Hansa nur mit sieben "Legionären": Cottbus wieder Multi-Kulti-Spitze

Hansa nur mit sieben "Legionären" : Cottbus wieder Multi-Kulti-Spitze

Leipzig (rpo). Energie Cottbus hat seine Osteuropa-Auswahl mit brasilianischem Flair aufgepeppt, Hansa Rostock begnügt sich weiterhin mit seinen "Schweden-Happen".

Die beiden Ostclubs der Bundesliga sorgen in puncto Ausländer für die Rekordzahlen in der neuen Saison. Nur 8 der 29 kickenden Angestellten des Lausitzer Vereins haben einen deutschen Pass. Im 24-Mann-Kader der Rostocker indes verdingen sich neben den vier Schweden Peter Wibran, Marcus Lantz, Magnus Arvidsson und Andreas Jakobsson nur drei weitere "Legionäre" - so wenige, wie nirgendwo sonst in der Bundesliga.

Die Ostsee-Variante geht allerdings völlig gegen den Trend, denn das Fußball-Oberhaus hat seine Ausländer-Quote inzwischen auf 47,8 Prozent geschraubt. Von den 504 Beschäftigten zwischen Ostsee und Breisgau sind 241 nicht in Deutschland zu Hause. 14 Erstliga-Clubs haben elf und mehr Ausländer im Kader, in sechs Teams sind deutsche Spieler sogar in der Minderheit. Dazu gehört auch Schalke 04. Der Vizemeister verpflichtete mit dem Argentinier Anibal Matellan den 20. Ausländer und ist Energie Cottbus damit dicht auf den Fersen.

"Für mich ist nicht entscheidend, woher unsere Spieler kommen, sondern dass sie letztlich alle Cottbuser sind", verteidigt Energie- Präsident Dieter Krein die Personalpolitik, die dem schmalen Geldbeutel des östlichsten Elite-Clubs geschuldet ist. Der Verein, der es in der vergangenen Saison fertig brachte, als erster in der Bundesliga-Geschichte eine reine Ausländer-Elf auf den Platz zu schicken, wartet neben seinen Balkan-Fußballern inzwischen auch mit einem brasilianischen Trio auf: Franklin, Brasilia und Vragel da Silva. Mit Silvio Schröter (22) und Lars Jungnickel (19) angelte sich Trainer Eduard Geyer zudem zwei talentierte Nachwuchsspieler von seinem Ex-Verein Dynamo Dresden. Für sie gilt, was Geyer schon nach der denkwürdigen Ausländer-Premiere Anfang April gegen Wolfsburg allen Kritikern entgegen gehalten hatte: "Die jungen Deutschen sollen rackern und sich die Stammplätze durch mehr Engagement zurück erkämpfen."

Hitzfeld: Bedaure, dass die Beschränkung gelockert wird

Die nach der verpatzten Europameisterschaft 2000 geforderte Pflichtzahl an jungen deutschen Spielern in den Bundesliga-Teams ließ sich per Dekret nicht verordnen. Der Trend geht stattdessen in die entgegengesetzte Richtung. Neben den in unbegrenzter Zahl einsetzbaren Profis aus europäischen Ländern dürfen die Clubs seit dem 1. Juli fünf statt bisher drei Lizenzspieler plus drei Vertragsamateure aus Afrika, Amerika, Asien oder Australien beschäftigen.

"Eigentlich bedauere ich es, dass die Beschränkung gelockert wird. Wir haben eh zu wenig deutsche Spieler in der Bundesliga", sagte Bayern Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld zu der neuen Regelung. Auf der anderen Seite hatte der Vizepräsident des Rekordmeisters, Karl- Heinz Rummenigge, die Reform sogar mit vorangetrieben. Die Bayern fürchteten um ihre internationale Konkurrenzfähigkeit. In Italien beispielsweise fallen ab der neuen Saison jegliche Ausländerbeschränkungen. In der Serie A könnten damit theoretisch elf Brasilianer in einer Club-Mannschaft auflaufen.

Die neue Freiheit haben in Deutschland bisher nur wenige Vereine genutzt. Werder Bremen mit dem Peruaner Roberto Silva und der Hamburger SV mit dem ausgeliehenen Libanesen Roda Antar verpflichteten nach dem 1. Juli jeweils ihren vierten nicht- europäischen Profi. Bayer Leverkusen hat fünf Spieler von anderen Kontinenten im Aufgebot, allerdings werden Frankie Hejduk (USA) und der Brasilianer Marquinhos als Vertragsamateure geführt. Dieser Etikettenschwindel hat mit der Ausländer-Reform aber ebenso an Bedeutung verloren wie der Trick mit dem "Doppelpass". Der Paraguayer Roque Santa Cruz (Spanien), der Peruaner Claudio Pizarro (Italien), der Brasilianer Amoroso (Italien) oder der Nigerianer Sunday Oliseh (Belgien) werden wahlweise auch unter ihrer zweiten Nationalität geführt.

(RPO Archiv)
Mehr von RP ONLINE