Nachhaltige Geldanlagen: So können Verbraucher mit ihrem Vermögen die Welt besser machen

Fragen und Antworten zu nachhaltigen Geldanlagen : So können Verbraucher mit ihrem Vermögen die Welt besser machen

Der Trend zu mehr Umweltbewustsein in der Bevölkerung ist nicht nur deutlich in den letzten Wahlergebnissen abzulesen. Immer öfter interessieren sich auch Anleger, wie sie ihr Geld nachhaltig und ressourcenschonend anlegen können.

Immer häufiger interessieren sich Verbraucher nicht nur dafür, dass ihr Vermögen wächst - sondern auch dafür, was es bewirkt. Der Markt für Geldanlagen, die die Welt ein Stück besser machen sollen, entwickelt sich rasant: 2018 wurden in Deutschland laut dem Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) 219 Milliarden Euro nachhaltig angelegt. 2014 waren es noch 127 Milliarden. Die EU will das mittels Vorgaben weiter ankurbeln. Fragen und Antworten zum Thema:

Was ist nachhaltig?

Das ist noch nicht eindeutig definiert und hängt vom Verständnis des Einzelnen ab. Lehnt der eine Anleger die Finanzierung von Rüstungskonzernen kategorisch ab, findet der andere die Produktion von Waffen für Polizei und Soldaten akzeptabel.

Allerdings arbeitet die EU an einer einheitlichen Definition. Nach dem Willen des EU-Parlaments sollen Investitionen in Kohle, Atomkraft und Gasinfrastruktur nicht als "nachhaltig" bezeichnet werden dürfen. Außerdem müssen Anbieter nachhaltiger Finanzprodukte die Menschenrechtsstandards der Vereinten Nationen bei ihren Investitionen sicherstellen. Anbieter nicht-nachhaltiger Finanzprodukte sollen nach dem Willen des Parlaments sogar warnen, dass ihr Produkt keine nachhaltigen Kriterien erfüllt.

Warum ist eine einheitliche Definition nötig?

Der wachsende Markt lockt schwarze Schafe an, die sich grüner geben als sie sind. Sie untergraben das Vertrauen in nachhaltige Geldanlagen insgesamt. Außerdem haben verschiedene Länder bereits eigene Definitionen und Labels für Nachhaltigkeit definiert. Sie machen es den Anbietern der Geldanlagen aber schwer, ihre Produkte über Ländergrenzen hinweg anzubieten. Große Investoren und Verbraucher wiederum können die Produkte nur schwer vergleichen.

Wie erkenne ich nachhaltige Anlagen?

Viele Nachhaltigkeitsbanken und nichtstaatliche Organisationen haben eigene Kriterien. Die Stiftung Warentest beispielsweise schließt Hersteller geächteter Waffen, Betreiber von Atomkraftwerken sowie Firmen, die Arbeits- und Menschenrechtsverstöße dulden, von dem Begriff aus. Verbraucher können sich auch am strengen FNG-Siegel des Forums Nachhaltige Geldanlagen orientieren. Bis die EU eigene Siegel vorschreibt, wird es noch einige Zeit dauern.

Welche Möglichkeiten gibt es, Erspartes nachhaltig anzulegen?

Die einfachste Möglichkeit ist, zu einer Nachhaltigkeitsbank zu wechseln. In Deutschland gibt es inzwischen einige solche Institute, etwa die Triodos Bank, die GLS Bank oder die Ethikbank. Diese Geldhäuser versprechen, das Geld der Kunden nur in Unternehmen zu stecken, die nachhaltig agieren. Sie haben eigene Kriterien definiert, die bestimmte Geschäftsfelder für Investitionen ausschließen. Dazu zählen etwa: Waffen, Atom- und Kohlekraft, Kinderarbeit und Tierversuche. Die Institute bieten gängige Leistungen wie Giro- oder Festgeldkonten und Fondssparpläne an.

Auch andere Banken, Sparkassen und Volksbanken bieten nachhaltige Produkte an, etwa grüne Aktien- oder Anleihefonds. Zudem gibt es Genossenschaften wie Oikocredit, die mit dem Geld ihrer Mitglieder gezielt Kredite an nachhaltige Unternehmen vergeben. Schließlich können Anleger mittels Crowdfunding ihr Geld auch selbst Unternehmen geben, an deren Nachhaltigkeit sie glauben. Das ist allerdings die riskanteste Methode.

Bringen nachhaltige Investments weniger Rendite?

Dass nachhaltige Fonds aus ethischer Sicht besser, aus finanzieller Sicht aber teurer seien, können aktuelle Untersuchungen nicht bestätigen. Wie die Stiftung Warentest Ende letzten Jahres berichtete, schnitt ein von ihr erstelltes nachhaltiges Portfolio in den vergangenen drei Jahren sogar besser ab als das konventionelle. Experten zufolge sind nachhaltige Investments etwas weniger riskant als konventionelle, da Unternehmen, die auf Nachhaltigkeit achten, oft auch weniger riskant handeln.

(felt/AFP)