Eiskunstlauf: Russland streitet über Absage Pluschenko

Eiskunstlauf : Russland streitet über Absage Pluschenko

Erst musste Russlands Eiskunstlauf-Held Jewgeni Pluschenko wegen einer akuten Rückenverletzung in Sotschi seine Karriere beenden. Nun entladen sich die Wut, Häme und der Frust seiner Fans über den Star.

"Pluschenko ist ein Synonym für Enttäuschung" und "Pluschenko ist wie Putin, der nicht abtreten will" — solche Wortmeldungen russischer Eissport-Anhänger finden sich am Tag nach dem unerwarteten Rückzug des Champions im Internet. Der 31-jährige Eiskunstläufer hatte beim Warmlaufen wegen einer akuten Rückenverletzung seinen Start im Kurzprogramm zurückgezogen. Nach einem dreifachen Axel war er mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Eis gehumpelt.

Erst im vergangenen Jahr hatte Pluschenko bei einer komplizierten Rückenoperation in Israel eine künstliche Bandscheibe erhalten — es war bereits der 13. operative Eingriff in seiner Karriere. Obwohl viele an seinem Comeback zweifelten, wurde Pluschenko nominiert. Am Sonntag holte er mit seiner 15-jährigen Partnerin Julia Lipnizkaja im Team-Wettbewerb Russlands erste Goldmedaille. Die Fans jubelten.

Doch nun ist Pluschenko bei vielen Russen in Ungnade gefallen. Viele glauben, der häufig verletzte Eissport-Star habe von Anfang an gewusst, dass er mehrere Wettbewerbe niemals durchhält. Durch seinen Rückzug habe er dem Nachwuchsläufer Maksim Kowtun die Chancen vermasselt. Der 18-Jährige war bei den russischen Meisterschaften vor Pluschenko auf dem ersten Platz gelandet, trotzdem wurde der Olympia-Veteran vorgezogen.

"Nach Sotschi wird sich der russische Eissportverband für diese Auswahl rechtfertigen müssen", tobte der Nationalist Wladimir Schirinowski. Und an Pluschenko gewandt: "Bei den Olympischen Spielen denkt man nicht an Karriere-Ende. Jewgeni, entweder du siegst, oder du trittst gar nicht an." Pluschenko gilt als Liebling von Präsident Wladimir Putin. Die Russen hatten zwar Respekt vor seiner Leistung. Richtig beliebt war der Eiskunstläufer aber nie. Man warf ihm Nähe zur Macht und Starallüren vor. Dass sein Agent jetzt bekannt gab, Pluschenko werde wie geplant im Frühjahr seine große Russland- und Europa-Tour starten, machte den Rückzug bei den Olympischen Spielen nicht glaubwürdiger.

(RP)
Mehr von RP ONLINE