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Russischer Rubel: Dmitri Medwedew verspricht Maßnahmenpaket

Talfahrt des Rubels : Dmitri Medwedew verspricht Maßnahmenpaket

Der Rubel erholt sich nach seiner Talfahrt leicht, doch von einer Entwarnung kann keine Rede sein. Ministerpräsident Medwedew ruft die größten Exporteure zu einer Krisensitzung zusammen. Das Finanzministerium erwägt Devisenverkäufe.

Die russische Regierung will die Talfahrt des Rubels mit Devisenverkäufen und anderen Maßnahmen stoppen. Ministerpräsident Dmitri Medwedew sagte bei einem Treffen mit den Chef der größten Exportfirmen am Mittwoch, er werde ein "Maßnahmenpaket" auf den Weg bringen. Details dazu wurden zunächst nicht bekannt. Zudem will das Finanzministerium mit Devisenverkäufen versuchen, die Währung zu stützen.

Nach seinem Sturz am Dienstag um mehr als 20 Prozent gab die russische Währung am Mittwoch zunächst weiter nach, machte dann aber etwas Boden gut. Gegen 13.15 Ortszeit notierte sie bei 68 Rubel gegenüber dem Dollar und damit um 0,9 Prozent tiefer als zum Börsenschluss am Dienstag.

Angesichts der Panikkäufe russischer Bürger und der damit schnell steigenden Preise stoppte der US-Konzern Apple seinen gesamten Online-Handel in dem Land. Beobachter erwarteten, dass das schwedische Möbelhaus Ikea am Donnerstag seine Preise erhöhen könnte.

Ölpreise und Sanktionen als Ursache

Seit Jahresbeginn verlor der Rubel mehr als 50 Prozent. Für vorübergehend leichte Entspannung sorgten am Markt Pläne der Regierung, um die Währung zu stützen. Der stellvertretende Ressortchef Alexej Moisejew wurde von der Nachrichtenagentur Interfax mit den Worten zitiert, das Ministerium werde "so viel wie möglich und so lange wie möglich" Fremdwährung aus der Staatskasse verkaufen.

Hintergrund des drastischen Wertverfalls sind rapide sinkende Ölpreise sowie die westlichen Sanktionen wegen des Vorgehens Moskaus in der Ukraine. In der Nacht zum Dienstag hatte die Zentralbank mit drastischen Schritten gegen den Rubel-Verfall anzukämpfen versucht:
Der Leitzins wurde noch einmal massiv angehoben, von 10,5 auf 17 Prozent. Die Maßnahme hielt den Sturzflug des Wechselkurses jedoch nur zeitweise auf.

Allerdings sagte der Russland-Beauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler, die Krise in Russland gehe in weiten Teilen auf den Ölpreis zurück. Es sei eine Illusion, zu glauben, dass mit dem Wegfall der Sanktionen Russlands Wirtschaft sofort wieder in Ordnung komme, sagte er einem deutschen Radiosender.

Zeitung: "Das ist eine gefährliche Situation"

Als weitere Gegenmaßnahme gegen den Währungsverfall könnten die russischen Behörden zum Instrument der Kapitalkontrollen greifen oder direkt in den Märkten intervenieren, etwa durch Aufkauf von Rubel.
Der Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Alexej Uljukajew, stritt am Dienstag allerdings ab, dass die Regierung Kapitalkontrollen erwäge. Zugleich sagte er, die Anhebung des Leitzinses sei zu spät gekommen.

Die drastische Zinserhöhung soll die Inflation eindämmen und Russen dazu anhalten, vor allem Rubel in ihre Depots zu nehmen. Auf diese Weise können sie auf satte Renditen hoffen. Ein weiter fallender Rubel könnte die Inflation gefährlich anheizen. Die russische Regierung hatte kürzlich ihren ökonomischen Ausblick für das kommende Jahr herabgestuft und erwartet nun offiziell eine Rezession.

"Das ist eine sehr gefährliche Situation, wir sind nicht weit von einem massiven Sturm auf die Banken entfernt", hieß es in einem Leitartikel der führenden Wirtschaftszeitung "Wedomosti". Der Rubel könnte noch diese Woche weiter unter Druck geraten. Es wird erwartet, dass US-Präsident Barack Obama ein Gesetz unterschreibt, das neue Wirtschaftssanktionen gegen Russland vorsieht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Akteure in der Krim-Krise

(ap)