Pakistan: Alle Taliban-Attentäter sind tot - 130 Tote an Schule

Alle Attentäter sind tot : Armee beendet Taliban-Attacke auf Schule in Pakistan

Bei einem der blutigsten Taliban-Angriffe der vergangenen Jahre in Pakistan sind in einer Schule mindestens 132 Menschen getötet worden, die meisten davon Kinder.

Islamistische Taliban haben in einer Schule in der pakistanischen Millionenstadt Peshawar ein Blutbad angerichtet und mindestens 125 Kinder und Jugendliche getötet. Insgesamt kamen 132 Menschen ums Leben, mehr als 250 weitere wurden verletzt, wie die Regierung der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa mitteilte.Die pakistanischen Taliban bekannten sich zu der Attacke vom Donnerstag und sprachen von einem Racheakt für eine seit Monaten laufende Militäroffensive in ihren Stammesgebieten.

Am Dienstagabend (Ortszeit) beendete die Armee die Geiselnahme nach stundenlangen Gefechten. Alle sechs Angreifer seien tot, teilte das Militär mit. Die Extremisten waren vormittags in die vom Militär betriebene Schule eingedrungen und hatten etwa 500 Schüler und Lehrer als Geiseln genommen. Pakistanischen Medienberichten zufolge missbrauchten die Taliban Schüler sogar als menschliche Schutzschilde. Es wurde befürchtet, dass die Opferzahl weiter steigt. Mehrere Dutzend Kinder erlitten Schussverletzungen, ihr Gesundheitszustand war kritisch.

Ein Sprecher der Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) rechtfertigte den Angriff in örtlichen Medien. Die vom Militär betriebene Schule sei zum Ziel geworden, "weil sie auch unsere Familien angreifen. Wir wollen, dass sie den Schmerz fühlen, den wir fühlen."

Die Armee geht massiv in den Stammesgebieten im Grenzgebiet zu Afghanistan gegen radikalislamische Gruppen wie die Taliban oder das Terrornetz Al Qaida vor. Dabei wurden nach Regierungsangaben bereits tausende Extremisten getötet und vertrieben.

Eine Lehrerin sagte, dass Schüler der oberen Klassen eine Prüfung schrieben, als die Terroristen das Feuer eröffneten. Im Fernsehen war zu sehen, wie Soldaten Schüler in Sicherheit brachten. Kinder in ihren Schuluniformen mit grünen Pullovern über der traditionellen Kleidung rannten verängstigt ins Freie. Blutüberströmte Schüler und Lehrer wurden aus der Schule getragen. Verzweifelte Eltern drängten sich um die Rettungsautos und hinter Absperrungen vor der Schule und den Notaufnahmen der Krankenhäuser.

Ministerpräsident Nawaz Sharif nannte den Angriff eine nationale Tragödie und ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. "Das sind meine Kinder. Es ist mein Verlust." Die Militäraktionen gegen die Taliban würden trotz des Anschlags fortgesetzt, betonte er. Kurz darauf flog die Luftwaffe zehn Angriffe in der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa, offenbar als Vergeltungsmaßnahme.

Die Schule wird von mehr als 1000 Schülern besucht und bietet Unterricht für Altersstufen von Kindergärtnern bis zur Oberschule. Die Armee betreibt mehr als 120 dieser Schulen in ganz Pakistan. Sie sind bei Eltern aufgrund ihrer hohen Bildungsstandards beliebt. Schulen, besonders solche auch für Mädchen, werden in Pakistan immer wieder zur Zielscheibe für die Extremisten. Sie verbreiten aus deren Sicht "westliche Dekadenz" und un-islamische Lehren.

Malala entsetzt

Die pakistanische Friedensnobelpreis-Trägerin und Kämpferin für Kinderrechte, Malala Yousafzai, hat das Massaker der Taliban an pakistanischen Schülern als "grauenhaft und feige" verurteilt. "Dieser sinnlose und kaltblütige Terrorakt in Peshawar, der sich vor unseren Augen abspielt, bricht mir das Herz", erklärte die 17-Jährige am Dienstag in London. Die Reaktion von Regierung und Armee in Pakistan seien bislang vorbildlich, schrieb Malala weiter. "Ich trauere mit Millionen anderen überall auf der Welt um diese Kinder, meine Brüder und Schwestern - aber wir werden niemals besiegt werden." Die jüngste Nobelpreisträgerin der Geschichte war 2012 selbst Opfer der Taliban geworden, die ihr bei einem Terroranschlag ins Gesicht geschossen hatten. Sie setzt sich für Kinderrechte und vor allem für bessere Bildungschancen für Mädchen ein und lebt heute in Großbritannien.

Pakistans Premierminister Nawaz Sharif sprach von einer "von Wilden entfesselten nationalen Tragödie". "Dies waren meine Kinder. Dies ist mein Verlust. Dies ist der Verlust der Nation", erklärte Sharif.

Auch das benachbarte Indien verurteilte den Angriff. Innenminister Rajnath Singh erklärte auf Twitter, die "heimtückische und unmenschliche" Attacke in Peschawar zeige "das wahre Gesicht des Terrorismus". Sein Herz gehöre den Familien der getöteten Kinder.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte in Berlin, "die Geiselnahme und Ermordung von Kindern übertrifft in ihrer grausamen Feigheit alles, was das seit Jahren von Terror und Gewalt heimgesuchte Pakistan bisher kannte".

Der pakistanische Sicherheitsexperte Talat Masood wertete den Anschlag als Versuch, die Armee zu schwächen. Die Rebellen griffen sogenannte weiche Ziele an, bei denen mit verhältnismäßig geringem Aufwand ein vor allem psychologisch starker Effekt erreicht werden könne. Bei der Armeeoffensive gegen Rebellenhochburgen vor allem in Nord-Waziristan wurden seit Juni mehr als 1600 Rebellen getötet, wie aus einer AFP-Zählung auf Grundlage von Militärmitteilungen hervorgeht.

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(AFP)