Kolumne: Hier In Nrw: Initiative gegen Rabenväter

Kolumne: Hier In Nrw: Initiative gegen Rabenväter

Rund drei Viertel der Väter verweigern inzwischen ihren Kindern im Scheidungsfall den Unterhalt - und auch das Land läuft dem Geld hinterher. Das Unterhaltsrecht muss erneut überarbeitet werden.

Es gibt Kinder in Nordrhein-Westfalen, die sich nicht auf Weihnachten freuen. Weil sie wissen, dass es für sie ohnehin kaum Geschenke geben wird. Und das nicht etwa, weil ihre Familien nicht genug Geld haben. Nein, es handelt sich vielmehr um jene Kinder, deren Väter nicht zahlen wollen.

Die Zahlen sind erschreckend: Rund drei Viertel der Väter und einige wenige Mütter verweigern die Unterhaltszahlungen, zu denen sie nach einer Trennung gesetzlich verpflichtet wären. Diesen Vätern ist offenbar einerlei, ob es ihren Kindern gut geht. Fehlende Geschenke sind dabei noch das geringste Problem. Viel gravierender ist, dass diese Kinder vieler Chancen beraubt werden. Das reicht von der Teilnahme an der Klassenreise bis zur angemessenen Ausbildung. Manch einer der säumigen Väter führt an, dass er selbst finanzielle Probleme habe. In einigen der Fälle mag das zutreffen - aber sicher nicht in 75 Prozent.

Offenbar verlassen diese Väter sich darauf, dass der Staat einspringt. Was er nach einiger Zeit und einem gewissen Aufwand auch tut. Das Land wird nächstes Jahr 315 Millionen Euro an die Kommunen überweisen, damit diese den Unterhaltsvorschuss zahlen können. 2016 waren es erst 102 Millionen. Zwar nimmt der Bund NRW einiges davon ab. Es bleiben aber 2018 zusätzlich 56 Millionen Euro, die das Land beisteuert. Die Landesregierung müht sich, das Geld bei den Vätern einzutreiben. Oft ohne Erfolg - es gibt viele Möglichkeiten, die Einnahmen zu verschleiern, etwa im Rahmen beruflicher Selbstständigkeit.

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Überfällig ist eine erneute Reform des Unterhaltsrechts. Das wäre eine Bundesratsinitiative, mit der sich Familienminister Joachim Stamp (FDP) profilieren könnte. Damit ließe sich die Situation der meist weiblichen Alleinerziehenden verbessern - zugunsten der Kinder. Seit die große Koalition im Bund 2008 im Scheidungsfall die Unterhaltspflicht stark einschränkte, hat sich deren finanzielle Lage noch einmal deutlich verschlechtert. Begründet wurde die Gesetzesänderung zwischen den Zeilen damit, dass Frauen im 21. Jahrhundert sich nicht darauf verlassen dürften, ihr Ehemann werde für sie aufkommen.

Das war zynisch. Wie sollen beide Eltern gleichberechtigt ihren Beruf ausüben, wenn es zu wenige Plätze in Kitas und Übermittagsbetreuungen gibt? Meist stellen dann nach wie vor die Frauen ihren Beruf zurück. Das allein sollte Grund genug sein, damit Väter ihr Portemonnaie auch im Trennungsfall weit öffnen.

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(kib)