanzfragen gilt. Und sie ist das Unternehmen, das in der Lage ist, seinen Aktionären Mehrwert in Form von Milliardengewinnen zu schaffen, weil sie Geschäftsfelder beackert, die solche Erträge möglich machen.

Genau da scheiden sich indes die Geister. Denn die Frage, ob die Deutsche Bank ein Geschäftsjahr als erfolgreich oder nicht bewertet, hängt immer noch in weiten Fällen davon ab, wie ertragreich das Geschäft im Eigenhandel ist, wie viel die Bank an Provisionen kassiert, was die Investmentbanker beisteuern. Geht alles gut, werden sie gefeiert und teils besser bezahlt als die Vorstände. Geht alles schief, werden sie gegeißelt - und die Deutsche Bank gleich mit, weil sie jenen Kritikern Zündstoff liefert, die ihr Geschäftsmodell stets als zu riskant bezeichnen.

Aber: Mit Spareinlagen und Firmenkrediten allein kann man nicht in der Weltliga der Banken mitspielen. Genau dies war aber das Ziel vergangener Jahrzehnte, und davon wird die Deutsche Bank auch nicht abrücken. Dies ist auch kein Widerspruch zum bereits erwähnten Kulturwandel, den Fitschen und sein Co-Chef Anshu Jain vor zweieinviertel Jahren versprachen, als sie gemeinsam die Nachfolge von Josef Ackermann antraten. Fitschen sprach seinerseits von zehn bis zwölf Prozent Rendite statt von 25, die Ackermann forderte. Aber Fitschen sprach von der Rendite nach und Ackermann von der Rendite vor Steuern. Unter dem Strich waren sich der ehemalige und der jetzige Vorstandschef näher als man zunächst vermuten durfte.

Weitaus schwieriger mit dem angestrebten Wandel vereinbar sind die vielen Prozesse und Skandale, von denen das Unternehmen seit Jahren erschüttert wird. Der Kirch-Prozess, angebliche Manipulationen von Zinssätzen, am Devisenmarkt und bei Steuererklärungen, Ärger mit den US-Behörden - all dies hat dem Image der Bank zusätzlich geschadet. Erst wenn die Bank diese Verfahren hinter sich gebracht hat, wird der Kulturwandel für viele vermutlich begreifbar. Bis dahin kann die Deutsche Bank weiterhin Milliarden verdienen. Sie bleibt erfolgreich, aber umstritten.

(RP)
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