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Fortuna Düsseldorf: 26. März 2003 - Tiefpunkt der Vereinsgeschichte

Kalenderblatt 26. März : Als Fortuna ihren sportlichen Tiefpunkt erlebte

Vor exakt 17 Jahren erleben Fortunas Fans einen tristen Mittwochabend. Ihr einst so ruhmreicher Klub kickt in der viertklassigen Regionalliga unter Schummerlicht beim Dorfklub Borussia Freialdenhoven und kommt über ein 0:0 nicht hinaus. Teil sechs unserer Kalenderblatt-Reihe.

Der 26. März 2003 ist kein schöner Tag für die Weltgeschichte. Positive Nachrichten sucht man im Rückblick vergeblich, negative gibt es reichlich: Im irakischen Nadschaf tobt eine verlustreiche Schlacht zwischen Truppen der USA und des Irak, im südkoreanischen Chunan brennt der Schlafsaal eines Fußball-Trainingscamps ab, im sogenannten Limburger Sadisten-Prozess wird das Urteil über ein Mörder-Ehepaar gefällt. Und irgendwie passt es zu diesem Tag, dass Fortuna wahrscheinlich den sportlichen Tiefpunkt ihrer Vereinskarriere erlebt.

Schon die Anfahrt der Mannschaft und ihres Trainers Slavko Petrovic hat es in sich. Auf dem Weg zum Sportplatz des Städtchens Aldenhoven, von Düsseldorf aus grob auf dem Weg nach Aachen gelegen, gibt es eine Haarnadelkurve. Kein Problem für Pkw, wohl aber für große Busse – und so bleibt das Fortuna-Gefährt in dieser Kurve stecken, Weiterfahrt unmöglich. So müssen Petrovic und seine Regionalliga-Kicker aussteigen, ihre Sporttaschen über die Schulter werfen und die restlichen Meter zum Platz per pedes absolvieren.

Diese Szene ist das Sinnbild für das, was an diesem Abend vor genau 17 Jahren noch folgen soll. Die Hoffnungen auf den Wiederaufstieg in die Drittklassigkeit haben sich ohnehin schon lange erledigt, für Fortuna, sechs Jahre zuvor noch stolzer Bundesligist, ist ein weiteres Jahr in der viertklassigen Regionalliga bereits zementiert. Zudem plagen den Klub große finanzielle Sorgen, die weitere Zukunft ist ungewiss wie nie. Und jetzt auch noch dieses unselige Mittwochspiel bei Borussia Freialdenhoven. Ein sympathischer kleiner Verein, sicherlich, aber seinerzeit für das Fortuna-Umfeld das Synonym für tiefste Provinz.

Das Geschehen auf und rund um den Platz passt zur Szene in der Haarnadelkurve. Aldenhoven hatte mit einem großen Ansturm der bekannt fußballverrückten Fortuna-Fans gerechnet, doch nur rund 900 haben sich an diesem Abend aufgemacht. Sie können ihre Spieler im schummrigen Flutlicht, das diesen Namen nicht verdient, kaum erkennen – dabei sind welche dabei, die noch heute einen sehr guten Ruf im Verein genießen: Torjäger Frank Mayer etwa, damals der große Publikumsliebling, Axel Bellinghausen, heute Assistenztrainer Uwe Röslers, oder das aktuelle Aufsichtsratsmitglied Dirk Böcker.

Da es keine Sitzplätze und erst recht keine Pulte gibt, schreiben die Düsseldorfer Medienvertreter ihre Texte zum Spiel mit dem Laptop auf den Knien – sofern sie einen Klappstuhl mitgebracht haben – oder auf dem Staket: mit der linken Hand den Computer festhaltend, mit der rechten tippend. Was sie inhaltlich zu schreiben haben, passt dazu. Fortuna kommt in einem ganz schwachen Spiel über ein 0:0 nicht hinaus, das den tristen Abend abrundet. Kurz vor der Pause vergibt Christoph Chylla dabei einen Foulelfmeter; bereits die sechste „Fahrkarte“ vom Punkt in dieser Saison für die Düsseldorfer. Rund 13 Monate später schafft der Verein tatsächlich die Rückkehr in die Drittklassigkeit – aber daran können die 900 Fortuna-Anhänger auf ihrer traurigen Rückfahrt in die Landeshauptstadt wirklich nicht glauben.

Fortuna am 26. März 2003: Marc Petrick – Marc Sesterhenn, Christoph Chylla, Frank Schön, Augustine Fregene – Dirk Böcker, Robert Niestroj (78. Ben Abelski), Emrah Eyüboglu, Axel Bellinghausen (70. Jan Tauer) – Frank Mayer, Sergii Tytarchuk.