Fall Walter Lübcke: Was wir wissen und was nicht

Erschossener Regierungspräsident : Fall Lübcke - Was wir wissen und was nicht

Auch zehn Tage nach dem tödlichen Schuss auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gibt der Fall noch viele Rätsel auf. Wir haben den Stand der Ermittlungen zusammengefasst.

Der 65-jährige CDU-Politiker war in der Nacht zum 2. Juni mit einer Schusswunde am Kopf auf der Terrasse seines Hauses in Nordhessen entdeckt worden. Eine 50-köpfige Sonderkommission unter Leitung des Landeskriminalamts ermittelt.

WAS WIR WISSEN

TATORT
Ein Angehöriger findet den Regierungspräsidenten am 2. Juni gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha. Versuche, Lübcke wiederzubeleben, bleiben erfolglos. Um 2.35 Uhr wird sein Tod in einem nahe gelegenen Krankenhaus festgestellt.

KIRMES
In der Nähe des Wohnhauses wurde in der Tatnacht Kirmes gefeiert. Die Ermittler haben deshalb Besucher der Kirmes dazu aufgerufen, Fotos und Videos zur Verfügung zu stellen. Die Soko „Liemecke“, die nach einem örtlichen Bach benannt wurde, geht nun über 200 Hinweisen nach.

TODESURSACHE
Eine rechtsmedizinische Untersuchung ergab, dass Lübcke an einem Schuss aus einer Kurzwaffe starb - dazu zählen beispielsweise Pistolen oder Revolver. Der Schuss wurde aus nächster Nähe abgegeben.

NORDSEEFÄHRE
Ein Polizeieinsatz an der niedersächsischen Nordseeküste sorgte am vergangenen Wochenende für Aufsehen. Die Polizei stoppte zeitweise den Fährbetrieb zur Insel Wangerooge und nahm im Zusammenhang mit dem Fall Lübcke einen Mann in Gewahrsam. Nach der Befragung wurde er einige Stunden später wieder auf freien Fuß gesetzt. Es hätten sich keine Anhaltspunkte für eine Tatbeteiligung ergeben, hieß es.

DROHUNGEN
Es gab Morddrohungen gegen Lübcke, der als Chef des Regierungspräsidiums Kassel in der Flüchtlingskrise vor vier Jahren für die Unterbringung von Flüchtlingen in Nordhessen federführend war. Der Regierungspräsident hatte sich 2015 auf einer Informationsveranstaltung gegen Schmährufe gewehrt und gesagt, wer gewisse Werte des Zusammenlebens nicht teile, könne das Land verlassen. Eine Verbindung zur Tat sehen die Ermittler bislang nicht.

HASSKOMMENTARE IM NETZ
Im Internet äußerten nach der Tat insbesondere User aus der mutmaßlich rechtsextremen Szene unverhohlen Freude oder Häme über den gewaltsamen Tod des Politikers. Die Ermittler prüfen, ob die Äußerungen strafrechtlich verfolgt werden können.

WAS WIR NICHT WISSEN

MOTIV UND TÄTER
Die entscheidende Frage ist noch ungeklärt: Wer hat Lübcke getötet und warum? Hat die Tat einen privaten oder womöglich doch einen politischen Hintergrund? Lübcke saß viele Jahre im hessischen Landtag, bevor er als eine Art politischer Spitzenbeamter zum Regierungspräsidenten von Kassel ernannt wurde.

Kurz nach der Tat sagte LKA-Chefin Sabine Thurau, es habe keine Hinweise auf eine aktuelle Gefährdungslage für Lübcke gegeben. Grundsätzlich galt der Regierungspräsident als beliebt. Er wäre im Herbst in den Ruhestand gegangen. Die Ermittler lassen bislang auch offen, ob sie schon Verdächtige im Visier haben. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, heißt es von der Soko.

TATWAFFE
Wo sich die Tatwaffe befindet, ist ebenfalls völlig unklar. Bislang ist auch unbekannt, welches Kaliber sie hat. Staatsanwaltschaft und Polizei schweigen dazu, um ihre Ermittlungen nicht zu gefährden.

(felt/dpa)
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