49. Kampf von Dariusz Michalczewski: Boxen: Tiger kurz vor dem Ziel

49. Kampf von Dariusz Michalczewski: Boxen: Tiger kurz vor dem Ziel

Hamburg (rpo). Der "Tiger" ist kurz vor dem Ziel. Wenn am Samstag beim 49. Kampf gegen den Mexikaner Gonzalez alles gut geht, kann Dariusz Michalczewski einen Rekord einstellen.

<

p class="text"><P>Hamburg (rpo). Der "Tiger" ist kurz vor dem Ziel. Wenn am Samstag beim 49. Kampf gegen den Mexikaner Gonzalez alles gut geht, kann Dariusz Michalczewski einen Rekord einstellen.

<

p class="text">Am Samstag gegen 23.00 Uhr werden die ersten hämmernden Akkorde der Rockgruppe Survivor durch die mit mehr als 15.000 Zuschauern ausverkaufte Color Line Arena in Hamburg dröhnen.

<

p class="text">Zu "Eye of the Tiger" stürmt Dariusz Michalczewski zum WM-Fight um den WBO-Titel gegen den starken Mexikaner Juan Cesar Gonzalez in den Ring. Wie er es seit 12 Jahren tut, seit neun Jahren als Weltmeister im Halbschwergewicht.

<

p class="text">Diesmal aber ist der Druck noch größer. Kampf 49 steht an, alle bisherigen Fights hat der gebürtige Danziger gewonnen, nur der legendäre Rocky Marciano blieb in den 50er Jahren ebenfalls in 49 Kämpfen unbesiegt. "Dieser Kampf ist etwas ganz Besonderes, weil es um Geschichte geht", sagt Michalczewski: "Ich freue mich besonders darüber, dass es in Hamburg ist. Hier fing alles an." Das war am 16. September 1991, und der 23 Jahre alte Jungprofi Michalczewski schlug einen Aufbaugegner namens Fredrick Porter in der zweiten Runde K.o., es war der erste von 39 vorzeitigen Siegen.

<

p class="text">Die Beziehung zu Hamburg ist auch geprägt vom Auf und Ab in Michalczewskis Karriere. Der Hamburger Promotor Klaus-Peter Kohl nahm den damals für Leverkusen kämpfenden Amateur-Europameister 1991 für seinen Universum Boxstall unter Vertrag. Der gebürtige Pole hatte schon damals einen deutschen Pass. Gleichzeitig verpflichtete Kohl einen Deutsch-Rumänen namens Michael Löwe. "Dann bist du mein Tiger", stellte Kohl lapidar fest - der Kampfname war geboren.

<

p class="text">Michalczewski verzichtete mit dem Profivertrag auf eine fast sichere Medaille bei den Olympischen Spielen in Barcelona, die Chance zum sozialen Aufstieg im Beruf Boxen ließ er sich nicht entgehen. Er kommt aus bescheidennen Verhältnissen in Danzig, ist gelernter Polsterer und Tischler, stromerte aber in seiner Jugend schon mit Gangs herum: "Ich hätte genauso gut im Gefängnis landen können, es war nicht alles okay, was wir gemacht haben." Heute investiert er einen Teil seiner Börsen in eine Stiftung, die sozial gefährdete Kinder durch Sport betreut.

<

p class="text">Am 9. Oktober 1994 wurde er in Hamburg durch einen Punktsieg über den Amerikaner Leeonzer Barber Weltmeister, aber auch seine sportlich schwärzste Stunde erlebte er in der Hansestadt. Am 8. Oktober 1996 taumelte er im ersten Treffen mit Graciano Rocchigiani hilflos durch den Ring, chancenlos gegen den glänzend eingestellten Publikumsliebling. Nach einem Nachschlagen des Berliners in der 7. Runde kämpfte er nicht weiter. Rocchigiani wurde später disqualifiziert - der Makel aber blieb stets an Michalczewski haften.

<

p class="text">Überhaupt hatte er es schwer, die Anerkennung der Fans zu finden. Box-Deutschland schwärmte von Henry Maske, dessen Kämpfe im Privatfernsehen zu schicken Events gemacht wurden. Der "Tiger" boxte dagegen beim Pay-TV-Sender Premiere weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zu einem direkten Duell der beiden Kontrahenten ist es auch wegen der komplizierten TV-Rechte nie gekommen.

<

p class="text">Mit privaten Eskapaden machte Michalczewski außerhalb des Rings Schlagzeilen, die Entfremdung von Ehefrau Dorota warf ihn teilweise aus der Bahn wie der Kampf um die Kinder. Inzwischen aber ist das Leben wieder geordnet. Er kämpft wieder für Polen, hat ein Haus in Danzig und lebt in fester Beziehung mit Freundin Patricia. Und er erfährt auch durch die Übertragungen seiner Kämpfe im ZDF die so sehr ersehnte sportliche Anerkennung. Finanziell hat der mehrfache Millionär ohnehin längst ausgesorgt.

Und dennoch bereitete er sich auf den Kampf gegen Gonzalez vor wie noch nie. "Das ist ein neuer Dariusz", sagte Trainer Fritz Sdunek: "Er ist so konzentriert, wie ich ihn noch nicht erlebt habe. " Die Fans können eine Ringschlacht erwarten, denn auch der 27 Jahre alte Mexikaner sucht stets den Schlagabtausch, gewann 22 seiner 35 Kämpfe vorzeitig und verlor nur gegen Superstar Roy Jones. "Es wird verdammt hart werden", meint Michalczewski: "Aber ich bin schneller, ich werde gewinnen."

Mehr von RP ONLINE