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Karriere von Bayern-Talent Jamal Musiala hat viele Parallelen zu Mario Götze

Bayern-Talent wird gefeiert wie einst der Weltmeister : Es steckt viel Götze in Musiala

Der 19-jährige Bayern-Star wird von Experten gefeiert wie einst der WM-Siegtorschütze. Doch es gibt noch mehr Parallelen zwischen den beiden Mittelfeldspielern. Was der junge Nationalspieler aus der teils schwierigen Karriere des Weltmeisters lernen kann.

Und so sprach der DFB-Sportdirektor Matthias Sammer (ja, das war der auch einmal): „Mario Götze ist das größte Talent, das wir je hatten.“ 2010 war das, Götze war gerade 18, aber statt am Sonntagmorgen mit den A-Junioren vor ein paar hundert stillen Zeitzeugen zu spielen, verzauberte er die Massen und leistete entscheidende Beiträge auf dem Weg der Dortmunder Borussia zur deutschen Meisterschaft. Experten und Fans bestaunten seine Beweglichkeit, sein Gefühl fürs Spiel, sein vorausschauendes Handeln.

Zwölf Jahre später ist das übergroße Versprechen Mario Götze nicht vollends eingelöst. Er schoss sich zwar mit dem Tor zum 1:0-Endstand im Weltmeisterschaftsfinale 2014 gegen Argentinien in die Geschichtsbücher neben die Ikonen Helmut Rahn (WM-Siegtreffer 1954), Gerd Müller (1974) und Andreas Brehme (1990), seine Karriere verlief jedoch nicht so kometenhaft, wie Sammer und andere gedacht hatten.

Bei Eintracht Frankfurt macht er mit 30 Jahren einen Neuanfang, und es passt wunderbar, dass er zum Bundesliga-Auftakt jenem Spieler begegnete, von dem die Fachwelt ebenso entzückt ist wie vom jungen Götze. Der 19-jährige Jamal Musiala stellte nicht nur den Neu-Frankfurter in den Schatten, er überstrahlte auch die bemerkenswerte Auswahl von Klasseleuten, die sein FC Bayern München aufbieten kann.

Er tanzte beim 6:1 über den Rasen, er passte schnell und sicher, bewegte sich mit ausgeprägtem Feingefühl in die torgefährlichen Räume, und er erzielte zwei Treffer. Ein weiterer großer Athlet war hingerissen. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus stellte fest: „Musiala ist der größte Hoffnungsträger für den deutschen Fußball.“

Nicht nur in den Lobpreisungen steckt viel Götze von 2010 in Musiala von 2022. Beide imponieren als Teenager in einem führenden Bundesliga-Team. Beide spielen frühzeitig in der Nationalmannschaft. Beide interpretieren ihre Rolle im offensiven Mittelfeld als fußballerische Freigeister, die ihre Räume dort finden, wo andere sie nicht einmal ahnen. Beide entwickeln sich selbst und ihren Kollegen aus ihrem Geschick und ihrem Ballgefühl Torgelegenheiten. Und beide treffen.

Derartige Höhenflüge im jugendlichen Alter sind nicht ungefährlich, schon so mancher ist dabei der Sonne ein bisschen zu nah gekommen. Götzes Karriere beleuchtet das Problem. Der ehemalige Dortmunder ist nicht abgestürzt, aber er wurde den eigenen Erwartungen nicht gerecht. Der frühe Wechsel zu den Bayern nahm ihm viel von seiner Leichtigkeit, mit energischen Zusatzeinheiten im Kraftraum versuchte er sein Glück zu zwingen. Stattdessen nahm er an Muskelumfang zu, an Beweglichkeit ab. Verletzungen und eine lange unerkannte Stoffwechsel-Erkrankung trugen ihn ebenso aus der Spur wie seine damaligen Berater. Vielen kam er schnöselig und fremdgesteuert vor.

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Die Heimkehr nach Dortmund brachte ihn ebenfalls nicht mehr in die Form seiner frühen Jahre. Erst das zweijährige Gastspiel bei der PSV Eindhoven war so etwas wie eine Wiedergeburt. Der merklich schlankere Götze erinnerte in seinem intelligenten, beweglichen Spiel an den jugendlichen Himmelsstürmer. Frankfurt erhofft sich zu Recht viel von dem Mann, der nun im Herbst der Karriere erwachsene Dinge sagt wie: „Alter und Erfahrung spielen eine große Rolle. Zu erwarten, dass ein 20-Jähriger in dem Stadium ist wie ein 30-Jähriger, ist unmöglich.“

Dennoch muss Musialas Weg nicht über Götzes Umwege führen. Noch ist beim neuen größten deutschen Talent weder von Fremdsteuerung noch von Schnöseligkeit die Rede. Im Gegensatz zu Götze hat Musiala allerdings bereits in jungen Jahren viel von der manchmal so rauen Realität erfahren. Er wuchs in England auf, ging beim FC Chelsea in die Fußballschule, weshalb er immer noch englische Sprachbrocken in seine Wortbeiträge mischt, und er kam mit 16 Jahren zu den Bayern ins damals große, fremde München.

„Aus meiner Komfortzone zu kommen, hat mich als Mensch größer gemacht“, sagt er heute mit der Selbstgewissheit eines älteren Herren. Fußballerische Größe muss er im Starorchester der Bayern nun nachhaltig beweisen. Sein Trainer Julian Nagelsmann hat ihm nach der eindrucksvollen Leistung im Supercup beim 5:3 über Leipzig schon mal das Etikett „Weltklasse“ aufgepappt. Eine Ehre und eine Verpflichtung.